John
Constantine war in der Hölle. Und ist zurückgekehrt.
Er kam mit einer Gabe auf die Welt, die er verabscheut:
Er kann Halbblut-Engel und -Dämonen erkennen,
die sich als Menschen tarnen und in unserer Welt leben.
Und diese schrecklichen, überdeutlichen Visionen
trieben ihn in den Selbstmord. Doch er wurde gegen
seinen Willen wiederbelebt und muss sich jetzt erneut
unter den Lebenden behaupten. Von nun an trägt
er das Kainsmal des Selbstmörders, der auf Erden
eine zweite Chance bekommt – eine Gratwanderung
zwischen Himmel und Hölle. Vergeblich hofft er
auf Erlösung, indem er die Schergen des Teufels
dahin zurückschickt, wo sie herkommen.
Constantine
ist allerdings kein Heiliger. Die Welt um ihn herum
ernüchtert ihn zusehends, mit dem Jenseits kann
er erst recht nichts anfangen – also ergibt
er sich dem Alkohol und den Ausschweifungen: ein verbitterter
Held, der nichts mehr hasst als das Heldentum. Constantine
kämpft um unsere Seelen, aber er lehnt unsere
Bewunderung und Dankbarkeit ab – und unser Mitgefühl
sowieso.
Er will einfach nur, dass der Spuk endlich vorbei
ist.
Als eine skeptische Polizeidetektivin (RACHEL WEISZ
als Angela Dodson) verzweifelt, weil sie den geheimnisvollen
Tod ihrer geliebten Zwillingsschwester (auch von Weisz
gespielt) nicht aufklären kann, bittet sie Constantine
um Hilfe. Ihre gemeinsame Odyssee führt die beiden
in die Welt der Dämonen und Engel, die sich unter
der Fassade des heutigen Los Angeles verbirgt. Mitten
in den katastrophalen Ereignissen einer anderen Dimension
müssen sie Farbe bekennen und ihren ganz persönlichen
Frieden mit der Welt schließen – koste
es, was es wolle.
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„Und wenn ich behaupte, dass Gott
und der Teufel eine Wette laufen haben? Sie spielen
um die Seelen aller Menschen.“ – John Constantine
Stellen Sie sich vor, dass auf der Erde eine Art Waffenstillstand
herrscht: Die Kräfte des Guten und des Bösen
befinden sich im Gleichgewicht, das seit Menschengedenken
genau austariert wird. Die Menschen können in
diesem Umfeld ihren eigenen Weg wählen, und sobald
sie sich entscheiden, bestimmen sie auch ihr Schicksal
im Jenseits: Die einen steuern auf den Himmel zu,
die anderen auf die Hölle.
Als Teil dieser göttlichen Wette um alle Seelen
der Welt ist es Gott und dem Teufel verboten, die
Menschen in ihrem freien Willen zu manipulieren. Doch
wird ihnen über Vermittler ein gewisses Maß
an Einfluss zugestanden. Diese Wesen, die auf der
Erde um ihren Geltungsbereich ringen, sind weder richtige
Engel noch Dämonen – man beschreibt sie
am besten als Halbblut. „Nehmen wir an, du bist
dein Leben lang ein sehr guter oder sehr böser
Mensch gewesen. Diese Typen verpassen deiner Seele
dann eine neue menschliche Hülle und schicken
dich wieder auf die Erde, wo du bestimmte Aufgaben
erfüllen musst“, erklärt John Constantine.
Der Mann war tatsächlich schon einmal in der
Hölle – und ist von dort zurückgekehrt.
Diese Halbblut-Wesen leben in normalen menschlichen
Körpern und können sich unter den Menschen
frei bewegen und ihre Arbeit verrichten. Sie fahren
Auto, arbeiten, pflegen die unterschiedlichsten Beziehungen
mit ihren menschlichen Gastgebern, ohne dass jemand
etwas merkt. „Sie sehen genauso aus wie wir“,
sagt „Constantine“-Regisseur Francis Lawrence.
„Selbst wenn man mit ihnen zusammenlebt, befreundet
oder sogar verheiratet ist, bekommt man das nicht
mit.“
Nur John Constantine kann sie erkennen.
Schon
als Kind hatte er die besondere Gabe – er selbst
würde sie als Fluch bezeichnen –, diese
Wesen zu identifizieren, er weiß, was sie unter
ihrer dünnen Oberfläche wirklich verbergen.
