Filminfo: Constantine
 
 

John Constantine war in der Hölle. Und ist zurückgekehrt.

Er kam mit einer Gabe auf die Welt, die er verabscheut: Er kann Halbblut-Engel und -Dämonen erkennen, die sich als Menschen tarnen und in unserer Welt leben. Und diese schrecklichen, überdeutlichen Visionen trieben ihn in den Selbstmord. Doch er wurde gegen seinen Willen wiederbelebt und muss sich jetzt erneut unter den Lebenden behaupten. Von nun an trägt er das Kainsmal des Selbstmörders, der auf Erden eine zweite Chance bekommt – eine Gratwanderung zwischen Himmel und Hölle. Vergeblich hofft er auf Erlösung, indem er die Schergen des Teufels dahin zurückschickt, wo sie herkommen.

Constantine ist allerdings kein Heiliger. Die Welt um ihn herum ernüchtert ihn zusehends, mit dem Jenseits kann er erst recht nichts anfangen – also ergibt er sich dem Alkohol und den Ausschweifungen: ein verbitterter Held, der nichts mehr hasst als das Heldentum. Constantine kämpft um unsere Seelen, aber er lehnt unsere Bewunderung und Dankbarkeit ab – und unser Mitgefühl sowieso.

Er will einfach nur, dass der Spuk endlich vorbei ist.

Als eine skeptische Polizeidetektivin (RACHEL WEISZ als Angela Dodson) verzweifelt, weil sie den geheimnisvollen Tod ihrer geliebten Zwillingsschwester (auch von Weisz gespielt) nicht aufklären kann, bittet sie Constantine um Hilfe. Ihre gemeinsame Odyssee führt die beiden in die Welt der Dämonen und Engel, die sich unter der Fassade des heutigen Los Angeles verbirgt. Mitten in den katastrophalen Ereignissen einer anderen Dimension müssen sie Farbe bekennen und ihren ganz persönlichen Frieden mit der Welt schließen – koste es, was es wolle.

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„Und wenn ich behaupte, dass Gott und der Teufel eine Wette laufen haben? Sie spielen um die Seelen aller Menschen.“ – John Constantine

Stellen Sie sich vor, dass auf der Erde eine Art Waffenstillstand herrscht: Die Kräfte des Guten und des Bösen befinden sich im Gleichgewicht, das seit Menschengedenken genau austariert wird. Die Menschen können in diesem Umfeld ihren eigenen Weg wählen, und sobald sie sich entscheiden, bestimmen sie auch ihr Schicksal im Jenseits: Die einen steuern auf den Himmel zu, die anderen auf die Hölle.

Als Teil dieser göttlichen Wette um alle Seelen der Welt ist es Gott und dem Teufel verboten, die Menschen in ihrem freien Willen zu manipulieren. Doch wird ihnen über Vermittler ein gewisses Maß an Einfluss zugestanden. Diese Wesen, die auf der Erde um ihren Geltungsbereich ringen, sind weder richtige Engel noch Dämonen – man beschreibt sie am besten als Halbblut. „Nehmen wir an, du bist dein Leben lang ein sehr guter oder sehr böser Mensch gewesen. Diese Typen verpassen deiner Seele dann eine neue menschliche Hülle und schicken dich wieder auf die Erde, wo du bestimmte Aufgaben erfüllen musst“, erklärt John Constantine. Der Mann war tatsächlich schon einmal in der Hölle – und ist von dort zurückgekehrt.

Diese Halbblut-Wesen leben in normalen menschlichen Körpern und können sich unter den Menschen frei bewegen und ihre Arbeit verrichten. Sie fahren Auto, arbeiten, pflegen die unterschiedlichsten Beziehungen mit ihren menschlichen Gastgebern, ohne dass jemand etwas merkt. „Sie sehen genauso aus wie wir“, sagt „Constantine“-Regisseur Francis Lawrence. „Selbst wenn man mit ihnen zusammenlebt, befreundet oder sogar verheiratet ist, bekommt man das nicht mit.“

Nur John Constantine kann sie erkennen.

