Wir wollten aufs Meer

Wir wollten aufs Meer © 2012 Wild Bunch

Überseehafen Rostock, 1982: Die Mauer steht grau und fest — Jahr für Jahr strömen zahlreiche junge Männer an den einzigen internationalen Hafen der DDR — dem Tor zur Welt. So auch die beiden Freunde Cornelis (ALEXANDER FEHLING) und Andreas (AUGUST DIEHL), die nur ein großes Ziel vor Augen haben: Sie wollen als Matrosen der DDR-Handelsmarine aufs Meer fahren und die weite Welt sehen. Voller Enthusiasmus und ihrem großen Traum scheinbar zum Greifen nahe, heuern sie als Hafenarbeiter in Rostock an.

Drei Jahre später: Die anfängliche Euphorie der beiden Freunde ist der Resignation gewichen. Sie sitzen fest — noch immer in Rostock, noch immer als Hafenarbeiter. Alles stagniert. Das große Ziel fest vor Augen, lassen sich Conny und Andy auf einen Pakt mit der Staatssicherheit ein. Für einen Posten bei der Handelsmarine sind sie zunächst bereit ihren Brigadier Matze Schönherr (RONALD ZEHRFELD) auszuhorchen, der scheinbar die Republikflucht plant.

Der Trailer zu WIR WOLLTEN AUFS MEER


Conny, der ein gutes Verhältnis zu seinem Vorgesetzen Matze pflegt und aus diesem Grund auf ihn angesetzt wird, schaut eines Abends auf einen Krankenbesuch bei diesem vorbei. Sichtlich nervös und noch im Treppenhaus zögernd, entschließt sich Cornelis, wider seiner Zweifel, die Bespitzelung durchzuziehen. Matze ist über Connys Krankenbesuch offenkundig überrascht, misstraut dessen gespieltem Interesse an seinem Gesundheitszustand und unterstellt ihm, dass er doch sicher nur zum Spionieren geschickt worden sei. Doch Conny gelingt es, Matzes Zweifel auszuräumen. Als Matze kurz den Raum verlässt, prüft Conny das Aufnahmegerät, das er in seiner Jackentasche versteckt hält. Und tatsächlich bestätigt sich schnell der Verdacht der Staatssicherheit: Im Gespräch mit Conny gesteht Matze, dass er nicht krank ist, sondern seit einiger Zeit seine Flucht in den Westen plant. Mit einem Bremer Frachtschiff will Matze das Land verlassen und Frau und Kind später nachholen.

Als Conny schließlich mit Matzes Geständnis zu Andy in den Wagen steigt, nagen an Conny bereits erste Zweifel. Während Andreas sich schon eine Zukunft bei der Handelsmarine ausmalt, bringt Cornelis den Verrat nicht übers Herz. Er wirft das Tonbandgerät mit der brisanten Information aus dem fahrenden Auto. Wütend und verständnislos gegenüber Connys Verhalten zweifelt Andy zunehmend an der Ernsthaftigkeit ihres gemeinsamen Wunschtraums und der Beständigkeit ihrer Freundschaft. Unnachgiebig hält Conny an seiner Entscheidung fest und kann Andy überzeugen, Matze nicht zu denunzieren. Mit dieser Entscheidung hat Cornelis nun nicht nur das Misstrauen und die Aufmerksamkeit der „Firma“ auf sich und Andreas gelenkt, sondern auch einen unwiderruflichen Keil zwischen die Freunde getrieben.

