Kinostart: 25. Oktober 2007
Lissi und Kaiser Franz. Ein wunderbares Paar in einer wunderbaren Welt. Eine Welt
der Harmonie, des Einklangs - um nicht zu sagen: des Gleichklangs. Alles ist in
bester Ordnung. Genug Geldscheine zum Verheizen und reichlich
Schokoladenkugeln zum Golfen. Selbstverständlich wird ab und zu auch ein bisserl
regiert und ordentlich herumflaniert.
Doch von einer Sekunde zur nächsten verdüstern Wolken den immerblauen Himmelüber Schloss Schöngrün: Kaiserin Lissi wird Opfer einer Entführung! Umgehend
nimmt der tapfere Franzl in Begleitung des Feldmarschalls und der kaiserlichen Frau
Mama die Verfolgung des Kidnappers und seines Opfers auf. Anfänglich tappen sie
im Dunkeln, doch schon bald stoßen sie auf Fragmente einer Botschaft, die Lissi
unbemerkt auf dem Weg zurücklassen konnte. Ihr Inhalt, soweit er sich
rekonstruieren lässt, bedeutet einen Schock für Franz!
Doch statt zu resignieren, reagiert der Kaiser seinem Naturell entsprechend: wild!
Eine Jagd beginnt, die nicht einmal an der Landesgrenze halt macht, sondern bis tief
nach Bayern führt. Und die ihren Höhepunkt im actiongeladenen Finale von „Lissi
und der wilde Kaiser“ erlebt.
Michael „Bully“ Herbigs „Lissi und der wilde Kaiser“ verliert sich nicht in
Walzerseligkeit, sondern zeigt das Leben der berühmtesten Kaiserin wie es
vielleicht unter Umständen mit höchster Wahrscheinlichkeit gewesen sein
könnte!
Es ist eine goldene Zeit, die große Zeit der k. u. k. Monarchie: Über Schloss
Schöngrün strahlt die Sonne, im Schloss strahlt die junge Kaiserin Lissi. Grund
genug zum Strahlen haben beide. Lissi aber vielleicht sogar ein bisschen mehr.
Denn während die Sonne oft einen Achtstundentag hat, schaffen Lissi und der wilde
Kaiser Franz ihr Tagwerk in deutlich kürzerer Zeit. Das Regieren lässt sich nämlich
von leichter Hand erledigen, hat man diesen Beruf anständig gelernt und begriffen,
dass sich jedwede komplizierte oder gar unangenehme Aufgabe ganz prima
delegieren lässt.
An den Feldmarschall beispielsweise. Der wird zwar schon von der Kaiserin Mutter
bis in den roten Bereich seines Blutdruckmessgerätes beansprucht, doch sind deren
Wünsche eher privater Natur. Außerdem braucht jeder gut funktionierende Staat
einen Mann fürs Grobe, weshalb in seiner Stellenausschreibung auch nicht stand:„Das (Berufs-) Leben ist ein Ponyhof“.
Für Lissi und Franz ist es das schon. Besser noch: Ein endloser Wiener Walzer, den
sie auf rauschenden Bällen und Festen tanzen. Wenn sie nicht gerade ausgelassen
durch Wälder und Schlafgemächer turteln.
Alles hätte so schön weitergehen können, doch das Idyll auf Schloss Schöngrün ist
trügerisch. Der Yeti, ein ungepflegter Rüpel aus dem fernen Himalaya, treibt das
Kaiserreich in eine Staatskrise. Der Yeti ist zwar zu dieser Zeit offiziell noch gar nicht
entdeckt, deshalb aber nicht minder verhaltensauffällig. Und dazu durch eigene
Paddeligkeit schlimm in die Bredouille geraten: Nach dem Sturz in eine
Gletscherspalte rettet ihn nur ein Pakt mit dem Teufel davor, für immer ein Gerücht
zu bleiben.
Entsprechend teuflisch sind die Bedingungen des Deals. Der Fürst der Finsternis
nämlich gibt sich keinesfalls mit all den nützlichen Dingen zufrieden, die ein Yeti
tagtäglich in seiner geräumigen Bauchtasche mit sich führt. Stattdessen will er– auch so ein Teufel ist schließlich nur ein Mann – die schönste Frau der Welt frei
Haus. Womit selbst dem ansonsten nicht übermäßig hellen Yeti klar ist: Es kann nur
eine geben. Die Lissi!