Schon als Kind hatte er die besondere Gabe – er selbst würde sie als Fluch bezeichnen –, diese Wesen zu identifizieren, er weiß, was sie unter ihrer dünnen Oberfläche wirklich verbergen. Er sieht ihr wahres Gesicht, ob Engel oder Dämon. Doch er empfindet diese seine Fähigkeit als schreckliche Bürde, weil niemand ihn verstehen kann. Als Jugendlicher sah er deswegen nur einen Ausweg, um seinen Frieden zu finden: Er beging Selbstmord. Oder versuchte es zumindest … die Verzweiflungstat brachte ihm allerdings nur einen zweiminütigen Trip in die Abgründe der Hölle ein, einen Albtraum jenseits aller Vorstellungskraft – dann atmete er wieder und kehrte ins Leben zurück.

Seit diesem Tag weiß er, welch höllisches Schicksal ihn im Jenseits erwartet – verzweifelt versucht er ihm zu entkommen. Der übliche Weg der Erlösung bleibt ihm versperrt, und deswegen will er sich seinen Platz im Himmel verdienen, indem er die Halbdämonen auf der Erde bekämpft. Constantine ist heute ein Experte für Dämonologie und Schwarze Kunst, und wenn es ihm nützt, bewährt er sich auch als versierter Gauner. Als Waffen verwendet er heilige Reliquien, seinen Verstand, seine Fäuste – ihm ist jedes Mittel recht, um die zahllosen Horden des Bösen zu zerfetzen und in die Unterwelt zurückzuschicken.

Doch er ist kein gewöhnlicher Held. Er hat kein hehres Ziel, er bekriegt das Böse nur, um sich seinen Platz im Himmel zu erkaufen, der ihm verwehrt ist. Und weil seine Bemühungen keinen Erfolg haben, ist er zum Zyniker geworden.

Constantines seltsames Schicksal, seine Verbitterung fand Keanu Reeves besonders interessant. „Selten habe ich ein derart gutes Drehbuch gelesen“, sagt er. „Alles stimmt: der Humor, intelligente und dynamische Ideen, und vor allem gefällt mir, dass alles so zweideutig ist: Geheimnisse und Widersprüche. Constantine ist zwar ein sehr moralischer Mensch, dennoch bleibt sein Ethos etwas undurchsichtig. Er will zwar das Böse bekämpfen, wendet aber nicht gerade saubere Methoden an. So ein Anti-Held ist mir noch nie begegnet.“

Der Exorzist wider Willen wird permanent von Halbblut-Wesen beider Lager gequält. Der engelhafte Gabriel (TILDA SWINTON), Gottes Wächter auf Erden, verweigert Constantine ständig die Vergebung, die er so hartnäckig fordert. Gabriel lässt sich von Constantines Privatkrieg nicht beeindrucken, weil er dessen eigennützige Motive kennt. Er ermahnt Constantine immer wieder – und nicht gerade zimperlich –, dass er sich den Himmel nicht erkaufen kann. Und Satans Vertreter Balthazar (GAVIN ROSSDALE) macht sich über Constantines vergebliche Mühen lustig – außerdem erinnert er ihn daran, dass seine Tage auf Erden gezählt sind. Denn der schadenfroh grinsende Balthazar hat erfahren, dass Constantine an Lungenkrebs im Endstadium leidet.

Constantine hat nur wenige Freunde auf seiner Seite. Zu ihnen zählt Chaz (SHIA LaBEOUF), sein treuer Chauffeur, der unbedingt bei ihm in die Lehre gehen möchte. Was er von Constantines Welt mitbekommt, fasziniert ihn – solange er auf sicherer Distanz bleibt. Chaz kompensiert seine mangelnde praktische Erfahrung mit seinem umfassenden Wissen über Religion und paranormale Vorgänge – emsig bereitet er sich auf den Tag vor, an dem Constantine ihn um Hilfe bitten wird. Substanziellere Hilfe könnte Constantine von seinem früheren Kameraden Midnite (DJIMON HOUNSOU) erwarten, doch er hat die Brücken zu seinem Freund praktisch abgebrochen. Früher war Midnite als Gesundbeter und Zauberer tätig, heute verhält er sich neutral: Sein Nachtclub dient als Refugium für Halbblut-Wesen beider Seiten. Midnite dient niemandem außer seinen eigenen Interessen. Und er warnt Constantine davor, das Gleichgewicht zu stören.