Er sieht ihr wahres Gesicht, ob Engel oder Dämon.
Doch er empfindet diese seine Fähigkeit als schreckliche
Bürde, weil niemand ihn verstehen kann. Als Jugendlicher
sah er deswegen nur einen Ausweg, um seinen Frieden
zu finden: Er beging Selbstmord. Oder versuchte es
zumindest … die Verzweiflungstat brachte ihm
allerdings nur einen zweiminütigen Trip in die
Abgründe der Hölle ein, einen Albtraum jenseits
aller Vorstellungskraft – dann atmete er wieder
und kehrte ins Leben zurück.
Seit diesem Tag weiß er, welch höllisches
Schicksal ihn im Jenseits erwartet – verzweifelt
versucht er ihm zu entkommen. Der übliche Weg
der Erlösung bleibt ihm versperrt, und deswegen
will er sich seinen Platz im Himmel verdienen, indem
er die Halbdämonen auf der Erde bekämpft.
Constantine ist heute ein Experte für Dämonologie
und Schwarze Kunst, und wenn es ihm nützt, bewährt
er sich auch als versierter Gauner. Als Waffen verwendet
er heilige Reliquien, seinen Verstand, seine Fäuste
– ihm ist jedes Mittel recht, um die zahllosen
Horden des Bösen zu zerfetzen und in die Unterwelt
zurückzuschicken.
Doch er ist kein gewöhnlicher Held. Er hat kein
hehres Ziel, er bekriegt das Böse nur, um sich
seinen Platz im Himmel zu erkaufen, der ihm verwehrt
ist. Und weil seine Bemühungen keinen Erfolg
haben, ist er zum Zyniker geworden.
Constantines seltsames Schicksal, seine Verbitterung
fand Keanu Reeves besonders interessant. „Selten
habe ich ein derart gutes Drehbuch gelesen“,
sagt er. „Alles stimmt: der Humor, intelligente
und dynamische Ideen, und vor allem gefällt mir,
dass alles so zweideutig ist: Geheimnisse und Widersprüche.
Constantine ist zwar ein sehr moralischer Mensch,
dennoch bleibt sein Ethos etwas undurchsichtig. Er
will zwar das Böse bekämpfen, wendet aber
nicht gerade saubere Methoden an. So ein Anti-Held
ist mir noch nie begegnet.“
Der Exorzist wider Willen wird permanent von Halbblut-Wesen
beider Lager gequält. Der engelhafte Gabriel
(TILDA SWINTON), Gottes Wächter auf Erden, verweigert
Constantine ständig die Vergebung, die er so
hartnäckig fordert. Gabriel lässt sich von
Constantines Privatkrieg nicht beeindrucken, weil
er dessen eigennützige Motive kennt. Er ermahnt
Constantine immer wieder – und nicht gerade
zimperlich –, dass er sich den Himmel nicht
erkaufen kann. Und Satans Vertreter Balthazar (GAVIN
ROSSDALE) macht sich über Constantines vergebliche
Mühen lustig – außerdem erinnert
er ihn daran, dass seine Tage auf Erden gezählt
sind. Denn der schadenfroh grinsende Balthazar hat
erfahren, dass Constantine an Lungenkrebs im Endstadium
leidet.
Constantine hat nur wenige Freunde auf seiner Seite.
Zu ihnen zählt Chaz (SHIA LaBEOUF), sein treuer
Chauffeur, der unbedingt bei ihm in die Lehre gehen
möchte. Was er von Constantines Welt mitbekommt,
fasziniert ihn – solange er auf sicherer Distanz
bleibt. Chaz kompensiert seine mangelnde praktische
Erfahrung mit seinem umfassenden Wissen über
Religion und paranormale Vorgänge – emsig
bereitet er sich auf den Tag vor, an dem Constantine
ihn um Hilfe bitten wird. Substanziellere Hilfe könnte
Constantine von seinem früheren Kameraden Midnite
(DJIMON HOUNSOU) erwarten, doch er hat die Brücken
zu seinem Freund praktisch abgebrochen. Früher
war Midnite als Gesundbeter und Zauberer tätig,
heute verhält er sich neutral: Sein Nachtclub
dient als Refugium für Halbblut-Wesen beider
Seiten. Midnite dient niemandem außer seinen
eigenen Interessen. Und er warnt Constantine davor,
das Gleichgewicht zu stören.