Als die Beiden am nächsten Morgen zum Rapport bei der Stasi antreten, erzählen sie, dass das Tonband bei einem Sturz kaputt gegangen sei, Brigadier Schönherr aber ohnehin nicht an Republikflucht denke. Ungläubig werden Conny und Andy aus der Befragung entlassen, doch nur kurze Zeit später beginnen die Stasi-Beamten, denen die unausgesprochene Dissonanz zwischen den beiden Freunden nicht verborgen geblieben ist, damit, Andreas eines Nachts zu traktieren. Andreas, ein Opportunist, knickt ein und verrät Matze. Andys Geständnis hat eine weiterführende und schicksalhafte Konsequenz zur Folge: Cornelis wird von Oberst Seler (ROLF HOPPE), einem hochrangigen Stasi-Mann, verhört und ihm von Matzes Verhaftung berichtet. Schließlich stellt er Conny vor die Wahl, entweder, er spitzle in Zukunft weiter für die Stasi oder Connys heimliche Geliebte, die Vietnamesin Phuong Mai (THAO VU), wird in ihr Heimatland zurück geschickt.

Damit wären nicht nur zwei Träume, Mais Wunsch Medizin zu studieren und Cornelis Lebenstraum, zerstört, sondern auch die Liebe zwischen Mai und Conny für immer verloren. Doch einmal mehr geht Cornelis nicht auf das Angebot ein. Dadurch nimmt er auch für seinen besten Freund in Kauf, dass die Seefahrerei zu einer unerreichbaren Utopie werden wird. Oberst Seler ist brüskiert über Connys eigensinniges Verhalten. Unnachgiebig und gefühllos veranlasst er Mais sofortige Verhaftung.

Nachdem Conny aus den Fängen der Stasi entlassen wird, erreicht er erbittert den Hafen. Ein Wortgefecht mit gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Andy und Conny führt zu einer brutalen Schlägerei zwischen den beiden Freunden, bei der Andreas schließlich von einem LKW erfasst wird. Conny steht unter Schock und begleitet seinen schwer verletzten Freund ins Krankenhaus. Dort überschlagen sich die Ereignisse. Die Stasi ist bereits hinter Mai her. Doch bevor es vor dem Krankenhaus, in dem Mai auch arbeitet, beinahe zu deren Verhaftung durch die Stasi kommt, kann das Paar noch knapp entkommen. Den einzigen Ausweg ihre Liebe zu leben, sehen sie in ihrer Flucht in die BRD. Über die tschechische Grenze wollen sie nach Hamburg entkommen, um dort zu heiraten und sich ein gemeinsames Leben aufzubauen. Zeitgleich wird Andreas noch im OP-Saal von Oberst Seler und seinen Häschern bedroht.

Seler weiß, dass Andy und Conny in größter Vertrautheit miteinander verbunden sind. Er erpresst ihn, um Näheres über Connys Pläne zu erfahren. Andy, der durch die Bedrohung um sein Leben fürchtet, verrät schließlich die Stelle, an der Cornelis den Grenzübertritt plant. An der Grenze zwischen Ost und West kommt es zur Katastrophe. Als Conny und Mai in der Dämmerung endlich den Grenzstreifen erreichen, geraten die beiden in einen Hinterhalt. Conny bittet Mai weiterzulaufen, während er sich den Grenzpolizisten ergeben will. Er verspricht Mai, bald nach Hamburg nachzukommen und drängt darauf, dass sie dort auf ihn warten solle. Während es Mai gelingt, die rettende Seite zu erreichen, wird Cornelis gefasst und zu fünf Jahren Haft im Strafvollzug der DDR verurteilt. In der JVA Cottbus trifft Conny unerwartet auf Matze, der hier ebenfalls seine Haftstrafe verbüßt. Schnell bekommt Conny Matzes Hass zu spüren, der glaubt Conny habe ihn damals an die Stasi verpfiffen. Doch Conny wehrt diese Annahme beständig ab. Er versucht Matze klarzumachen, dass er nicht verantwortlich ist und selbst mit seiner Freundin in den Westen fliehen wollte. So sei auch er ein politischer Gefangener wie Matze.

Indessen arbeitet Andreas, der von Seler von Connys Verhaftung erfahren hat, weiter für die Staatssicherheit. Seit seinem Unfall an den Rollstuhl gefesselt, muss er seinen Traum bei der Handelsmarine arbeiten zu können, endgültig begraben. Er soll fortan für die Staatssicherheit ein abgeschiedenes „konspiratives Objekt“ verwalten. IM Roman (Sylvester Groth) soll in der entlegenen Villa die Frauen Oppositioneller verführen und aushorchen.

