Der Science-Fiction-Autor David (John Cusack) wünscht sich nichts sehnlicher als eine Familie: Deshalb adoptiert er den sechsjährigen Dennis (Bobby Coleman). Doch Dennis ist kein gewöhnlicher Junge: Er hält sich für einen Marsmenschen! David und seine beste Freundin Harlee (Amanda Peet) hören nicht auf die Erziehungstipps von Davids Schwester Liz (Joan Cusack) und werden Zeuge verschiedener seltsamer Vorfälle, die tatsächlich darauf hindeuten, dass Dennis die Wahrheit sagt… Menno Meyjes inszenierte die Kinoversion der preisgekrönten Kurzgeschichte des SFGurus David Gerrold.
Der Science-Fiction-Autor David Gordon (John Cusack) hat kürzlich seine Frau verloren. Im Zuge seiner Trauerarbeit möchte er den Waisenjungen Dennis (Bobby Coleman) adoptieren, der sich fast völlig von seiner Umwelt abgeschottet hat und behauptet, vom Mars zu stammen. Wie schwierig es ist, die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, weiß David ganz genau, denn – ob er will oder nicht – ständig bekommt er gut gemeinte Ratschläge von seiner Schwester Liz (Joan Cusack) und der für die Adoption zuständigen Waisenhausdirektorin Sophie (Sophie Okonedo). Dennoch besteht David darauf, Dennis als seinen Sohn anzunehmen – auch wenn der auf seiner Alien-Vision beharrt.
Unterstützt wird David von seiner besten Freundin Harlee (Amanda Peet), und zwischen den beiden entwickelt sich zögernd eine sehr behutsame Liebesbeziehung. Aber trotz Harlees Hilfe erweist sich Davids Aufgabe als Vater viel komplizierter, als zunächst angenommen. Vor allem droht David den Abgabetermin für seinen nächsten Roman zu versäumen, was seinen Agenten Jeff (Oliver Platt) äußerst nervös macht. Außerdem schnüffelt der Sozialarbeiter Lefkowitz (Richard Schiff) in Davids Privatleben herum, weil er als Vorsitzender des Adoptionsausschusses sicherstellen muss, dass David seiner Vaterrolle gewachsen ist. Und das bezweifelt Lefkowitz ernsthaft.
Denn der kleine Dennis verhält sich nach wie vor sehr seltsam: Obwohl sich David liebevoll um ihn kümmert, kann er den Kleinen nicht bewegen, die Marsmensch-Theorie aufzugeben. Und weil David mehrfach äußerst merkwürdige Dinge mit Dennis erlebt, beginnt er sich ernsthaft zu fragen, ob dessen Behauptungen wirklich nur frei erfunden sind. Gleichzeitig möchte er den einsamen Jungen nicht mehr missen – denn er spürt, wie sehr er sich selbst durch die intensive Sorge um seinen Ziehsohn verändert.
Es war vor über zehn Jahren, als Produzent Ed Elbert („Anna and the King“/Anna und der König) den Produzenten David Kirschner und Corey Sienega David Gerrolds mit dem Hugo und dem Nebula Award ausgezeichnete Kurzgeschichte „The Martian Child“ zu lesen gab. Kirschner erinnert sich: „Corey war von der Story sofort begeistert. Sie rief mich an und schwärmte: ,Die musst du lesen, sie ist einfach perfekt.‘“
Tatsächlich waren die Produzenten gerade auf der Suche nach einer Story wie „The Martian Child“. Dazu Kirschner: „Stoffe über Kindheitsmotive liegen uns, aber auch Fantasy- Elemente schätzen wir besonders.“
Vor allem Kirschner fühlte sich von der Story ganz persönlich angesprochen: „Ich war bei der Lektüre tief gerührt von der Vater-Sohn-Beziehung, denn ich habe meinen Vater sehr früh verloren – immer wieder begeistern mich Projekte, in denen es um die Bedeutung von Männern im Leben von Jungen geht. Diesmal stimmte wirklich alles: der Humor und vor allem die Gefühle.“
„Wir bemühten uns um die Filmrechte, bekamen sie zunächst nicht, dann glücklicherweise aber doch“, berichtet Corey Sienega. „Und schließlich haben wir den Film zustande gebracht – nur kurze zehn Jahre später! David Kirschner und ich sind sehr froh, dass diese langjährige Liebesarbeit endlich Früchte trägt.“
Kirschner gibt zu, dass auch er sich als Kind einsam gefühlt hat. Deshalb betont er, dass das Thema Entfremdung die meisten Menschen anspricht: „Der kleine Dennis passt nicht ins Raster gesellschaftlicher Normen. Wahrscheinlich machen wir alle in einem bestimmten Alter unsere ,Mars-Periode‘ durch. Wir fühlen uns als Außenseiter, wie Aliens. Manchen passiert das als Erwachsenen, manchen als Kids, und manchen macht das tagtäglich zu schaffen.“