Doch Constantine kämpft weiter. Was bleibt ihm
sonst übrig? Er kennt kein anderes Leben mehr.
Sein alter Freund Pater Hennessy (PRUITT TAYLOR VINCE),
der auch schon bessere Tage gesehen hat, bittet ihn
um Hilfe: Wieder einmal soll Constantine eine Teufelsaustreibung
vornehmen. Diesmal ist ein kleines Mädchen vom
Bösen besessen. Constantine hat zwar schon zahllose
Exorzismen durchgeführt, doch in diesem Fall
hat er plötzlich ein seltsames Gefühl: Fassungslos,
ja alarmiert stellt Constantine fest, dass der Dämon
in diesem Kind nicht von seinem kleinen Körper
Besitz ergreifen will, sondern aus ihm hervorbrechen
und in die physische Welt eintreten will – ein
eklatanter Bruch des seit ewigen Zeiten geltenden
Abkommens. So etwas hat es noch nie gegeben.
Doch damit fängt die Serie böser Omen erst
an: Auf dem Heimweg durch die finsteren Straßen
der Innenstadt von Los Angeles wird Constantine von
einem Dämon angegriffen – keinem Halbblut-Wesen,
sondern einem ausgewachsenen Dämon, der sich
dreist an die Erdoberfläche wagt, als ob er das
Recht dazu hätte.
Während Constantine noch über diese unerklärlichen,
fürchterlichen Vorfälle nachdenkt, bittet
ihn Angela Dodson (RACHEL WEISZ) um Hilfe: Verzweifelt
versucht die Polizeidetektivin herauszufinden, warum
ihre Zwillingsschwester Isabel Selbstmord begangen
hat. Die Schwestern sind in dem Glauben erzogen worden,
Selbstmord sei eine Todsünde. Deswegen kann sie
nicht glauben, dass ihre Schwester sich umgebracht
hat, obwohl es Aufnahmen einer Überwachungskamera
des Sanatoriums gibt, in dem Isabel behandelt wurde:
Man sieht, wie sie vom Dach springt. Gerüchteweise
hat Angela von Constantine gehört – man
bringt ihn mit seltsamen, übernatürlichen
Vorfällen in der Stadt in Verbindung. Deswegen
überwindet sie ihre Skepsis, weil sie hofft,
dass er erklären kann, was wirklich mit Isabel
geschehen ist.
Doch Constantine zeigt überhaupt kein Interesse.
„Er hat genug mit sich selbst zu tun“,
erklärt Reeves. „Gerade hat er erfahren,
dass er Lungenkrebs im Endstadium hat. Er weiß,
dass er in der Hölle landen wird, weil er ein
Menschenleben vernichtet hat – nämlich
sein eigenes. Also sucht er jetzt hektisch nach einem
Ausweg.“
Weil er vollauf mit sich selbst beschäftigt ist,
lehnt Constantine zunächst kategorisch ab, Angela
zu helfen … bis er das höllische Wesen
entdeckt, das Angela verfolgt, als sie ihn verlässt.
Constantine weiß zwar nicht, wie oder warum,
aber irgendwie stellt Angela den Schlüssel zu
den bizarren dämonischen Ereignissen dar, die
um sie herum geschehen.
Eines weiß er ganz sicher: Das Gleichgewicht
ist außer Kontrolle geraten. Er muss sich auf
einiges gefasst machen.
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Produzentin Lauren Shuler Donner hat entscheidend
dazu beigetragen, John Constantine von den Seiten
der DC Comics/Vertigo-Comic-Bücher „Hellblazer“
auf die Leinwand zu bringen. Shuler Donner bringt
über 20 Jahre Erfahrung in der Filmbranche mit:
Sie schuf die beliebten „Free Willy“-Filme,
„You’ve Got Mail“ (e-m@il für
DICH) und die phänomenalen Kassenknüller
„X-Men“ (X-Man) und „X2“ (X-Men
2). An John Constantine gefielen ihr seine außergewöhnliche
Vorgeschichte und sein originelles Auftreten. Ihr
war klar, dass dieser Stoff auf der Leinwand ein außergewöhnlich
dramatisches Potenzial entwickeln würde. „Das
ging mir sofort unter die Haut“, sagt sie. „Eine
intelligente, spannende Story, die von einem Anti-Helden
geprägt wird. Das ist ein Film, in dem man absolut
nicht weiß, was als Nächstes passiert.“
Warner Bros. Pictures akzeptierte ihr Projekt –
für das Studio hatte sie bereits etliche hochkarätige
Filme produziert: Oliver Stones Football-Drama „Any
Given Sunday“ (An jedem verdammten Sonntag),
die von der Kritik gefeierte Liebeskomödie „Dave“
(Dave) und andere. Daraufhin entwickelte Shuler Donner
das „Constantine“-Skript mit Autor Kevin
Brodbin („The Mindhunters“/Mindhunters)
und Produzent Michael Uslan. Uslan und sein Partner
Benjamin Melniker, der ebenfalls als „Constantine“-Produzent
fungiert, arbeiten schon lange eng mit dem führenden
Comic-Verlag DC Comics zusammen – auch die „Batman“-Filmserie
geht auf ihr Konto.
