In ALIENS VS. PREDATOR 2 (AVP 2) liefern sich die beiden furchterregendsten Kreaturen der Filmgeschichte ihr bislang schlimmstes Gefecht – und das direkt vor unserer Haustür.
Der Science-Fiction-Action-Thriller fängt die Magie der „Alien vs. Predator“-Comics, -Bücher und -Videospiele, die zusammen die unverwechselbare AVP-Marke ergeben, perfekt ein und zollt dabei gleichzeitig den wegweisenden Werken von Ridley Scott, James Cameron und John McTiernan Tribut. Der Film bringt die Science Fiction von ALIEN („Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“, 1979), den Horror von ALIENS („Aliens - Die Rückkehr“, 1986) sowie die (Urwald-)Action von PREDATOR („Predator“, 1986) perfekt miteinander in Einklang.
Gleichzeitig bringt AVP 2 ein neues Element in das höchst erfolgreiche Franchise ein: die Aliens und der Predator führen ihren Krieg in einer USKleinstadt. Zusammengebracht haben all diese Elemente The Brothers Strause, die Brüder Colin und Greg, deren hoch angesehene Effekte-Firma Hydraulx schon für die CGI-Zaubereien an Filmen wie 300 („300“, 2006), X-MEN: THE LAST STAND („X-Men - Der letzte Widerstand“, 2006) und FANTASTIC FOUR („Fantastic Four, 2005) verantwortlich zeichnete.
Es ist kein Zufall, dass die Strause-Brüder mit AVP 2 ihr Regie-Debüt geben, sind sie doch beide bekennende Fans der zu Grunde liegenden Serien. „In gewisser Weise leben Colin und Greg quasi in eine Welt mit Aliens und Predatoren“, sagt John Davis, der sowohl diesen Film als auch PREDATOR und ALIEN VS. PREDATOR („Alien vs. Predator“, 2004) produziert hat. „Sie haben all diese Filme unzählige Male gesehen, kennen die AVP-Comics und die AVP-Videospiele. Sie verstehen diese Charaktere.“ Und Shane Salerno, der Drehbuchautor von AVP 2, fügt hinzu: „Die Strause-Brüder leben, essen und atmen diese Filme. Das spürt man bei AVP 2. Ihre Leidenschaft für den Stoff wird auf der Leinwand sichtbar.“
Aber es ging den Brüdern um mehr, als nur darum Monster in einer kleinen amerikanischen Stadt kämpfen zu sehen. Ihrer Meinung nach wird der Schrecken so einfach viel präsenter. Greg Strause: „Was ist Furcht einflößender: Eine Bedrohung, die Millionen von Kilometern entfernt stattfindet, oder eine, die vor der eigenen Türe steht?
Wir fanden einfach, dass es höchste Zeit war, die Aliens und den Predator auf die Erde zu holen. Jetzt geht es ans Eingemachte, in diesem Film ist niemand mehr sicher!“ „Die Kreaturen bewegen sich jetzt quasi durch unsere Straßen“, fügt John Davis hinzu. „Die Idee bestand darin, die Geschichte in ’Überall, USA’ anzusiedeln – in einer schönen, ruhigen und wiedererkennbaren Kleinstadt. Plötzlich bricht hier ein Gemetzel los, eine blutrünstige Schlacht wie man sie sich eigentlich gar nicht vorstellen kann.“
Die angegriffene Stadt heißt Gunnison – gefilmt wurde in Vancouver, Kanada – und sie liegt in den Bergen von Zentral-Colorado. „Sie ist klein, aber nicht zu klein“, erklärt Shane Salerno, der auf der Karte nach einem geeigneten Ort für sein Inferno gesucht hatte.
Alles an Gunnison wirkt in AVP 2 bekannt - die dunklen Abwasserkanäle, die regennassen Straßen, das Elektrizitätswerk, die Entbindungsstation des Krankenhauses - und diese Plätze werden zu einem Schlachtfeld, das die Bewohner in ihren schlimmsten Alpträumen nicht erahnen konnten.