John Cusack stand von Anfang an ganz oben auf der Wunschliste der Filmemacher für die Rolle des David Gordon – die Rolle wurde ihm quasi auf den Leib geschrieben, wie Kirschner berichtet: „Die Drehbuchautoren Seth Bass und Jonathan Tolins erzählten, dass sie schon beim Schreiben John Cusack als David stets vor Augen hatten. John Cusack ist ein echter Jedermann, er bringt die Qualitäten eines James Stewart mit – aber er ist nicht der Jedermann aus den Frank-Capra-Filmen, sondern ein Jedermann in unserer heutigen Zeit – neurotisch, manchmal paranoid, aber immer humorvoll und mit einem schlagfertigen Spruch auf den Lippen.“
„John bringt nicht nur seine erstaunliche Begabung als Schauspieler mit“, fährt Kirschner fort. „Für mich liegt seine Stärke auch darin, dass er sich bei seinem Publikum zu einer Art Markenzeichen entwickelt hat – denn er wählt seine Filme sehr klug aus. Für uns war es daher ein großer Tag, als er die Rolle annahm, denn wir wussten wirklich nicht, wie er darauf reagieren würde, dass er hier einen Vater spielen sollte. Das hat er bisher noch nie getan, also 4 bildet der Film einen Meilenstein in seiner Karriere – er ist jetzt alt genug, um als Vater zu überzeugen.“
John Cusack ließ sich nicht nur von der Story an sich begeistern, sondern auch von den kreativen Möglichkeiten, die ihm die Rolle als Schauspieler bot. „Die Story ist dramatisch, geheimnisvoll, aber sie beschränkt sich auf eine übersichtliche Umgebung, ist fast ein Kammerspiel, wenn man sie von den Figuren her analysiert“, sagt Cusack. „Ein Mann möchte einen Jungen adoptieren, und die beiden versuchen nun, sich gegenseitig zu ergründen. Als Schauspieler gefällt mir das, weil die Figuren im Mittelpunkt stehen. Das Moderne an der Geschichte ist der Umstand, dass der Kleine ein Außenseiter ist, er kommt mit seiner Umwelt nicht klar. Mir gefiel die Vorstellung, dass er sich für einen Außerirdischen wie David Bowie in ,The Man Who Fell to Earth‘ (Der Mann, der vom Himmel fiel) hält. Das funktioniert als Metapher für die Entfremdung, für sein Unvermögen, sich anzupassen und seinen Platz in der Gemeinschaft zu finden. In gewisser Weise glauben David und Dennis, dass sie einander helfen können, vor allem aber brauchen sie einander. Das ist sehr schön, es birgt dramatisches Potenzial – einfach eine sehr gute Geschichte.“
Cusack selbst brachte Menno Meyjes als Regisseur ins Gespräch – die beiden hatten bereits an Meyjes’ Regiedebüt „Max“ zusammengearbeitet. Die Produzenten kannten Meyjes auch als berühmten Drehbuchautor – David Kirschner hatte Meyjes bereits vor 20 Jahren kennengelernt: „Als mich Steven Spielberg Menno 1984 vorstellte, reichte ihm sein Haar bis zum Gürtel. Er hatte gerade das Skript zu ,The Color Purple‘ (Die Farbe Lila) abgeschlossen, und ich begann zu der Zeit mit ,An American Tail‘ (Feivel der Mauswanderer). Wir ahnten beide nicht, dass wir uns 20 Jahre später wieder sehen würden und er diesen Film inszenieren sollte.“
Auch Meyjes fühlte sich von den ungewöhnlichen Qualitäten der Story angesprochen, die sich besonders den Vaterpflichten widmet: „Diese intensive Liebesgeschichte zwischen Kind und Mann ist auch ein Gedicht auf das, was Elternschaft bedeutet, auf die Schwierigkeiten und heldenhaften Anstrengungen, die damit verbunden sind und die sich nur mit Selbstlosigkeit bewältigen lassen.“
Auf der Suche nach einem geeigneten Kinderdarsteller schaute sich Besetzungschefin Mary Gail Artz in ganz Nordamerika um. Von Toronto bis New York, von Philadelphia bis San Francisco und Seattle sammelte man buchstäblich Tausende von Probevideos. „Das war ein unglaubliches Unternehmen“, erinnert sich Produzentin Corey Sienega. „Wahrscheinlich war dies die schlimmste Phase der gesamten Produktion: Jahrelang hatten wir von diesem Film geträumt. Wir entwickelten das Skript, hatten das große Glück, dass John Cusack mitmachte, wir bekamen grünes Licht, und dann merkten wir plötzlich, dass der gesamte Film von der Besetzung dieses außergewöhnlichen Jungen als Partner von John Cusack abhängt, denn er tritt in praktisch jeder Szene auf.“