Andys Aufgabe ist es, in seiner neuen Funktion als IM Hans, die heimlichen Treffen abzuhören und aufzuzeichnen. Zunächst ergibt sich Andy seiner Aufgabe, doch schon bald fühlt er sich einsam, sucht bei Romans Besuchen den Kontakt zu ihm und versucht, mit ihm Freundschaft zu schließen. Doch Roman hat kein Interesse an einer näheren Beziehung zu Andy. Er verabschiedet sich emotionslos von ihm und lässt ihn in seiner Einsamkeit zurück. Doch eines Tages erhält Andy, der zunehmend an seiner Aufgabe und seiner Beziehungslosigkeit verzweifelt, unerwartet einen Brief von Mai, in dem sie Andy um Hilfe bittet, Conny den beigelegten Brief zukommen zu lassen. Heimlich öffnet Andy diesen Brief. Er erfährt, dass sie inzwischen in Hamburg lebt — mit einem Kind von Cornelis, auf den sie sehnsüchtig wartet. Als schließlich Oberst Seler Andy erklärt, dass Conny durchaus die Möglichkeit hat mit Hilfe eines Ausreiseantrages in den Westen zu gelangen, entspinnt Andy unter der führenden Hand von Oberst Seler eine perfide Intrige. Von Rache getrieben fälscht er Mais Brief und sucht Conny im Gefängnis auf.

Conny, der nicht ahnt, dass Andy ihn nicht ihrer Freundschaft wegen aufsucht, muss nun durch den gefälschten Brief erfahren, dass es Mai nicht gelungen ist, in Hamburg ein eigenes Leben aufzubauen und aus diesem Grund zurück in ihre Heimat gegangen ist. Nichts ahnend und zutiefst bestürzt sieht Conny in Andy seinen nunmehr einzigen Vertrauten. Andys Plan scheint aufzugehen... Doch Connys wachsende Freundschaft mit Matze und deren oppositionelle Einstellung missfällt Andy. Er berichtet an Oberst Seler und spricht die Empfehlung aus, Conny nach seiner Haft wieder in die DDR zu entlassen und gegen Matze einschneidende Maßnahmen einzuleiten. Nur kurze Zeit später erreicht Matze ein Brief, in dem seine Frau Sabine (Annika Blendl) überraschend die Scheidung fordert.

Matze ist am Boden zerstört, wohlwissend, dass ein intrigantes Spiel eines Verräters hinter allem steckt. Mehr und mehr leiden Conny, Matze und die übrigen politischen Gefangenen unter den Repressalien und der Schikane des Gefängnisaufsehers Fromm (Thomas Lawinky), der nun auch noch den Besuch ihrer Familien untersagt hat. Allen Widrigkeiten zum Trotz stellt Conny einen Ausreiseantrag und informiert sich bei seinem Zellenkumpel Ralfi (Hans-Uwe Bauer) über die Menschenrechte politischer Gefangener in der DDR.

Schnell findet er heraus, dass Menschenrechtsorganisationen im Westen sich durchaus für die Belange der DDR-Häftlinge interessieren und einsetzen. Conny ersinnt einen Plan: Während seines Dienstes in der Wäscherei belauscht er Aufseher Fromm, der seinen Kollegen erzählt, dass sich seine Frau nach Westprodukten sehne. Conny provoziert Fromm, indem er ihn fragt, ob seine Frau auf Westschokolade stehe. Es kommt zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Fromm und Conny, der dem unbeherrschten Fromm jedoch erklärt, dass er Westpakete beschaffen könne. Hierfür bittet Conny Andy um Hilfe, der einen Brief an die Organisation „Schützende Hände“ übermitteln soll. Von Fromm fordert Conny jedoch im Gegenzug, dass die Gefangenen ihre Familien wieder sehen dürfen. Andy und Fromm lassen sich auf den Deal ein. Als Andy in seinem Bericht an Seler alles auffliegen lässt, wird Matze in Isolationshaft gesperrt.