Natürlich ahnt niemand auf Schloss Schöngrün, welches Unheil sich da auf dem
Dach der Welt zusammenbraut. Sonst wären wohl die Einreisebestimmungen für
Yetis im Kaiserreich drastisch verschärft worden. Und Lissi hätte ganz sicher keinen
Schritt mehr ohne Bodyguard getan. So aber steht sie eines Tages
mutterseelenallein einem haarigen Wesen gegenüber, das in den heimischen
Wäldern bisher nicht vorkam, ausgesprochen schlechte Manieren hat und sich auch
nicht von einem kaiserlichen Machtwort zur Räson bringen lässt. Sie stattdessen
packt – und einfach davon schleppt.
Was zwei unmittelbare Konsequenzen hat: Der jungen Kaiserin vergeht erstmals in
diesem Film das Strahlen. Und auch auf Schloss Schöngrün hat der Frohsinn ein
abruptes Ende. Der Kaiser ist wild vor Sorge und berät in einem eiligst einberufenen
Krisenstab mit dem Feldmarschall die Möglichkeiten, Lissi zu befreien. Die, so zeigt
sich schnell, sind allerdings begrenzt: Die Armeen des mächtigen Reiches stehen
auf Sizilien und bauen Überstunden ab. Für den verzweifelten Franz gibt es nur
einen Weg: Will er seine angebetete Lissi wieder sehen, muss er sich selbst auf die
Jagd nach dem zotteligen Kidnapper machen.
Er ist dabei auf sich selbst gestellt, aber nicht allein. Natürlich ist der treue
Feldmarschall mit von der Partie. Und nicht nur der: Getrieben von ein bisschen
Sorge um Lissi und ganz viel Sorge, ihr könne allein im Schloss fad werden, besteht
auch die energische Mama auf einer Teilnahme an der heiklen Mission. Was dem
Feldmarschall mehr Angst macht, als die im Wald lauernden gefährlichen
Freischwimmer. Aber, wie bereits eingangs erwähnt: Er hätte eben wissen müssen,
dass dieser Job nichts für Weicheier ist.
Hektik bricht aus im sonst so beschaulichen Schöngrün. In Windeseile werden Koffer
gepackt und ein Catering aus der Schlossküche vorbereitet. Dann macht sich die
kaiserliche Kutsche auf den Weg. Spuren des Entführers und der jungen Kaiserin
finden sich überall. Und bald auch eine Botschaft, die die Verschleppte offenbar
heimlich zurückließ. Ihr noch lesbarer Inhalt lässt nur eine einzige Deutung zu, die
Franzls Herz bricht: LISSI WILL SPAß! UND DESHALB AUF GAR KEINEN FALL
GERETTET WERDEN!
Jeder andere Kaiser hätte beleidigt reagiert. Sich in den Schmollwinkel seines
Schlosses zurückgezogen, den Kummer in Champagner ertränkt – und
anschließend gecheckt, was jenseits der treulosen Gattin an formschönem
weiblichen Hochadel auf dem Markt ist. Franz aber ist der wilde Kaiser und in diesem
Moment sogar noch ein bisschen wilder. Wild auf die Wahrheit. Wild darauf, Lissi
noch einmal gegenüber zu stehen. Und natürlich dem kriminellen Subjekt, das sie
entführte. Deshalb entscheidet er: Die Jagd geht weiter!
Wer dabei auf der Strecke bleibt? Das entscheidet sich erst ganz zum Schluss. Im
actiongeladenen Finale von „Lissi und der wilde Kaiser“... .
Nicht ganz ohne den üblichen Wiener Schmäh und nicht ganz befreit vom k.
und k. Hofzuckerbäcker-Kitsch früherer Werke über die Kaiserin der Herzen,
erzählt Michael Bully Herbigs „Lissi und der wilde Kaiser“ wie es vielleicht
unter Umständen mit höchster Wahrscheinlichkeit gewesen sein könnte.
Eine der großen Romanzen der Neuzeit von wahrhaft diabolischer Dimension. |