Brodbin
ist ein großer Fan der Vorlage (Vertigos langlebigste
Monatsserie mit über 200 Ausgaben und 15 veröffentlichten
Comic-Büchern), schon lange träumte er davon,
daraus ein Drehbuch zu entwickeln. Er nahm seine Aufgabe
sehr ernst: „Vor allem muss man Constantines
Charakter gerecht werden.“ Darin war er sich
mit den Filmemachern ebenso einig wie mit Drehbuchautor
Frank Cappello, der später zum Projekt stieß
und sich ebenfalls sehr genau an den Vorlagen der
Comic-Figur orientierte.
Nachdem Shuler Donner auch dem Produzenten/Autor Akiva
Goldsman dieses originelle Konzept präsentiert
hatte, kam er als Nächster an Bord. Der erfolgreiche
Produzent ist vor allem durch seine Drehbücher,
darunter „The Client“ (Der Klient) und
„A Beautiful Mind“ (A Beautiful Mind –
Genie und Wahnsinn), bekannt geworden. Unter anderem
hat er den Oscar und den Golden Globe gewonnen, und
er war für den British Academy Award (BAFTA)
nominiert. Kein Wunder also, dass er sich nur von
wirklich überzeugenden Storys anregen lässt.
„Ich würde keinen Auftrag annehmen, wenn
er mir keinen Spaß macht und meine Kreativität
und Fantasie unterfordert“, gibt er zu. „,Constantine‘
fand ich immer schon überzeugend – mit
ähnlichen Ideen habe ich mich auch schon auseinander
gesetzt – mit Welten jenseits unserer Welt,
mit der Frage, was sich außerhalb unserer Wahrnehmung
abspielt.“
John Constantines Identität und Verhaltensmuster
lassen sich nicht von seiner Situation trennen. Seine
Lebensumstände zwingen ihn zur Flucht nach vorn,
die nur ein einziges Ziel kennt. „Mir gefällt
an Constantine, dass er einfach versagen muss und
dennoch nicht aufgibt – immer wieder probiert
er neue Wege aus“, sagt Lorenzo di Bonaventura,
der sich mit „Constantine“ erstmals als
unabhängiger Produzent vorstellt, nachdem er
sich als Produktionschef bei Warner Bros. Pictures
bewährt hat. „Diesmal geht es nicht wie
üblich um einen unüberwindlichen Helden;
unüberwindlich ist nur sein Verstand –
der Mann weiß, dass er verlieren muss, und dennoch
gibt er in diesem Kampf sein Bestes.“
„Dieser Mann besteht aus vielen hellen und dunklen
Facetten“, beschreibt Shuler Donner die komplexe
Titelfigur. „Er ist kein Bösewicht –
er hat immerhin nur sich selbst umgebracht. Aber zu
den Guten zählt er auch nicht unbedingt. Tief
im Innern ist er wohl einfach nur ein Typ, der eine
Menge durchgemacht hat, mit diesem Schicksal aber
smart und humorvoll umgehen kann. Und deswegen wollten
wir Keanu Reeves in dieser Rolle sehen, denn der kann
so etwas überzeugend darstellen. Er hält
diese Widersprüche im Gleichgewicht und lotet
die gesamte Bandbreite in Constantines Charakter aus.“
„Er
kämpft gegen das System“, fügt Erwin
Stoff hinzu, der bei „Constantine“ als
Produzent fungiert und schon lange mit Reeves zusammenarbeitet.
„John Constantine will nicht in der Hölle
enden, und er ist der Meinung, dass er an seinen Taten
gemessen und nicht aufgrund irgendwelcher Regeln verurteilt
werden sollte. Vor allem sind ihm Scheinheiligkeit
und unfaires Verhalten unerträglich – denn
genau damit muss er sich seit seiner Jugend herumschlagen.
