Eines Morgens im Spätsommer trifft die junge Lila auf einen jagenden Fuchs. Fasziniert folgt sie dem scheuen Tier: Nichts möchte sie lieber, als mit ihm durch die Welt zu streifen. Tatsächlich: Behutsam und trickreich gewinnt sie sein Vertrauen. Damit beginnt eine ebenso fabelhafte wie erstaunliche Freundschaft. An der Seite des Fuchses entdeckt das Kind eine wilde und geheimnisvolle Natur, und erlebt ein Abenteuer, welches ihr Leben und ihr Verständnis der Tiere verändern wird …
Nach dem weltweiten Erfolg seiner poetischen Dokumentation „Die Reise der Pinguine“ wechselt Regisseur Luc Jacquet ins Spielfilm-Genre. „Der Fuchs und das Mädchen“ ist ein einzigartiges Kino- Abenteuer, anrührend, märchenhaft und packend erzählt in überwältigenden Landschafts- und Tieraufnahmen. Ein Geschenk von einem Film.
Wer kennt nicht die Fabel vom Raben und dem Fuchs? Wer kennt nicht Jean de la Fontaines’ „Jeder Schmeichler lebt von dem, den er schmeichelt“. Zu seiner Zeit im 17.Jahrhundert benutzte der Autor dieser Strophen die Tiere als einen Spiegel menschlichen Handelns. So wollte er dessen Wesenszüge unterstreichen, seine Fehler und anderen Tricks skizzieren. Immer schon hat der Fuchs die Literatur bereichert, die Fantasie und die Sagenwelt angeregt.
Sei es in Afrika, Asien oder Ozeanien, überall ist der Fuchs im Unterbewusstsein, in unserem kollektiven Gedächtnis präsent in Form von Fabeln, Märchen und anderen Veröffentlichungen. Wir finden seine ersten europäischen Spuren bereits in der Antike, wenn Orpheus in die Unterwelt hinab steigt. Und der Fuchs ist ebenfalls anwesend bei den Völkern des Nordens, in Finnland, Schweden….
In Japan nennt man ihn Kitsun. Er wird oft mit weiblichen Namen versehen und der Fuchs nimmt einen großen Raum in der japanischen Literatur ein. Unter der Feder verschiedener Autoren kann er die Form von magischen Geistern annehmen. Seine Macht ist vielfältig. Man findet ihn im Zusammenhang mit der Gottheit des Reises Inari. Er kann Feuer spucken, Illusionen vorspielen, Menschen verrückt machen. In den Mangas hat man ihn gezähmt und zu einer wichtigen Figur gemacht.
Seit Jahrhunderten beeindruckt der schlaue, gerissene Fuchs viele Völker. Im Orient erscheint er in zwiespältiger Gestalt und kann in weiblicher Form ebenso als wunderschöne, junge Frau, als auch als schreckliche Hexe erscheinen. Auch wenn Walt Disney ihn zur Figur des Robin Hood verwandelte, haben sich nur sehr wenige Filmemacher von ihm inspirieren lassen. Nur der „Roman de Renart“ wurde 1937 in Schwarz-Weiß mit Marionetten adaptiert. Noch nie bis zu „Der Fuchs und das Mädchen“ von Luc Jaquet war der Fuchs, dieses so einmalige und unberechenbare Tier, Held eines Spielfilms.
Der Fuchs: welch seltsames Tier mit seinem schelmisch erscheinendem Blick, spitzer Nase, jenem buschigem, hin- und herwanderndem Schwanz, mit einer neugierig schnüffelnden, länglichen Schnauze. Auf seinen eher kurzen Beinen nicht länger als ein Farnblatt, also so um die 60 Zentimeter, wiegt er nicht mehr als zehn Kilo, und führt sein schimmerndes Fell in allen Gegenden des Globus spazieren und das seit langer, langer Zeit. Er stammt aus der Familie der Canidae (Hundeartigen) ebenso wie der Wolf, der Hund, der Schakal und noch mehr als 30 andere Arten. Im Französischen schrieb sich der Fuchs je nach Region und Dialekt unterschiedlich.
Lange Zeit nannte man ihn „Goupil“ das kommt vom Lateinischen „vulpiculus“, eine Ableitung von „vulpecula“ (kleiner Fuchs) und dem Verkleinerungswort von „vulpes“ ein Terminus aus dem Griechischen. Bekannt wurde der Fuchs in der französischen Literatur vor allem durch den Helden im „Roman du Renart“, einer Zusammenfassung von Kurzgeschichten, manchmal in Prosa und manchmal in achtsilbiger Versform, geschrieben im 12. Jahrhundert von Pierre de Saint-Cloud und Richard de Lison sowie 28 weiteren Autoren, die namentlich nicht bekannt sind.
