Filminfo: Fall 39  
 

Kinostart: 11. März 2010

Was macht uns Angst?

Von „The Omen“ (DAS OMEN, 1976) zu „The Exorcist“ (DER EXORZIST, 1973), von „Rosemary’s Baby“ (ROSEMARIES BABY, 1968) zu „Demon Seed“ (DES TEUFELS SAAT, 1976), von „The Others“ (THE OTHERS, 2001) zu „El orfanato“ (DAS WAISENHAUS, 2007) – Horror wird oft vor dem Hintergrund der Familie illustriert. Viele der unvergesslichen Horrorgeschichten nehmen ihren Ursprung in kleinen innerfamiliären Beziehungsproblemen und den damit einhergehenden Emotionen wie Ängstlichkeit, Paranoia und Unsicherheit. FALL 39 erzählt die Geschichte einer auf die Rettung zerrütteter Familien spezialisierten Frau, die ein Mädchen bei sich aufnimmt, das in höchster Not steckt. Doch Emily Jenkins muss entdecken, dass man nicht einfach über Nacht zur Mutter wird. Bei diesem Job materialisieren sich ihre tiefsten Ängste – Versagensangst, die Angst, nichts zu Verstehen und die Furcht davor, komplett die Kontrolle zu verlieren.

Diese Ängste alleine sind schon nicht ohne, doch Emilys Pflegekind Lillith setzt noch eine ganz andere Furcht in Emily und all den anderen Mitmenschen frei, die sich in den tiefsten, dunkelsten und morbidesten Ecken des Unterbewusstseins einnistet. Wen diese Furcht in ihrem unerbittlichen Griff hat, den kann sie in töten.

Oscar®-Gewinnerin Renée Zellweger gibt bei FALL 39 ihr Horrorfilm-Debüt, gleichzeitig inszeniert der talentierte deutsche Regisseur Christian Alvart erstmals eine amerikanische Produktion. Alvart machte sich europaweit einen Namen mit seinem innovativen Psychothriller ANTIKÖRPER (2005). Darin zieht die kranke Psyche eines Serienmörders selbst den ermittelnden Polizisten in ihren Bann. Die Filmwelt feierte das Werk als faszinierend stylish und provokant und katapultierte Alvart ein gutes Stück die Karriereleiter hinauf.

Alvart hatte eigentlich eine radikale Abwendung vom Horrorgenre geplant gehabt, doch er änderte seine Meinung. Produzent Kevin Misher („Public Enemies“, PUBLIC ENEMIES, 2009) schickte ihm Ray Wrights fesselndes Drehbuch zu FALL 39 und hatte ihn damit am Haken.

„Zu dieser Zeit wollte ich weg aus der Horror-Ecke, doch das Lesen von FALL 39 machte mir derart Spaß, dass ich es unbedingt machen musste“, erinnert sich Alvart. „Das Skript war großartig. Ich brauchte für das Durchlesen weniger Zeit, als der Film nun dauert. Einige von Rays Szenen schockierten sogar mich und schafften es, mich auf ganz neue Weise zu überraschen. Er konnte mich richtiggehend verunsichern und genau diese Art extremer Spannung fasziniert mich.“

„Mich interessieren nur Horrorfilme, die reale, allgemeingültige Ängste behandeln. Ganz besonders gefiel mir an FALL 39 die Beschäftigung mit den Gegebenheiten und der Gefühlswelt dysfunktionaler Familien“, erklärt Alvart. „Der Kern der Story handelt vom Elternsein und der Tatsache, dass man die Gedanken seiner Kinder nicht kontrollieren kann. Man kann es versuchen und sein Bestes geben, aber man hat nie die völlige Kontrolle. Und was passiert, wenn man, wie Emily, alles richtig gemacht hat, und es trotzdem einfach nicht funktioniert? Wenn jemand trotz all der Versuche, ihn zu steuern, Böses tut?“

Aufgrund dieser Fragen entschied sich Alvart für eine lebensnahe Herangehensweise, stark an der Realität orientiert – bis eine Reihe von Ereignissen die Schwelle zum Übernatürlichen übertritt. „Ich wünschte mir für den Film stets einen harten, ungeschönten Look“, verdeutlicht er.

Realismus bedeutet für Alvart jedoch keineswegs, seinen unverwechselbaren Stil abzulegen. Er benutzt komplizierte visuelle Rhythmen, die er übereinander lagert, und erreicht damit einen grauenerregenden Effekt. „Ich möchte bei solchen Produktionen alles kontrollieren, damit jedes Element – jedes Requisit, jede Farbe, jede Bewegung der Schauspieler – das Publikum in eine komplette, emotional überhöhte Realität mitnimmt, die es auf ungeahnte Weise berührt.“

Diese Herangehensweise faszinierte auch die Produzenten Steven Golin und Kevin Misher. „Christian hatte ein hervorragendes Verständnis für das Material“, schwärmt Misher. „Als Steve Golin, Renée Zellweger und ich ihn das erste Mal trafen, mochten wir ihn auf der Stelle. Er faszinierte uns mit seiner Energie, seinem Durchsetzungsvermögen und seinen Ansichten. Er hatte noch nie zuvor auf Englisch gedreht, doch ANTIKÖRPER sprach Bände über sein Talent. Spannung ist Christians Lebenselixier. Außerdem wusste er schon beim ersten Treffen bis zur letzten Kameraeinstellung genau, was er wollte.“

Schnell nahm das Projekt Formen an und Alvart fertigte das Storyboard jeder Filmszene an; er ging sogar so weit, detaillierte Frames jeder Filmsekunde anzulegen, wie er sie bereits in seinem Gehirn gespeichert hatte. Er wusste, dass es für viele der erschreckendsten Szenen eine ausgefeilte Balance brauchte; etwa die spannende Ofen-Szene, mit der Emilys Beziehung zu Lillith ihren Anfang nimmt, oder die unvergessliche Badezimmersequenz, in der Emilys Freund, der Psychologe Doug, von einem Schwarm Hornissen bedrängt wird. „Wir wollten diese Szenen angsteinflößend und verstörend machen“, erinnert sich Alvart, „ohne zu weit zu gehen. Wir suchten das äußerste Extrem, ohne die Grenzen des Psychothrillers zu sprengen.“

Beim Casting achtete Alvart auf die Chemie der Schauspieler, die geheimnisvoll, emotional und beängstigend wirken sollte. „Damit die übernatürlichen Elemente von FALL 39 funktionieren, muss man an die Charaktere glauben“, erklärt er. „Ich brauchte Darsteller, die diese seltsamen Ereignisse emotional glaubwürdig machen und die das Publikum tief berühren. Damit lagen wir bei Renée Zellweger, Jodelle Ferland, Ian McShane und all den anderen genau richtig.“

 
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