Filminfo: The Darjeeling Limited
 
 

Wes Andersons neuer Film DARJEELING LIMITED (The Darjeeling Limited) ist eine Familiengeschichte der ganz anderen Art – zwischen indischer Tradition und amerikanischem Lifestyle. Nachdem sich die ungleichen Brüder Francis (OWEN WILSON), Peter (ADRIEN BRODY) und Jack (JASON SCHWARTZMAN) bereits seit langem auseinander gelebt haben, soll sie das Erlebnis einer gemeinsamen Zugreise durch Indien wieder vereinen.

Bei ihrem spirituellen Trip kommen sie allerdings ziemlich schnell vom Kurs ab - unvorhersehbare Ereignisse rund um Giftschlangen, rezeptfreie Schmerzmittel, indischen Hustensaft und Pfefferspray stören die meditative Ruhe. Zuletzt finden sich die Brüder schließlich völlig allein nur mit elf Koffern, einem Drucker und einem Laminiergerät mitten in der Wüste wieder. Und dies ist der Beginn einer völlig neuen Reise...

 

Neben Regisseur Wes Anderson schrieben auch Darsteller Jason Schwartzman und Produzent Roman Coppola am Drehbuch zu DARJEELING LIMITED. Zu sehen ist einmal mehr das vielgelobte Anderson-Ensemble: Owen Wilson und Jason Schwartzman sowie Angelica Huston und Bill Murray in Nebenrollen. Erstmals sind auch Oscar®-Gewinner Adrien Brody und Natalie Portman mit von der Partie. Produziert wurde diese turbulente Komöde von Wes Anderson, Scott Rudin, Roman Coppola und Lydia Dean Pilcher, als Ausführender Produzent firmiert Steven Rales. Weitere Crewmitglieder waren der Kameramann Robert Yeoman (DIE TIEFSEETAUCHER, DIE ROYAL TENENBAUMS), Produktionsdesigner Mark Friedberg (DIE TIEFSEETAUCHER, DEM HIMMEL SO FERN), die Oscar®-prämierte Kostümdesignerin Milena Canonero (MARIE ANTOINETTE, DIE TIEFSEETAUCHER) und Andrew Weisblum (BROKEN ENGLISH), der für den Schnitt verantwortlich zeichnet.

Den passenden schrägen Sound liefern Joe Dassin, die Kinks, Ravi Shankar, die Rolling Stones u.a.

Die Geschichte zu DARJEELING LIMITED basiert auf drei Dingen, die Wes Anderson wirklich interessieren: Züge, Indien und Brüder. In seinen Filmen RUSHMORE (1998), DIE ROYAL TENENBAUMS (2001) und DIE TIEFSEETAUCHER (2004) setzte sich Anderson bereits hintersinnig und witzig mit dem oft verhängnisvollen Auf und Ab der Liebe auseinander, sei es nun im Familienleben, in einer Grundschule, in einem Haushalt von Genies oder an Bord eines Forschungsunterseeboots.

Bei DARJEELING LIMITED lässt er seine Geschichte rund um die Familienzusammenführung dreier entfremdeter Brüder an einem besonders beeindruckenden Schauplatz spielen: In einem Zug, der quer durch die Wüste von Rajasthan fährt und die verstörten Männer auf eine körperliche wie auch emotionale rasante Fahrt durch weite, fremde Welten mitnimmt. „Ich wollte schon immer einen Film drehen, der in einem Zug spielt. Mit gefällt die Idee eines sich bewegenden Schauplatzes. Der Zug bewegt sich voran, wie sich auch die Geschichte voran bewegt. Und einen Film, der auf einem Boot spielt, hatte ich ja bereits gemacht,“ so Anderson.

Bereits seit Anbeginn der Filmgeschichte haben Züge Filmemacher inspiriert. 1895 erschreckten die Gebrüder Lumiere mit ihrem 50 Sekunden dauernden DIE ANKUNFT EINES ZUGES AUF DEM BAHNHOF IN LA CIOTAT die Zuschauer, die nie zuvor Bilder gesehen hatten, die sich auf sie zu bewegten. 1903 drehte Edwin S. Porter mit THE GREAT TRAIN ROBBERY dann den ersten Spielfilm. Seither haben Züge, angefangen bei der verschwenderischen Raffinesse von MORD IM ORIENT-EXPRESS (1974) bis hin zum Chaos in YEAH! YEAH! YEAH! (1964), verschiedenste Charaktere auf sämtliche Arten von Reisen durch die Filmgeschichte transportiert.

Die Züge, die Anderson gefallen, sind weitaus mehr als simple Lokomotiven, es sind Eisenbahnen, die durch ein Land fahren, das wohl weltweit das am meisten genutzte Schienennetz der Welt hat – das riesige, ständig wachsende Indien mit seiner überwältigenden Mischung aus Farben und Kulturen, Schönheit und Absurditäten, Armut und Spiritualität.

