Rogue One: A Star Wars Story Filmkritik — Unsere spoilerfreie Kritik zum Megahit

  

Der Film, mit dem sich alles vergleichen lassen muss, das auch nur annähernd in den Bereich Science-Fiction/Fantasy gehört, heißt „Das Imperium schlägt zurück“. Warum ist das so? Ganz einfach. Der zweite Teil der Star-Wars-Saga hatte alles, was eine Fortsetzung haben muss. Interessante, kultverdächtige Charaktere, unvergessliche Szenen und Wendungen, atemberaubende Planeten und Orte. Und viel Witz, der Hand in Hand mit einer düsteren Grundstimmung unterwegs war. Ach, ja. Außerdem war Goerge Lucas kaum an der Umsetzung dieses Werks beteiligt …

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So muss ein Prequel sein

All das hat „Rogue One“ auch. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass der gute Lucas das Steuerrad längst an Disney abgegeben und nun überhaupt nichts mehr mit dem Universum am Hut hat. Alles andere, scheint dem feuchten Traum eines ewig nörgelnden Kinokritikers entsprungen zu sein. Genau wie der legendäre Film von 1980 hat dieses Prequel alles, was von einem Ableger, einer Fortsetzung oder einer Vorgeschichte erwartet werden darf.

Die neu eingeführten Figuren mögen nur Abziehbildchen sein und haben in den knapp über zwei Stunden nicht genügend Zeit, sich wirklich zu entfalten und Tiefe in der Persönlichkeit zu offenbaren. Dass ist aber nicht der Schlamperei von Drehbuchautoren oder Regisseuren zu verdanken, sondern schlichtweg der Tatsache, dass es wichtigere Punkte zu klären gibt. Das Tempo ist gleichzeitig rasant — was zu den Abstrichen im Charakterdesign geführt haben dürfte — aber im gleichen Moment so ruhig und detailliert aufgebaut, dass sich dieser Film durchaus für spätere Generationen eignen dürfte, mit der Hauptgeschichte zu starten. Verlegt man die Ereignisse in unsere Zeit, auf unseren Planeten — wir hätten einen fantastischen Kriegsfilm/Kriegsdrama vor Augen.

In diesem Machwerk dreht sich alles um die Fragen, die jene von uns seit Jahren nicht loslassen, die nicht jedes Buch, Videospiel und Serienableger des Franchises gefressen haben. Woher haben die Rebellen überhaupt die Pläne für den Todesstern? Wieso hat eine mächtige Konstruktion wie dieser Planetenzerstörer solch eine schreckliche Schwäche im Design? Haben die Verantwortlichen im Imperium geschlafen oder sind sie letztendlich sogar selbst Schuld an den Ereignissen?

All diese Fragen — und noch viele mehr — werden in „Rogue One“ clever beantwortet. Keine dummen Ausreden, keine höchst wagen Erklärungen und vor allem nichts, was nicht wirklich etwas mit der Geschichte zu tun hat. Wir werden nicht mit Anspielungen für weitere Fortsetzungen, Ableger und sonstige Zukunftsvisionen geplagt, sondern bekommen ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, das als perfekte Überleitung zu „Star Wars Episode IV“ fungiert.

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Mutig, mutig

Die Grundstimmung dieses Prequels ist sehr düster, spart aber nicht an Humor. Dieser wirkt nur in wenigen Momenten aufgedrückt und kann sich abseits dieser Ausrutscher frei entfalten und seinen Sarkasmus wirken lassen. Und auch wenn die Figuren — wie oben bereits angedeutet — etwas blass wirken, so sind sie doch interessant und menschlich genug, dass man problemlos mit ihnen mitfiebern kann und es hin und wieder sogar schafft, sich mit ihnen zu identifizieren.

Generell entfernt sich „Rogue One“ erstaunlich offen und mutig von der originalen Reihe. Der Film steht auf eigenen Beinen und das in keiner Weise wackelig oder unbeholfen. Der ganze Streifen ist ein kleines Kunstwerk, gerade weil er mit den Erwartungen am laufenden Band bricht und sich dabei nicht das Genick verrenkt. Ein Drahtseilakt, der Fans und Neulinge gleichermaßen begeistern soll. Ein Kunststück, welches hier tatsächlich gelungen ist.