Auch in seiner aktuellen Situation sind es solche
Umstände, die ihn zum Zyniker werden lassen.“
Erwin Stoff war derart begeistert von dem „Constantine“-Drehbuch,
dass er es schon an Reeves weiterschickte, während
der noch in Sydney „The Matrix Revolutions“
(Matrix Revolutions) drehte. Stoff hatte tatsächlich
den richtigen Riecher: „Keanu gefiel die Rolle
sofort. Von Anfang an war ihm klar, dass das Skript
das Zeug zu einem gewaltigen, unterhaltsamen Effektspektakel
hat, aber im Grunde geht es um die Geschichte eines
Mannes, der sich gegen Scheinheiligkeit, gegen alle
Übel dieser Welt wehrt – der ewige Kampf
Gut gegen Böse.“
Und Melniker fügt hinzu: „Constantine ist
einzigartig, lässt sich in keine Schublade stecken.
Er lässt sich sein Geheimnis nicht entreißen.
Das ist sehr ungewöhnlich. Und deshalb wird sicher
kein Zuschauer abwinken: ,Hab ich doch alles schon
mal gesehen.‘“
Uslan ist in seinem Herzen jung geblieben: Er sammelt
Comic-Hefte und schrieb schon früh für Genre-Fanzines.
Aber er ist auch überzeugt, dass die Zuschauer
die Comic-Bücher nicht kennen müssen, um
die Filmgeschichte zu genießen und sich von
Constantines Persönlichkeit beeindrucken zu lassen.
Er hat die Entwicklung der Figur in den Heften über
die Jahre verfolgt und weiß, dass der Film ihre
entscheidenden Eigenschaften übernimmt: „Stimmung,
Einstellung und Ansichten. Das Faszinierende an der
Story und den Figuren ist doch, dass es keine Schwarzweißmalerei
gibt. Erschreckt stellen wir fest, dass es im Leben
wirklich nur Grauzonen gibt. Egal wie menschlich uns
jemand auch erscheinen mag – immer könnten
Dämonen in ihm lauern. Wenn uns jemand auf die
Schulter klopft, wissen wir nie genau, was passiert,
wenn wir uns umdrehen.“
DER
RICHTIGE REGISSEUR
Francis Lawrence hat sich als Regisseur von Musikvideos
profiliert, die sich durch mitreißende Dynamik
ihren Platz in der Musikgeschichte gesichert haben.
Er ist ein Fachmann, der genau die Elemente kennt,
mit denen man eine Geschichte unverwechselbar gestaltet
– er weiß, wie man die Zuschauer mitreißt.
Als Film-noir-Fan gesteht er: „Die Figur des
Anti-Helden John Constantine, die Atmosphäre
der Story haben mir sofort zugesagt. Er lebt in einer
ganz besonderen Welt, und die Handlung entwickelt
sich in völlig unvorhersehbare Richtungen.“
Lawrence hatte Feuer gefangen und begann nun die Quellen
intensiv zu studieren. Er zeichnete Skizzen, sammelte
Ideen für das Projekt und stellte sich beim Produktionsteam
vor, das damals noch auf der Suche nach einem Regisseur
war. Als er loslegte, war das Team wie vom Donner
gerührt.
„Wenn
ich eine Lüge in die Welt setzen und bis an mein
Lebensende erzählen könnte, dann würde
ich behaupten, dass Francis aufgrund meiner Entscheidung
engagiert wurde“, gibt Goldsman offen zu. „Der
Typ hat es echt drauf – er ist derart begabt,
dass man fast Angst bekommt.“
Nach dem, was Lawrence an bisherigen Erfahrungen mitbringt,
hatten die Produzenten erwartet, dass er den Stoff
von der Optik her konzipieren würde. Doch Lawrence
entschied sich anders. „Sein Gespür für
Bilder ist natürlich nicht zu übersehen,
aber bei unserem ersten Treffen redete er zwei Stunden
lang über das Drehbuch und die Figuren und erwähnte
den Look nicht ein einziges Mal“, erinnert sich
di Bonaventura. „Üblicherweise konzentrieren
sich Regisseure, die von Videos und Werbespots zum
Spielfilm wechseln, ganz deutlich auf die Optik, denn
darin haben sie Erfahrung. Also gleich zu Anfang überraschte
Francis uns mit einem unorthodoxen Ansatz, wie ich
ihn in meinen über 13 Jahren bei Warner noch
nicht erlebt habe. Vor allem beeindruckte er uns mit
seiner Fähigkeit, jede Szene von Grund auf zu
analysieren.“
Als es dann schließlich auch um die Bilder ging,
war Lawrence natürlich bestens vorbereitet. „Francis
brachte seine Skizzen zu unserem Treffen mit“,
berichtet Goldsman. „Denn in unserer Branche
erscheint niemand in Schlips und Kragen und legt seinen
Lebenslauf auf den Tisch. Stattdessen trägt er
Latschen und präsentiert uns 25 Höllenskizzen!
