Filminfo: Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
Kinostart: 21. Februar 2008
Johnny Depp übernimmt die Titelrolle in Tim Burtons Verfilmung von Stephen Sondheims preisgekröntem Musical-Thriller „Sweeney Todd“. Sweeney Todd landet unschuldig im Gefängnis und schwört Rache nicht nur für seine brutale Strafe, sondern auch für das grausige Schicksal seiner Frau und Tochter. Eines Tages kehrt er nach London zurück, eröffnet wieder seinen Frisörsalon und steigt zum dämonischen Barbier der Fleet Street auf.
Obwohl er unschuldig ist, muss Benjamin Barker (Johnny Depp) am anderen Ende der Welt 15 Jahre Haft absitzen. Doch er entkommt, kehrt nach London zurück und schwört Rache, wobei er von der ihm bedingungslos ergebenen Komplizin Mrs. Nellie Lovett (Helena Bonham Carter) unterstützt wird.
Barker nennt sich jetzt Sweeney Todd und arbeitet wie zuvor in dem Frisörsalon über der Bäckerei von Mrs. Lovett. Er nimmt Richter Turpin (Alan Rickman) aufs Korn, der Barker einst mithilfe des ruchlosen Handlangers Beadle Bamford (Timothy Spall) aufgrund einer fingierten Anklage verurteilt und nach Übersee verbannt hat. Von Mrs. Lovett erfährt Sweeney, dass seine Frau von Richter Turpin missbraucht worden ist und daraufhin Selbstmord begangen hat. Im Gegenzug will Sweeney nun Turpins Frau Lucy (Laura Michelle Kelly) und seine kleine Tochter entführen.
Weil der extravagante Frisör Signor Adolfo Pirelli (Sacha Baron Cohen) Sweeneys Konkurrenz zu spüren bekommt, droht er, dessen wahre Identität aufzudecken. Kurzerhand schneidet Sweeney ihm die Kehle durch. Mrs. Lovett überlegt, wie sie die Leiche entsorgen soll, und nutzt die Krise, um ihrem derzeit schlecht gehenden Geschäft neuen Auftrieb zu geben: Sie verfeinert ihre Pasteten mit Menschenfleisch.
Sweeney entdeckt, dass sich der Richter in Sweeneys inzwischen halbwüchsige Tochter (Jayne Wisener) verliebt hat, die als Turpins Pflegekind wie eine Gefangene in dessen Haus lebt. Dennoch wird eines Tages der junge Seemann Anthony (Jamie Campbell Bower) auf das Mädchen aufmerksam – er hat Sweeney zuvor aus Seenot gerettet. Anthony verliebt sich unsterblich in Johanna und schwört, sie zu retten und zu seiner Frau zu machen.
Unterdessen sind Mrs. Lovetts Fleischpasteten das Stadtgespräch von London. Seit ihr Laden floriert, träumt sie von einem respektablen Leben im Badeort an der Küste – als Gattin von Sweeney. Und ihren jungen Schutzbefohlenen, Pirellis ehemaligen Assistenten Toby (Edward Sanders), möchte sie adoptieren. Sweeney interessiert sich allerdings nur für seine Rache – ohne an die Konsequenzen für seine Mitmenschen zu denken.
„Dass die Geschichte von ,Sweeney Todd‘ schon 150 Jahre überdauert hat, ist der Beweis dafür, wie gut sie ist… sie fesselt die Zuschauer immer aufs Neue. Es geht um die Rache, die auch den Rächer vernichtet“, sagt Stephen Sondheim, der das berühmte Bühnenmusical „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“ geschrieben hat, das jetzt als Vorlage zu Tim Burtons Film dient. „So gesehen handelt es sich um eine klassische Tragödie über einen Helden, der im Zuge seiner Rache selbst zugrunde geht.“
„Was macht ,Sweeney‘ zum Klassiker?“, fragt Produzent Walter Parkes. „Ein Grund ist sicher der wohl beste Musical-Soundtrack der letzten 50 Jahre. Aber es geht auch um Mord und Totschlag, um verlorene Liebe: Unsere brutalsten Triebe werden mit den zärtlichsten kombiniert. Aus dem Zusammenprall dieser Elemente entsteht die überwältigende Dynamik.“ „Sweeney Todd“ unterscheidet sich von anderen Geschichten durch die solide emotionale Basis der Story. „In ,Sweeney Todd‘ steht und fällt alles mit den Gefühlen“, sagt Drehbuchautor John Logan. „Es geht um große Leidenschaften, denn einem Mann wird schreiendes Unrecht angetan, sodass er Rache schwört. Und beim Umsetzen seiner Rache wird er wahnsinnig.