„Während ich am Skript schrieb, hielt ich mir immer stets vor Augen, wie ganz normale Menschen in extremen Situationen reagieren würden“, fährt Salerno fort. „Ich dachte an Wirbelstürme und Brände, die normale Durchschnittsamerikaner, Feuerwehrleute, Lehrer oder Polizisten, zu Helden werden ließen.“
„Wir wollten ausloten, wie weit Menschen gehen würden, um ihre Familien zu schützen“, präzisiert Colin Strause. „Für wen würden sie kämpfen – und sterben?“
DER SOUNDTRACK
Ein weiteres neues Element in dem höchst erfolgreichen Franchise stellt das Predalien dar. Sein Kinodebüt in AVP 2 hat unter seinen Fans viel Neugier ausgelöst, vor allem bezüglich seines Aussehens. Die Spekulationen wucherten wild, besonders weil wegen der hohen Sicherheitsstandards in Sachen Konzept und Design im Vorfeld nichts über das Aussehen bekannt wurde. Die Figur ist genau genommen kein Hybrid aus Predator und Alien. Es ist vielmehr ein Alien, das in einem Predator ausgebrütet wurde und einige Charakteristika seines Wirtskörpers übernommen hat – es ist ca. 80 Prozent Alien und 20 Prozent Predator. Das Predalien besitzt das Außenskelett eines Aliens, Säure-Blut, einen Skorpion-ähnlichen Schwanz sowie eine Chamäleon-gleiche, höchst gefährliche Zunge. Vom Predator hat es einen zusätzlichen Kiefer sowie alienisierte „Dreadlocks“ geerbt.
Interessant ist vor allem, dass die Predator-DNA die Fortpflanzungsart des Aliens verändert hat. Das heißt, dass es mit der bekannten „Schwangerschaft“ – Ersticken und Platzen der Brust etc. – vorbei ist, die Predaliens werden viel effizienter ausgebrütet und geboren.
Das einzige Wesen, das den Angriff der Aliens und Predaliens stoppt bzw. stoppen kann, ist ein einzelner Predator. Im Gegensatz zu den Predatoren der Vorgängerfilme, die alle Jäger waren, ist dieser ein „cleaner“, ein Aufräumer, dessen einziger Existenzgrund darin besteht, alle Anzeichen eines Alien oder eines Predators auf der Erde auszulöschen.
Wenn man so will, ist der Predator zu einer Art Öko-Krieger mutiert. „Er möchte nichts auf der Erde zurücklassen, was diese aus dem Gleichgewicht bringen könnte“, sagt Davis. „Das verleiht der Figur eine gewisse Würde.“ Das heißt aber nicht, dass man es hier mit einem freundlichen, zärtlichen Predator zu tun hat. Tatsache ist, dass er noch viel ruchloser operiert als seine Artgenossen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hält der „cleaner“ sich auch nicht an den Code seiner Vorfahren, die nur bewaffnete Verfolger töteten; in AVP 2 gibt es bei seinem Kampf gegen die Aliens in Gunnison auch zahlreiche zivile Opfer.
Der Predator unterscheidet sich auch rein äußerlich von seinen Leinwand-Vorgängern. „Er besitzt eine andere Natur als die ’normalen’ Predatoren“, erläutert Greg Strause. „Er ist hagerer und gemeiner.“ Der Effekte-Spezialist und Designer Alec Gillis, der gemeinsam mit seinem Partner Tom Woodruff, Jr. schon an zahlreichen ALIEN- und PREDATOR-Filmen mitgewirkt hat, erläutert: „Wir stellten uns den Predator als vernarbte Kampfmaschine vor, die eher auf ihren Verstand als ihre Muskeln setzt. Die diversen „cleaner“-Kampagnen haben ihre Zeichen hinterlassen, so fehlt ihm etwa ein Kiefer, der vom Säureblut eines Aliens weggeätzt wurde.“
Colin Strause ergänzt: „Man sieht, dass er ein ganzes Leben gekämpft hat. Er trägt keine Rüstung – er braucht keine!“ Für seine „cleaner“-Mission ist der Predator wesentlich besser bewaffnet als seine Vorgänger. Er trägt nicht mehr nur eine, sondern gleich zwei Schulterkanonen, eine Implosionsbombe, die ein ganzes Raumschiff zerstört, einen Kanister mit brennbarer Flüssigkeit, die einen Alien in Sekundenschnelle zu Staub verwandelt und eine messerscharfe Peitsche, die aus Teilen eines Alien-Schwanzes gefertigt ist.
Trotz Neuerungen wie der Location Gunnison und der Variationen in Sachen Aliens und Predatoren wollten die Brüder Strause nah an den Ursprüngen von ALIEN, ALIENS und PREDATOR bleiben. AVP 2 schlägt die Brücke vom PREDATOR- zum ALIEN-Franchise, behauptet Colin Strause: „Er spielt nach PREDATOR und PREDATOR 2 („Predator 2“, 1990) und vor ALIEN.“ Strause verrät obendrein, dass dieser Zeitrahmen im Film von Bedeutung ist: „Fans der Filme werden voll auf ihre Kosten kommen, vor allem aufgrund der Art und Weise wie wir uns auf ALIEN beziehen.“
Die Brüder sind so große Hardcore-Fans von ALIENS, dass sie Fox darum baten, die Tonspur von James Camerons Klassiker digital auffrischen zu lassen. So konnten sie die „neuen“ Tracks für ihre Aliens in AVP 2 verwenden.