Doch Constantine kämpft weiter. Was bleibt ihm sonst übrig? Er kennt kein anderes Leben mehr.

Sein alter Freund Pater Hennessy (PRUITT TAYLOR VINCE), der auch schon bessere Tage gesehen hat, bittet ihn um Hilfe: Wieder einmal soll Constantine eine Teufelsaustreibung vornehmen. Diesmal ist ein kleines Mädchen vom Bösen besessen. Constantine hat zwar schon zahllose Exorzismen durchgeführt, doch in diesem Fall hat er plötzlich ein seltsames Gefühl: Fassungslos, ja alarmiert stellt Constantine fest, dass der Dämon in diesem Kind nicht von seinem kleinen Körper Besitz ergreifen will, sondern aus ihm hervorbrechen und in die physische Welt eintreten will – ein eklatanter Bruch des seit ewigen Zeiten geltenden Abkommens. So etwas hat es noch nie gegeben.

Doch damit fängt die Serie böser Omen erst an: Auf dem Heimweg durch die finsteren Straßen der Innenstadt von Los Angeles wird Constantine von einem Dämon angegriffen – keinem Halbblut-Wesen, sondern einem ausgewachsenen Dämon, der sich dreist an die Erdoberfläche wagt, als ob er das Recht dazu hätte.

Während Constantine noch über diese unerklärlichen, fürchterlichen Vorfälle nachdenkt, bittet ihn Angela Dodson (RACHEL WEISZ) um Hilfe: Verzweifelt versucht die Polizeidetektivin herauszufinden, warum ihre Zwillingsschwester Isabel Selbstmord begangen hat. Die Schwestern sind in dem Glauben erzogen worden, Selbstmord sei eine Todsünde. Deswegen kann sie nicht glauben, dass ihre Schwester sich umgebracht hat, obwohl es Aufnahmen einer Überwachungskamera des Sanatoriums gibt, in dem Isabel behandelt wurde: Man sieht, wie sie vom Dach springt. Gerüchteweise hat Angela von Constantine gehört – man bringt ihn mit seltsamen, übernatürlichen Vorfällen in der Stadt in Verbindung. Deswegen überwindet sie ihre Skepsis, weil sie hofft, dass er erklären kann, was wirklich mit Isabel geschehen ist.

Doch Constantine zeigt überhaupt kein Interesse. „Er hat genug mit sich selbst zu tun“, erklärt Reeves. „Gerade hat er erfahren, dass er Lungenkrebs im Endstadium hat. Er weiß, dass er in der Hölle landen wird, weil er ein Menschenleben vernichtet hat – nämlich sein eigenes. Also sucht er jetzt hektisch nach einem Ausweg.“

Weil er vollauf mit sich selbst beschäftigt ist, lehnt Constantine zunächst kategorisch ab, Angela zu helfen … bis er das höllische Wesen entdeckt, das Angela verfolgt, als sie ihn verlässt. Constantine weiß zwar nicht, wie oder warum, aber irgendwie stellt Angela den Schlüssel zu den bizarren dämonischen Ereignissen dar, die um sie herum geschehen.

Eines weiß er ganz sicher: Das Gleichgewicht ist außer Kontrolle geraten. Er muss sich auf einiges gefasst machen.

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Produzentin Lauren Shuler Donner hat entscheidend dazu beigetragen, John Constantine von den Seiten der DC Comics/Vertigo-Comic-Bücher „Hellblazer“ auf die Leinwand zu bringen. Shuler Donner bringt über 20 Jahre Erfahrung in der Filmbranche mit: Sie schuf die beliebten „Free Willy“-Filme, „You’ve Got Mail“ (e-m@il für DICH) und die phänomenalen Kassenknüller „X-Men“ (X-Man) und „X2“ (X-Men 2). An John Constantine gefielen ihr seine außergewöhnliche Vorgeschichte und sein originelles Auftreten. Ihr war klar, dass dieser Stoff auf der Leinwand ein außergewöhnlich dramatisches Potenzial entwickeln würde. „Das ging mir sofort unter die Haut“, sagt sie. „Eine intelligente, spannende Story, die von einem Anti-Helden geprägt wird. Das ist ein Film, in dem man absolut nicht weiß, was als Nächstes passiert.“