Aber es geht auch um die Frau, die ihn liebt, die sich nach ihm sehnt, aber keinen Kontakt zu ihm bekommt. Und es geht um ein Mädchen, das bei einem brutalen Stiefvater aufwächst und ihr Glück in der Liebe finden will. Diese emotionalen Erzählstränge überschneiden sich in ,Sweeney Todd‘, und weil all das durch die Musik und die Songs noch intensiviert wird, haben wir es mit einer prachtvollen Romanze zu tun. Doch im Grunde handelt es sich um eine leidenschaftliche, sehr düstere Liebesgeschichte.“
Manchmal wird behauptet, es habe Sweeney Todd tatsächlich gegeben: Er habe im London des 18. Jahrhunderts 160 Morde begangen. Aber generell geht man davon aus, dass er eine fiktive Figur ist, die mit der Story „The String of Pearls: A Romance“ des Autors Thomas Peckett Prest bekannt wurde – sie erschien im November 1846 in The People’s Periodical. Die Legende besagt, dass Todd seinen Kunden die Kehle durchschnitt, während er sie rasierte, um sie dann durch einen Schacht in den Keller rutschen zu lassen, wo sie zerhackt und dann zur Füllung für die Fleischpasteten seiner Komplizin verarbeitet wurden: Die verwitwete Bäckerin Mrs. Nellie Lovett verkaufte die Pasteten dann an ihre ahnungslosen Kunden. Ein Jahr später entstand aus Prests Story ein Stück mit dem Untertitel „The Demon Barber of Fleet Street“. Schon bald konkurrierte der berüchtigte Todd mit einem weiteren notorischen Londoner Serienmörder des 19. Jahrhunderts: Jack the Ripper.
Die Todd-Story hat viele weitere Theaterversionen inspiriert und wurde auch mehrfach fürs Kino und Fernsehen verfilmt, doch erst im Bühnenstück „Sweeney Todd“ des britischen Theaterautors Christopher Bond taucht 1973 das Rache-Komplott zwischen Barker und Turpin auf, das heute fest zur Sweeney-Legende gehört. Der berühmte amerikanische Texter und Komponist Stephen Sondheim, der zu der illustren kleinen Gruppe von Künstlern gehört, die nicht nur den Oscar, sondern auch den Tony, den Emmy, den Grammy und den Pulitzer-Preis gewonnen haben, richtete Bonds Stück 1979 für ein größeres Publikum ein und schrieb mit Hugh Wheeler das berühmte Bühnenmusical „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“.
In der Broadway-Uraufführung am 1. März 1979 spielte Len Cariou den Sweeney Todd und Angela Lansbury die Mrs. Lovett. Etwas wie Sondheims „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“ hatte es auf der Bühne noch nie gegeben: Das bluttriefende Gruselstück war musikalisch von dem legendären Soundtrack-Komponisten Bernard Herrmann („Psycho“, „The Birds“/Die Vögel) inspiriert und schockierte das Premierenpublikum, wurde aber schnell als Sondheims Meisterwerk erkannt. Bald darauf wurde es auch in London aufgeführt. Neuinszenierungen am Broadway folgten 1989 und 2005.
„Das Stück ist sehr originell“, berichtet die Filmproduzentin Laurie MacDonald. „Ironisch und düster, aber letztlich sehr tragisch und zu Herzen gehend. Und die wunderbare Musik ist einfach nicht von dieser Welt.“ Wie ihr Produzentenpartner Parkes war sie derart beeindruckt, dass die beiden in ihrer Funktion als Leiter der Produktionsabteilung bei DreamWorks Pictures die Filmrechte von Sondheim erwarben. „Die Sweeney-Todd-Fans sind eine eingeschworene Gemeinde, die man wirklich fast als fanatisch bezeichnen kann“, fügt Parkes hinzu. „Sie funktionieren als sehr genaues Barometer für die kollektive Stimmung.“
„Ich habe die erste Inszenierung am Broadway mit Angela Lansbury und Len Cariou dreimal gesehen“, erinnert sich Logan. „Das war total neu für mich. Ich war völlig begeistert, und dieses Gefühl habe ich bis heute bewahrt.“ Regisseur Tim Burton hat die ursprüngliche Broadway-Fassung zwar nicht erlebt, aber er schaute sich eine der ersten Aufführungen in London an, als er dort studierte. „Eigentlich mag ich Musicals nicht besonders, aber in diesem Fall war ich begeistert“, erinnert er sich. „Von Stephen Sondheim hatte ich noch nie gehört. Das Plakat sah irgendwie cool und interessant aus. Das Stück wirkt wie ein alter Horrorfilm, bekommt aber durch die Musik einen interessanten Gegenpol, ein ästhetisches Pendant zu den altertümlichen Horror-Bildern. Zudem war es interessant, eine blutige Geschichte auf der Bühne zu erleben. Ich schaute mir das Stück gleich noch einmal an, weil ich so angetan war.“