Mich überzeugte seine Vorstellung, dass Himmel
und Hölle neben unserer Welt existieren. Wenn
man sich also hier in einem Zimmer aufhält, dann
gibt es genau so ein Zimmer auch in der Hölle.
Er hat die Geografie dieser Welt genau ausgetüftelt.
Eine geniale Idee, denn dadurch erscheint das Unvorstellbare
vorstellbar – das gesamte Konzept des Films
ist darin enthalten.“
Lawrence wollte die Unterwelt auf originelle Art bebildern:
„Ich schaute mir an, wie die Hölle in der
Kunst dargestellt wird, auf den Gemälden von
Brueghel und Bosch. Oft erscheint sie abstrakt wie
eine schwarze, ölige Leere. Aber zu solchen Darstellungen
kann man keine persönliche Beziehung entwickeln.
Mir ging es darum, eine uns bekannte Struktur vorzustellen:
Als Constantine sich in Angelas Apartment aufhält
und für einen Augenblick in die Hölle wechselt,
befindet er sich in der Höllenversion ihres Apartments.
Als er auf die Straße kommt, geht er durch die
Höllenversion von Los Angeles. Dadurch entsteht
ein Umfeld, dessen Struktur und Anblick die Zuschauer
nachvollziehen können.“
Anschließend lieferte Lawrence präzise
Beschreibungen der unterschiedlichen Dämonen
und Geister, die die Story bevölkern, und machte
auch schon Besetzungsvorschläge, die genau ins
Schwarze trafen. Dazu Erwin Stoff: „Interessanterweise
haben wir den größten Teil der Ideen, die
Francis bei diesem ersten Treffen vorstellte, tatsächlich
in den Film übernommen.“
Weil der Regisseur sich so engagiert und enthusiastisch
an einen ganz neuen Ansatz wagte, lieferte er den
entscheidenden Unterbau für eine Geschichte,
in der nichts in Schwarz und Weiß aufgeteilt
werden kann und in der die Figuren höchst unkonventionell
handeln: Eine hartgesottene Polizistin hofft auf eine
paranormale Lösung ihres Problems; ein Engel
vertritt Gott auf Erden, kocht dabei aber sein eigenes
Süppchen; ein Priester, der keinen Exorzismus
durchführen kann; ein Unternehmer, der sich in
seinem Nachtclub mit beiden Seiten arrangiert …
und mittendrin ein Held, der kein Held sein will.
Drehbuchautor Frank Cappello beschreibt das so: „Der
Typ hat ein gespanntes Verhältnis zu Gott. Und
verabscheut den Teufel. Er bekämpft die grässlichsten
Dämonen, bekommt aber seine eigenen schlechten
Angewohnheiten nicht in den Griff – zum Beispiel
das Rauchen, das ihn buchstäblich umbringt. Letztlich
will er gar nicht die Welt retten, sondern sich selbst.“
„In
diesem Film wird nicht alles fein säuberlich
erklärt“, sagt Goldsman. „Es geht
uns nicht darum, dass die Zuschauer alles bis ins
Letzte begreifen – vielmehr wollen wir sie an
einem grandiosen Erlebnis teilhaben lassen.“
Laut di Bonaventura legen die Filmemacher ebenso großen
Wert darauf, „platte Botschaften zu vermeiden
– wir wollen gewiss nicht predigen. Auf der
einen Ebene bieten wir ganz einfach gute Unterhaltung,
und wer mag, kann sich auf einer intellektuelleren
Ebene zu emotionalen und philosophischen Gesprächen
anregen lassen. Zuerst kommt die Spukgeschichte –
über die Hintergründe können Sie später
nachdenken“.
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