Bevor er das Konzept zum Film entwickelte, war Anderson noch nie in Indien gewesen. Aber er war schon seit langer Zeit in diese Landschaft vernarrt, die er aus seinen Lieblingsfilmen, Jean Renoirs visuellem Meisterwerk DER STROM (1950), eine an den Ufern des Ganges angesiedelte Initiations-Geschichte, oder den mitreißenden, emotionalen Werken des großen indischen Regisseurs Satyajit Ray kannte. Die Idee, seine eigenen, komischen und bittersüßen Film in eine so verrückt andere Welt zu transportieren, faszinierte ihn.

So griffen die einzelnen Elemente des Films ineinander - und Anderson befand sich plötzlich in den Vorbereitungen für eine Abenteuerreise von drei Männern auf dem asiatischen Subkontinent: „Ich beschloss, einen Film in einem Zug in Indien zu drehen – mit drei Brüdern als Protagonisten. Dann bat ich meine Freunde Jason Schwartzman und Roman Coppola mir ein entsprechendes Drehbuch zu schreiben. Und schon kurz darauf reisten wir nach Indien.“

Ehe sie nach Indien fuhren, begannen Anderson, Schwartzman und Coppola mit dem Schreiben in Paris, wo sie alle vorübergehend wohnten. Jason Schwartzman erinnert sich, dass der Schreibprozess beiläufig begann, sich aber ziemlich schnell zu einer wahren Odyssee auswuchs: „Ich weiß, es klingt jetzt ziemlich schmalzig und malerisch, aber wir begannen große Teile des Drehbuchs spät abends in kleinen französischen Cafes zu schreiben. An einem bestimmten Punkt sagte Wes dann: ’Wisst ihr, vielleicht wäre es gut, wenn wir nach Indien fahren würden’. Und so reisten wir alle im März 2006 nach Indien und begannen an den Dingen, über die wir schrieben, tatsächlich teilzuhaben.“

Laut Coppola beruht ein großer Teil der Ideen für die Figuren des Films auf Andersons, Schwartzmans und Coppolas eigenen Beziehungen und Reise-Erfahrungen. „Wir gelangten an einen Punkt, an dem wir all unsere persönlichen Erfahrungen miteinander teilten und einige dieser Ideen in die Story aufnahmen,“ so Coppola.

So entstanden die Charaktere der drei Whitman-Brüder, die sich ein Jahr nach der Beerdigung ihres Vaters in Indien treffen, obwohl sie scheinbar nie wieder miteinander sprechen wollen. Die Idee, die ungleichen Geschwister zu einem Treffen einzuladen, stammt von Francis, dem ältesten der drei Brüder, der nach einem beinahe tödlichen Motorradunfall in eine Mumien-ähnliche Gesichtsmaske aus Pflastern, Verbandszeug und Kopfschutz gewickelt ist. Da sein erster Gedanke nach dem Unfall seinen Brüdern galt, plant Francis diese bis ins letzte Detail ausgeklügelte Reise. Ziel ist es, den Brüdern in diesem ehrwürdigen Land der Erleuchtung eine spirituelle Erfahrung näher zu bringen – oder zumindest die Brüder wieder ein wenig näher zusammen zu führen.

Unterdessen ist Peter, der mittlere der Brüder, in Indien eingetroffen. Als werdender Vater liegen bei ihm die Nerven blank, zumal er sich von der Mutter des Kindes eigentlich scheiden lassen wollte. Und dann ist da noch Jack, das Nesthäkchen der Familie. Der Autor, dessen fiktionale Romane alle auf tatsächlichen Geschehnissen rund um ihn herum basieren, kann selbst in Indien seine Exfreundin, die er in Paris zurückgelassen hat, nicht vergessen. Immer noch hört er heimlich deren Anrufbeantworter, für den er den Code besitzt, ab.

Anderson, Schwartzman und Coppola nahmen diese Figuren mit auf ihre Reise nach Indien und dadurch veränderte sich alles – die elegische Stimmung, die geschäftige Energie und die exotisch duftende Atmosphäre des Landes mischten sich mit den heiteren und rührenden Geschichten der drei Brüder. „Es ist ein wirklich einmaliger Ort.” so Anderson über Indien. „Es ist ein Land, in dem viele Dinge des Alltags ganz anders ablaufen und das schlägt sich auch im Drehbuch nieder. Auch wenn 90 Prozent der Story davon handeln, wie Francis, Peter und Jack versuchen, ihre Meinungsverschiedenheiten zu klären, fanden wir es sehr wichtig, dass diese Auseinandersetzungen in einem Zug stattfinden, der tatsächlich auf Schienen durch dieses altertümliche Land fährt.”

 
     
 
 
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