Warner Bros. Pictures akzeptierte ihr Projekt – für das Studio hatte sie bereits etliche hochkarätige Filme produziert: Oliver Stones Football-Drama „Any Given Sunday“ (An jedem verdammten Sonntag), die von der Kritik gefeierte Liebeskomödie „Dave“ (Dave) und andere. Daraufhin entwickelte Shuler Donner das „Constantine“-Skript mit Autor Kevin Brodbin („The Mindhunters“/Mindhunters) und Produzent Michael Uslan. Uslan und sein Partner Benjamin Melniker, der ebenfalls als „Constantine“-Produzent fungiert, arbeiten schon lange eng mit dem führenden Comic-Verlag DC Comics zusammen – auch die „Batman“-Filmserie geht auf ihr Konto.

Brodbin ist ein großer Fan der Vorlage (Vertigos langlebigste Monatsserie mit über 200 Ausgaben und 15 veröffentlichten Comic-Büchern), schon lange träumte er davon, daraus ein Drehbuch zu entwickeln. Er nahm seine Aufgabe sehr ernst: „Vor allem muss man Constantines Charakter gerecht werden.“ Darin war er sich mit den Filmemachern ebenso einig wie mit Drehbuchautor Frank Cappello, der später zum Projekt stieß und sich ebenfalls sehr genau an den Vorlagen der Comic-Figur orientierte.

Nachdem Shuler Donner auch dem Produzenten/Autor Akiva Goldsman dieses originelle Konzept präsentiert hatte, kam er als Nächster an Bord. Der erfolgreiche Produzent ist vor allem durch seine Drehbücher, darunter „The Client“ (Der Klient) und „A Beautiful Mind“ (A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn), bekannt geworden. Unter anderem hat er den Oscar und den Golden Globe gewonnen, und er war für den British Academy Award (BAFTA) nominiert. Kein Wunder also, dass er sich nur von wirklich überzeugenden Storys anregen lässt. „Ich würde keinen Auftrag annehmen, wenn er mir keinen Spaß macht und meine Kreativität und Fantasie unterfordert“, gibt er zu. „,Constantine‘ fand ich immer schon überzeugend – mit ähnlichen Ideen habe ich mich auch schon auseinander gesetzt – mit Welten jenseits unserer Welt, mit der Frage, was sich außerhalb unserer Wahrnehmung abspielt.“

John Constantines Identität und Verhaltensmuster lassen sich nicht von seiner Situation trennen. Seine Lebensumstände zwingen ihn zur Flucht nach vorn, die nur ein einziges Ziel kennt. „Mir gefällt an Constantine, dass er einfach versagen muss und dennoch nicht aufgibt – immer wieder probiert er neue Wege aus“, sagt Lorenzo di Bonaventura, der sich mit „Constantine“ erstmals als unabhängiger Produzent vorstellt, nachdem er sich als Produktionschef bei Warner Bros. Pictures bewährt hat. „Diesmal geht es nicht wie üblich um einen unüberwindlichen Helden; unüberwindlich ist nur sein Verstand – der Mann weiß, dass er verlieren muss, und dennoch gibt er in diesem Kampf sein Bestes.“

„Dieser Mann besteht aus vielen hellen und dunklen Facetten“, beschreibt Shuler Donner die komplexe Titelfigur. „Er ist kein Bösewicht – er hat immerhin nur sich selbst umgebracht. Aber zu den Guten zählt er auch nicht unbedingt. Tief im Innern ist er wohl einfach nur ein Typ, der eine Menge durchgemacht hat, mit diesem Schicksal aber smart und humorvoll umgehen kann. Und deswegen wollten wir Keanu Reeves in dieser Rolle sehen, denn der kann so etwas überzeugend darstellen. Er hält diese Widersprüche im Gleichgewicht und lotet die gesamte Bandbreite in Constantines Charakter aus.“

„Er kämpft gegen das System“, fügt Erwin Stoff hinzu, der bei „Constantine“ als Produzent fungiert und schon lange mit Reeves zusammenarbeitet. „John Constantine will nicht in der Hölle enden, und er ist der Meinung, dass er an seinen Taten gemessen und nicht aufgrund irgendwelcher Regeln verurteilt werden sollte. Vor allem sind ihm Scheinheiligkeit und unfaires Verhalten unerträglich – denn genau damit muss er sich seit seiner Jugend herumschlagen. Auch in seiner aktuellen Situation sind es solche Umstände, die ihn zum Zyniker werden lassen.“