Ganz ähnlich sahen sich auch Alec Gillis und Tom Woodruff, Jr. als „Hüter“ der beiden Franchises und ließen sich von ihren Vorbild-Monstern kräftig „inspirieren“ – sei es nun vom Original-Alien von H.R. Giger, das dieser für Rideley Scotts Film 1979 entworfen hatte, vom Creature-Design bei ALIENS oder von Stan Winstons Predator. Die Strauses ließen sogar Comic- und Videospielmomente in ihren Film einfließen. „Wir traten das Erbe von Film-Giganten an“, notiert Gillis.
Dass sie alle auf einer Wellenlänge lagen, wurde schon beim ersten Treffen zwischen den Strause-Brüdern, Woodruff und Gillis klar. „Als wir hörten, dass Colin und Greg Regie führen würden – wir hatten die beiden da noch nicht getroffen –, dachten wir uns ’na gut, das läuft alles auf digitale Kreaturen hinaus’“, erinnert sich Gillis, der wusste, dass die Brüder einen exzellenten Ruf als Effekte-Spezialisten besaßen: „Wir fürchteten, dass die Monster nicht richtig greifbar sein würden.“
Doch nachdem die Strause-Brüder erstmals bei Amalgamated Dynamics, Inc vorbeigeschaut hatten, erwies sich diese Sorge als völlig unbegründet. „Als sie uns in unserer Firma aufsuchten und uns versicherten, wie sehr sie die Originalversionen der verschiedenen Charaktere mochten, war wir waren sofort total von Colin und Greg eingenommen. Wir kamen schnell überein, all unsere Energien zu bündeln und klassisches Handwerk und Digitaltechnologie miteinander in bestmöglicher Weise zu paaren, um bessere Kreaturen zu erschaffen.“
Während Gillis und Woodruff ihr Creature-Design perfektionierten, begannen die Strause-Brüder, Produzent John Davis und das Studio damit, die Besetzung zusammenzustellen. Man suchte nach der richtigen Bevölkerung für das belagerte Gunnison, Colorado. Die Bewohner der Stadt gehören der Arbeiterklasse an, sie sind keine Millionäre, Forscher oder Abenteurer wie in ALIEN VS. PREDATOR. „Man macht sich wirklich Sorgen, dass ihnen etwas passiert“, weiß John Davis.John Ortiz (AMERICAN GANGSTER („American Gangster“, 2007)), der Morales, den Sheriff der Stadt, spielt, betont, dass in seinem Part allen Monstern und Aliens zum Trotz der Mensch sichtbar bleibt: „Mir gefiel, dass Morales, obwohl er Autorität besitzt, nicht auf alle Fragen eine Antwort hat. Und obgleich er Übermenschliches leisten muss und die Gegner übermächtig erscheinen, reduziert sich alles aufs Elementarste: Überleben und Familie.“
Dennoch war sich Ortiz des irrealen Sets sehr wohl bewusst: „Ich erinnere mich an meine erste Szene mit einem Alien. Sie spielte sich auf einem Auto ab. Ich stand da, schaute und dachte mir ’heilige Scheiße, ich spiel’ in einem ’Alien’-Film mit’.“ Für Steven Pasquale („Rescue Me”) war die Tatsache, an der Seite eines der berühmtesten Monster der Filmgeschichte spielen zu können, die Erfüllung eines lebenslangen Traumes: „ALIEN war der Lieblingsfilm meines Vaters“, erklärt er. „Das war ein Grund, hier mitmachen zu wollen. Ich wusste, dass mein Vater darüber aus dem Häuschen sein würde.“
Pasquale schlüpft in die Rolle des Ganoven Dallas, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er trifft auf seinen jüngeren Bruder Ricky, den Johnny Lewis spielt, doch die Freude des Wiedersehens wird durch die hereinbrechende Katastrophe getrübt. Pasquale: „Dallas erkennt sofort, dass Ricky im Begriff ist, die selben Fehler zu machen wie er. Das versucht er zu verhindern. Er hat schon immer versucht, seinen Bruder zu schützen.“
Wie Morales ist Dallas zäh und zupackend. Aber alle die Kampferfahrung und die innere Stärke, die er sich auf der Straße angeeignet hat, nutzen wenig bei der Bedrohung durch den Kampf zwischen Aliens und Predatoren. „Was ich an unseren Figuren mochte, war der Umstand, dass wir auf dieses Phänomen aus dem All nicht vorbereitet sind, wir uns auf dieses Chaos nicht rechtzeitig einstellen können“, ergänzt Pasquale.
