Ein Mann joggt durch ein kleines lichtes Wäldchen. Auf seinem Kopf trägt er Kopfhörer, die wie Ohrwärmer seine Ohren bedecken. Er hört ein Hörbuch. Eine wohlklingende Männerstimme erzählt von Schamanen und Abenteuern, Libellen als mystischen Tiergeistern und schwerwiegenden Lebensentscheidungen… Matthias Bleuel (JOACHIM KRÓL) ist Logistiker des Versandhauses Fengler in Leverkusen. Er lebt allein in einem kleinen Reihenhaus. Seine Ex-Frau Ilka (KATJA RIEMANN) ist neu liiert. Sie versucht, ihm aus dem Weg zu gehen. Er ist noch nicht über die Scheidung hinweg.
Bleuel wird vom Seniorchef (MICHAEL DEGEN) mit dem Auftrag, eine neue Software einzuführen, die die Warenverwaltung automatisieren soll, in das Verkaufsbüro Kemerovo in Sibirien geschickt. Vor allem soll er der Leiterin der dortigen Niederlassung, Galina Karpova (ZOYA BURYAK), offensichtlich eine lange zurückliegende Affäre des Chefs, eine Ehrenurkunde für ihre Verdienste nebst Pralinen überreichen … sowie ein Foto von ihr mit nach Hause bringen.
Dem wenig abenteuerlustigen Bleuel gelingt es nicht, seinen Chef davon zu überzeugen, dass er absolut ungeeignet für eine solche Reise ist. Und so findet er sich bald auf dem Flughafen in Novosibirsk wieder, wo er eigentlich nur umsteigen sollte. Sein Anschlussflug wurde gestrichen. Warum, bleibt ihm verborgen, da er kein Wort Russisch kann und um ihn herum niemand Deutsch oder Englisch spricht. Er hat keine Ahnung, wie es weitergeht. Ilka, die er anruft, damit sie ihm von Deutschland aus hilft, legt einfach auf. Bleuel muss viele Stunden warten – er setzt den Kopfhörer auf, schließt die Augen und vertieft sich in sein Hörbuch über den Schamanen.
Da steht auf einmal Holger (ARMIN ROHDE), ein alter Schulfreund, vor ihm, der sich nicht nur bestens auskennt, sondern Bleuels Probleme mit ein paar zusätzlichen Rubel am Ticketschalter regeln kann. „Dafür bekomm’ ich Dein Pausenbrot, Du Muschi!“ kommentiert er die Aktion. Und erklärt, dass Bleuels Reiseziel Kemerovo buchstäblich am Ende der Welt liegt, dort wo der ganze Weltraumschrott auf die Erde herunterkommt.
Endlich in Kemerovo angekommen, wird Bleuel von seinem Dolmetscher Artjom (VLADIMIR BURLAKOV) abgeholt, der ihn erstmal ins Hotel bringen möchte. Doch Bleuel will, korrekt wie er ist, lieber gleich ins Büro, um sich „einen ersten Überblick zu verschaffen“. Kurz gesagt: Er eckt vom ersten Moment an. Daran kann auch der herzliche Empfang, den ihm Galina Karpova bereitet, nichts ändern. Er hält eine holprige Begrüßungsrede und übergibt unbeholfen die Urkunde mit den Pralinen. Artjom will die Belegschaft der Fengler-Zweigstelle nicht vor den Kopf stoßen und übersetzt in blumigen Worten das trockene Gerede von Bleuel. Die Freude ist groß und es gibt ein spontanes Fest, bei dem Bleuel vor allem dadurch auffällt, dass er alles, was man ihm anbietet, ausschlägt.
„Keine Tomaten? Kein Wodka? – Wovon lebt er?“ ist der mitleidige Kommentar einer Mitarbeiterin. Am nächsten Morgen im Hotel, neben dem umgebauten ehemaligen Forschungszentrum der sowjetischen Raumfahrtbehörde, entdeckt er zwischen den Scheiben des Doppelglasfensters eine bunt schimmernde Libelle. Wie ist sie da hingekommen?













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