Erwin Stoff war derart begeistert von dem „Constantine“-Drehbuch, dass er es schon an Reeves weiterschickte, während der noch in Sydney „The Matrix Revolutions“ (Matrix Revolutions) drehte. Stoff hatte tatsächlich den richtigen Riecher: „Keanu gefiel die Rolle sofort. Von Anfang an war ihm klar, dass das Skript das Zeug zu einem gewaltigen, unterhaltsamen Effektspektakel hat, aber im Grunde geht es um die Geschichte eines Mannes, der sich gegen Scheinheiligkeit, gegen alle Übel dieser Welt wehrt – der ewige Kampf Gut gegen Böse.“

Und Melniker fügt hinzu: „Constantine ist einzigartig, lässt sich in keine Schublade stecken. Er lässt sich sein Geheimnis nicht entreißen. Das ist sehr ungewöhnlich. Und deshalb wird sicher kein Zuschauer abwinken: ,Hab ich doch alles schon mal gesehen.‘“

Uslan ist in seinem Herzen jung geblieben: Er sammelt Comic-Hefte und schrieb schon früh für Genre-Fanzines. Aber er ist auch überzeugt, dass die Zuschauer die Comic-Bücher nicht kennen müssen, um die Filmgeschichte zu genießen und sich von Constantines Persönlichkeit beeindrucken zu lassen. Er hat die Entwicklung der Figur in den Heften über die Jahre verfolgt und weiß, dass der Film ihre entscheidenden Eigenschaften übernimmt: „Stimmung, Einstellung und Ansichten. Das Faszinierende an der Story und den Figuren ist doch, dass es keine Schwarzweißmalerei gibt. Erschreckt stellen wir fest, dass es im Leben wirklich nur Grauzonen gibt. Egal wie menschlich uns jemand auch erscheinen mag – immer könnten Dämonen in ihm lauern. Wenn uns jemand auf die Schulter klopft, wissen wir nie genau, was passiert, wenn wir uns umdrehen.“

DER RICHTIGE REGISSEUR

Francis Lawrence hat sich als Regisseur von Musikvideos profiliert, die sich durch mitreißende Dynamik ihren Platz in der Musikgeschichte gesichert haben. Er ist ein Fachmann, der genau die Elemente kennt, mit denen man eine Geschichte unverwechselbar gestaltet – er weiß, wie man die Zuschauer mitreißt. Als Film-noir-Fan gesteht er: „Die Figur des Anti-Helden John Constantine, die Atmosphäre der Story haben mir sofort zugesagt. Er lebt in einer ganz besonderen Welt, und die Handlung entwickelt sich in völlig unvorhersehbare Richtungen.“

Lawrence hatte Feuer gefangen und begann nun die Quellen intensiv zu studieren. Er zeichnete Skizzen, sammelte Ideen für das Projekt und stellte sich beim Produktionsteam vor, das damals noch auf der Suche nach einem Regisseur war. Als er loslegte, war das Team wie vom Donner gerührt.

„Wenn ich eine Lüge in die Welt setzen und bis an mein Lebensende erzählen könnte, dann würde ich behaupten, dass Francis aufgrund meiner Entscheidung engagiert wurde“, gibt Goldsman offen zu. „Der Typ hat es echt drauf – er ist derart begabt, dass man fast Angst bekommt.“

Nach dem, was Lawrence an bisherigen Erfahrungen mitbringt, hatten die Produzenten erwartet, dass er den Stoff von der Optik her konzipieren würde. Doch Lawrence entschied sich anders. „Sein Gespür für Bilder ist natürlich nicht zu übersehen, aber bei unserem ersten Treffen redete er zwei Stunden lang über das Drehbuch und die Figuren und erwähnte den Look nicht ein einziges Mal“, erinnert sich di Bonaventura. „Üblicherweise konzentrieren sich Regisseure, die von Videos und Werbespots zum Spielfilm wechseln, ganz deutlich auf die Optik, denn darin haben sie Erfahrung. Also gleich zu Anfang überraschte Francis uns mit einem unorthodoxen Ansatz, wie ich ihn in meinen über 13 Jahren bei Warner noch nicht erlebt habe. Vor allem beeindruckte er uns mit seiner Fähigkeit, jede Szene von Grund auf zu analysieren.“