Pasquales Film-Bruder Johnny Lewis sieht den Ricky als aufrührerischen, renitenten aber auch gequälten Schüler einer Highschool, der sich bei seinem Kampf mit den Aliens endlich einmal beweisen kann. „Egal was später einmal mit Ricky geschehen mag, er wird immer als der Kerl in Erinnerung bleiben, der ein paar Monster gekillt hat“, lacht er. „Nicht viele Leute können das von sich behaupten.“
Kelly und ihre Tochter Molly sind eine weitere Familie, die sich in einer Krise befindet. Kelly ist gerade von ihrem Kriegsdienst im Irak nach Gunnison heimgekehrt: „Sie versucht, ihr Verhältnis mit ihrer Tochter zu normalisieren und einfach wieder Mutter zu sein“, erzählt Reiko Aylesworth („24“, „E.R:“), die die Kelly spielt. Aber just in dem Moment, als sie mit Molly (Ariel Gade) in Kontakt tritt, muss sie wieder in den Kampf ziehen – diesmal gegen Aliens und Predatoren. „Kelly ähnelt Ripley sehr“, erläutert Aylesworth und bezieht sich auf Sigourney Weavers heldenhafte Ellen Ripley die zentrale Figur des Franchise.
„Der Film ist in gewisser Weise eine Hommage an Ripley, denn sowohl sie wie auch Kelly sind starke weibliche Charaktere“, führt Aylesworth aus. „Was ich an Sigourneys Arbeit in den ALIEN-Filmen so schätze, ist, dass sie nicht versuchte, männliche Helden zu kopieren. Sie war als Ripley sehr weiblich und mütterlich. Molly ist genauso.“
Und als ob es nicht schon schwierig genug wäre, gegen Aliens und einen „cleaner“- Predator zu kämpfen, regnete es während der sechswöchigen Dreharbeiten beständig und es war obendrein nachts auch noch bitter kalt. Steven Pasquale fasst seine Erfahrungen während des AVP 2-Drehs zusammen: „In der ersten Woche fand ich es noch höchst spannend, in der Nacht bei strömendem Regen gegen Aliens zu kämpfen. Als wir am ersten Tag klatschnass wurden, machte das noch Spaß. Wir lachten und amüsierten uns. Aber so ab der zweiten Drehwoche verging uns das Lachen, wir fühlten uns schlecht und waren primär damit beschäftigt, uns warm zu halten.“ Pasquale feierte während der Dreharbeiten seinen 30. Geburtstag – mit einer ordentlichen Unterkühlung.
Während das Wetter und die Temperaturen für die Darsteller unangenehme Herausforderungen darstellten, kamen die Bedingungen den Regisseuren extrem entgegen. „Die Feuchtigkeit, der Dampf, der Regen und der Nebel – all das unterstreicht nur die Action und baut Spannung auf“, kommentiert Greg Strause. „Diese Elemente reflektieren auch unsere Philosophie des ’weniger ist mehr’. Wir wollten nicht zu sehr mit unseren Monstern protzen, also haben wir sie im Schatten und im Regen versteckt – wie dies schon in ALIEN und ALIENS geschah“. Überhaupt haben die Strause-Brüder Wert auf Details gelegt. Sie versuchten, alles so Furcht erregend wie möglich zu gestalten. In ihrer Kleinstadt sieht sogar ein kleiner Pizza-Laden so unheimlich aus wie sonst nur ein einsamer Planet.
Nachdem die Dreharbeiten abgeschlossen waren, zogen sich die Brüder für die Postproduktion in die Räume ihrer Firma Hydraulx nach Santa Monica, Kalifornien, zurück. Dort wurden nicht nur die digitalen Effekte (ein-)gebaut, sondern auch andere schwierige Post-Produktionsaufgaben realisiert. Gleichzeitig begann Brian Tyler mit der Komposition des Soundtracks. Er schuf eine „schmutzige, furchteinflößende und Adrenalin-treibende“ Musik, die ganz in der Tradition der Scores der Vorgängerfilme steht.
„Die ALIEN-Themen benutzen kreischende Streicher, atonale Wut und heulendes Blech“, erklärt Tyler. „Als ich die ALIEN-Themen dirigierte, hauten mich die vom Orchester erzeugten Soundwellen fast rückwärts vom Pult.“ Tyler stellt diese in harten Kontrast zu den PREDATOR-Themen: „Die Predatoren besitzen im Vergleich zu den Aliens eine gewisse Intelligenz, sind aber mindestens ebenso brutal. Also schuf ich für sie afrikanisch inspirierte, rhythmische Trommel/Schlagzeug-Klänge und paarte diese mit ernsten Blechbläsern.“ Tyler abschließend: „Es war mir wichtig, dass die Musik episch klingt und ihren Science-Fiction-Wurzeln verpflichtet bleibt.“