Durch Connys Brief an die Menschenrechtsorganisation „Schützende Hände“, ist diese alarmiert. Als Beauftragter der Hilfsorganisation sucht Wolfram (Anian Zollner) — in Wahrheit auch ein Spitzel der Stasi — Mai in Hamburg auf, um ihr scheinbar dabei zu helfen, Conny freizubekommen. Mittlerweile erfährt Conny, dass die Ausreiseanträge aller Zellengenosssen abgelehnt wurden und alle zu Ende ihrer Haft in die DDR entlassen werden. Alle Hoffnungen sind zerstört und als weitere Sanktion wird Conny zu Matze ins „Loch“ gesteckt.

Als Mai und Wolfram bei Andy aufkreuzen, wollen sie mit dessen Hilfe einen Freikaufanwalt kontaktieren um Conny freizubekommen. Doch Andy, völlig perplex, fordert von Mai ein Gespräch unter vier Augen. In einer ernsthaften Unterredung erläutert er Mai, dass er zwar für die Stasi arbeite, allerdings nur zum Schein. In Wahrheit wolle er jedoch Conny und Mai wieder zusammenführen. Damit der Plan gelingt, müsse Mai aber dichthalten. Mai lenkt ein. Doch als plötzlich Roman auftaucht und Andy alias Hans zur Rede stellt, erkennt Wolfram Andys trügerisches Spiel.

Nur kurze Zeit später wird Andy zu einem konspirativen Treffen gebracht. Roman und Oberst Seler erwarten und konfrontieren ihn mit einer Aufnahme von dessen Gespräch mit Mai. Schnell wird ihm klar, dass Wolfram ihn ausgespielt hat und er fortan mit weiteren Sanktionen rechnen muss. Oberst Seler unterbreitet ihm zwar eine Beförderung zum Hauptamtlichen und erfüllt damit Andys größten Wunsch, jedoch stößt er ihn in einen tiefen Abgrund — totale Einsamkeit. Andreas einzige Hoffnung ist nun, seinen besten Freund Conny nicht zu verlieren.

Tief enttäuscht besucht er Conny im Gefängnis. Doch Conny, gebrochen, weiß nun, dass eine Verschwörung hinter allem steckte. Als Andy sein Gewissen erleichtern möchte, macht Conny ihm klar, dass alles zerstört und verloren ist. Andy steht vor den Trümmern einer ehemals innigen Freundschaft und erkennt, dass seine einzige Konstante die Vergeblichkeit ist. Chancenlos ergibt er sich seinem Schicksal.

Endlich die Wiedervereinigung: Conny, inzwischen aus der Haft entlassen, erhält in einem kleinen Päckchen Mais gesammelte Briefe. Er reist auf direktem Weg nach Hamburg, um endlich seine große Liebe Mai und seinen Sohn zu sehen. Doch er ist zu spät. Mai ist nach Vietnam zurück gekehrt. Conny trifft nur noch auf eine verlassene Wohnung. Die schmerzhafte Erkenntnis füllt Conny mit Leere. Die Zeit war einfach zu lange. Doch Conny fasst einen Entschluss, er will zur See! Nachdem es ihm gelingt, als Hilfsarbeiter einen Posten bei der Marine zu bekommen, gibt es für ihn nur noch ein Ziel: Südostasien!

Szene Fotos und Trailer

Details zu Wir wollten aufs Meer

Titel:Wir wollten aufs Meer
Wir wollten aufs Meer (Deutschland 2012)
Verleih:Wild Bunch
Genre:Drama
Regie:Toke Constantin Hebbeln
Darsteller:Alexander Fehling, August Diehl, Sven Gerhardt
Spielzeit:116 Minuten
Filmstart:13. September 2012
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Kommentare und Bewertungen zu Wir wollten aufs Meer

1
andrea slowinski
Rating: 5 / 5
wrote on 06.10.2012 20:09
außergewöhnlich - detailliert das ganze System beschrieben.
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