Als es dann schließlich auch um die Bilder ging, war Lawrence natürlich bestens vorbereitet. „Francis brachte seine Skizzen zu unserem Treffen mit“, berichtet Goldsman. „Denn in unserer Branche erscheint niemand in Schlips und Kragen und legt seinen Lebenslauf auf den Tisch. Stattdessen trägt er Latschen und präsentiert uns 25 Höllenskizzen! Mich überzeugte seine Vorstellung, dass Himmel und Hölle neben unserer Welt existieren. Wenn man sich also hier in einem Zimmer aufhält, dann gibt es genau so ein Zimmer auch in der Hölle. Er hat die Geografie dieser Welt genau ausgetüftelt. Eine geniale Idee, denn dadurch erscheint das Unvorstellbare vorstellbar – das gesamte Konzept des Films ist darin enthalten.“

Lawrence wollte die Unterwelt auf originelle Art bebildern: „Ich schaute mir an, wie die Hölle in der Kunst dargestellt wird, auf den Gemälden von Brueghel und Bosch. Oft erscheint sie abstrakt wie eine schwarze, ölige Leere. Aber zu solchen Darstellungen kann man keine persönliche Beziehung entwickeln. Mir ging es darum, eine uns bekannte Struktur vorzustellen: Als Constantine sich in Angelas Apartment aufhält und für einen Augenblick in die Hölle wechselt, befindet er sich in der Höllenversion ihres Apartments. Als er auf die Straße kommt, geht er durch die Höllenversion von Los Angeles. Dadurch entsteht ein Umfeld, dessen Struktur und Anblick die Zuschauer nachvollziehen können.“

Anschließend lieferte Lawrence präzise Beschreibungen der unterschiedlichen Dämonen und Geister, die die Story bevölkern, und machte auch schon Besetzungsvorschläge, die genau ins Schwarze trafen. Dazu Erwin Stoff: „Interessanterweise haben wir den größten Teil der Ideen, die Francis bei diesem ersten Treffen vorstellte, tatsächlich in den Film übernommen.“

Weil der Regisseur sich so engagiert und enthusiastisch an einen ganz neuen Ansatz wagte, lieferte er den entscheidenden Unterbau für eine Geschichte, in der nichts in Schwarz und Weiß aufgeteilt werden kann und in der die Figuren höchst unkonventionell handeln: Eine hartgesottene Polizistin hofft auf eine paranormale Lösung ihres Problems; ein Engel vertritt Gott auf Erden, kocht dabei aber sein eigenes Süppchen; ein Priester, der keinen Exorzismus durchführen kann; ein Unternehmer, der sich in seinem Nachtclub mit beiden Seiten arrangiert … und mittendrin ein Held, der kein Held sein will. Drehbuchautor Frank Cappello beschreibt das so: „Der Typ hat ein gespanntes Verhältnis zu Gott. Und verabscheut den Teufel. Er bekämpft die grässlichsten Dämonen, bekommt aber seine eigenen schlechten Angewohnheiten nicht in den Griff – zum Beispiel das Rauchen, das ihn buchstäblich umbringt. Letztlich will er gar nicht die Welt retten, sondern sich selbst.“

„In diesem Film wird nicht alles fein säuberlich erklärt“, sagt Goldsman. „Es geht uns nicht darum, dass die Zuschauer alles bis ins Letzte begreifen – vielmehr wollen wir sie an einem grandiosen Erlebnis teilhaben lassen.“ Laut di Bonaventura legen die Filmemacher ebenso großen Wert darauf, „platte Botschaften zu vermeiden – wir wollen gewiss nicht predigen. Auf der einen Ebene bieten wir ganz einfach gute Unterhaltung, und wer mag, kann sich auf einer intellektuelleren Ebene zu emotionalen und philosophischen Gesprächen anregen lassen. Zuerst kommt die Spukgeschichte – über die Hintergründe können Sie später nachdenken“.

 
     
 
 
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