„Fuchs du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her, sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr...“ Nicht nur in diesem traditionellen Kinderlied wird der Fuchs in seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung im Allgemeinen als Dieb, als listig, oder als verschlagen beschrieben. Als Protagonist mehrerer Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm, gilt er meist als gescheit und klug, meistens jedoch wie in „Der Fuchs und die Frau Gevatterin“ nur zu seinem eigenen Vorteil. Nur in „Der Fuchs und das Pferd“ hilft er auch einmal einem anderen Tier.
Im deutschen Kulturkreis ist jedoch die Figur des „Reineke Fuchs“ am bekanntesten. Erste Veröffentlichungen in Niederdeutsch reichen bis in das 15.jahrhundert zurück. Später versuchten sich mehrere deutsche Dichter u.a Goethe an dem Stoff. Als Reineke gelingt es dem Fuchs zwei Gerichtsverhandlungen zu überstehen, sich mit cleveren Lügengeschichten das Vertrauen des Königs der Tier des Löwen Nobel zu erschleichen und seinem ärgsten Widersacher dem Wolf Isegrimm nicht nur die Frau zu schänden, sondern ihn später im Duell auch mit denkbar unfeinen Methoden zu besiegen und zu töten.
Ausgestattet mit einem sehr feinen Geruchssinn verfügt der Fuchs über ein Gebiss mit langen Eckzähnen und kräftigen Backenzähnen. Dieses Zusammenspiel der Zähne erweist sich nicht nur für die Opfer des Fuchses als fatal, sondern auch für Aas, Fische, Wasserratten, Pflanzen und Hausabfälle. Das sind „Speisen“, die heutzutage mehr und mehr grundlegender Bestandteil seiner Ernährung sind.
Der Rotfuchs "Vulpes vulpes" ist weit verbreitet und lebt in Eurasien, Nordamerika, Nordafrika und Australien. Sehr anpassungsfähig findet man den Fuchs zunächst vornehmlich in einem Landschaftsmosaik aus Wäldern und landwirtschaftlich genutzten Gegenden. Er kann sich außergewöhnlich gut anpassen und nähert sich zunehmend den Großstädten, lebt sogar in ihnen. Eigentlich ein Einzelgänger, kann der Fuchs den Umständen entsprechend und abhängig vom Nahrungsangebot auch in Gruppen vorkommen.
Zahlreiche andere Fuchsarten sind bekannt: so findet man zum Beispiel im südlichen Afrika den „Otocyon megalotis“, der mit großen „Fledermausohren“ ausgestattet ist. Sie ermöglichen ihm ein sehr feines Gehör wie auch eine Wärmeregulierung, durch die er sich gut an das heiße Klima im Süden Afrikas anpasst. Den „Vulpes chama“, auch Kapfuchs genannt, findet man in den trockenen Savannen von Mosambik, Südafrika und anderen benachbarten Staaten. Ferner gibt es den „Alopex lagopus“, auch Polarfuchs genannt. Sein Fell ermöglicht es ihm, Temperaturen bis zu minus 70 Grad zu überstehen. Seine weißen Haare werden im Sommer braun. Den Wüstenfuchs oder Fennek („Vulpes zerda“) findet man auf der anderen Seite des Mittelmeeres in Nordafrika. Es ist der kleinste der Hundeartigen mit einer Körpergröße von nur 15-20 cm, besitzt aber Ohren von 15 cm Länge. Im Süden Nordamerikas trifft man auf den Graufuchs „Urocyon cinereoargentus“, der ein exzellenter Kletterer ist: er wird oft in Bäumen gesehen.
Während die Lebenserwartung des Fuchses in der Natur nur um die drei Jahre beträgt, können einige Individuen bis zu 10 Jahren alt werden. Der Fuchs stößt kleine, schrille Schreie aus, er bellt. Das Fuchsweibchen kann jedes Jahr im März drei bis fünf Junge werfen, die eine beliebte Beute für Adler, Eulen, Geier und Luchse darstellen. Um Nagetiere zu jagen, springt der Fuchs mit allen vier Pfoten hoch und landet dann nur mit den Vorderpfoten senkrecht auf seinem Opfer.