Diese Star-Wars-Geschichte atmet absolut den Geist des Originals und fügt sich beinahe perfekt in die Klassiker mit ein. Wäre die Tricktechnik nicht um Dimensionen besser als in den 1980ern, man glaubt fast, dieses Werk sei im gleichen Jahrzehnt entstanden. Kostüme und Charakterdesign sind perfekt gelungen und lassen aus jeder Pore die Nostalgie tropfen — ohne dabei altbacken zu wirken. Sogar bekannte Figuren aus alten Teilen sind mit von der Partie und werden ebenfalls ausnahmslos erstklassig umgesetzt. Ohne, dass dieses Prequel versteift versucht, einem der originalen Teilen zu sehr nachzueifern, wie es für einige bei „Episode VII“ der Fall war.

Nein, „Rogue One“ steht für sich selbst. Er ist ein fantastischer Nostalgietrip für alle harten Fans, aber dennoch etwas Neues. Das zeigt sich schon zu Beginn, wenn eben kein Schriftzug über den Bildschirm huscht und uns die Hintergründe der folgenden Ereignisse erklärt. Dieser Film ist selbst jene Hintergründe. Der fantastische Auftakt zu einer fantastischen Trilogie. Selbst die neu eingespielten Musikstücke — wenn auch absolute Meinungssache — tragen sich mit stolz geschwellter Brust selbst … und fügen sich dann doch genial in die alten Melodien mit ein.

Star Wars Rogue One - SzeneNeu15-Darth_Vader

Richtungsweisend

Der Dreh- und Angelpunkt dieser Mär sind neue Figuren, die wir so noch nicht vorgestellt bekamen. Alles dreht sich um diese Helden und ihren direkten Widersacher. Was aber nicht heißt, dass bekannte Figuren nicht ebenfalls auftauchen können. Doch sie stehen nicht im Mittelpunkt. Sie sind genau dort, wo sie in dieser Geschichte sein müssen und haben nicht mehr oder weniger Screentime als ihnen von der Logik her zusteht.

Trotzdem haben die Macher es geschafft, ihnen hier und da einen neuen Anstrich zu geben, ohne sie rein äußerlich und von ihrem Verhalten / ihrer Persönlichkeit anzufassen. Sie werden minimal erweitert. Sowohl der neuen Reihe als auch der originalen Trilogie jederzeit gerecht werdend.

Wenn ich mit dem Brecheisen ansetzen muss, dann sind es kleinere Logikfehler und fragwürdiges Verhalten bei ein/zwei Figuren. Stormtrooper, die immer dann vergessen wie man mit einem Blaster zielt, wenn eine Hauptfigur das Geschehen betritt. Außerdem werden harte Fans der ersten Stunde wohl ebenfalls einen kleinen Fehler bemerken, der eigentlich mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Weil er das nicht kann. Zumindest nicht logisch.

Fazit

Ich mag etwas ganz ähnliches über „Episode VII“ gesagt haben, meinte es aber noch nie so ernst wie heute: dies ist der beste Star-Wars-Film seit „Das Imperium schlägt zurück“. Eigenständig, originell, düster, witzig und mit einer höchst spannenden Geschichte — obwohl wir das grobe Ende davon ja eigentlich schon kennen. Einige kleinere Fehler werden übersehen, wie 1% der Bakterien von Sagrotan nicht entdeckt werden; einfach, weil sie keinerlei Gewicht haben, stellt man sie diesem unglaublichen Sammelsurium an genialen Einfällen entgegen.

Wir nervenden und höchst genervten Kinokritiker palavern oft darüber, dass Sequels und Prequels zwei Dinge haben müssen: den Touch und das Feeling des Originals auf der einen Seite. Und eigene Ideen und Innovationen auf der anderen. „Rogue One“ hat diese Aufgabe perfekt gemeistert. Ich werde mit meiner Meinung nicht jedermanns Nerven treffen, aber ... hell yeah: „Rogue One: A Star Wars Story“ ist einer der besten Sci-Fi-Filme aller Zeiten. Punkt.

Star Wars: Rogue One ist ab dem 15.12. in den deutschen Kinos zu sehen.

Wertung: 5/5*****

Filmkritik von Heiner "Gumpi" Gumprecht, 13.12.2016

‎RogueOne-Poster