Filminfo: Das Parfüm - Die Geschichte eines Mörders
 
 

Kinostart: 14. September 2006

Unter unwürdigen Umständen erblickt Jean-Baptiste Grenouille (BEN WHISHAW) im Jahr 1738 auf dem Pariser Fischmarkt das Licht der Welt. Sehr früh bemerkt er, dass er einen äußerst ausgeprägten Geruchssinn besitzt. Nachdem er als Jugendlicher die mörderischen Arbeitsbedingungen in einer Gerberei überlebt hat, beginnt Grenouille eine Lehre beim Parfumeur Baldini (DUSTIN HOFFMAN). Schnell überflügelt er den Meister in der Kunst des Duftmischens, doch werden Düfte zu seiner Obsession, die ihn an den Rand der humanen Gesellschaft führt. Besessen von der Idee, menschliches Aroma zu konservieren, ermordet er ohne Skrupel junge Frauen, deren Geruch ihn betört. Das Drama nimmt seinen Lauf, als Grenouille auf dem Weg in die Parfummetropole Grasse der schönen Laura (RACHEL HURD-WOOD) begegnet, die für ihn übersinnlich duftet. Während weitere unerklärliche Morde passieren, ahnt Lauras Vater, der Kaufmann Richis (ALAN RICKMAN), dass auch seine Tochter in höchster Lebensgefahr schwebt. Ein ungleiches Katz-und-Maus-Spiel um innige Vaterliebe und tödliche Leidenschaft beginnt...

Bernd Eichinger und Tom Tykwer verfilmten für Constantin Film Patrick Süskinds fesselnden Weltbestseller. Das Drehbuch wurde von Andrew Birkin, Bernd Eichinger und Tom Tykwer geschrieben. In den Hauptrollen agieren der 25-jährige britische Shootingstar Ben Whishaw (MY BROTHER TOM, ENDURING LOVE) neben Weltstar und Osca®-Preisträger Dustin Hoffman (RAIN MAN, MEINE FRAU, IHRE SCHWIEGERELTERN UND ICH), Alan Rickman (HARRY POTTER, STIRB LANGSAM) und Neuentdeckung Rachel Hurd-Wood.

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Der Lebenskrimi des genialen und todbringenden Parfumeurs Jean-Baptiste Grenouille erschien erstmals im Frühjahr 1985 im Schweizer Diogenes Verlag und bescherte dem 1949 in Ambach am Starnberger See geborenen Autor Patrick Süskind (u.a. „Der Kontrabaß“ sowie die Drehbücher zu „Kir Royal“ und „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“) einen sensationellen Welterfolg. „Das Parfum“ hielt sich 15 Wochen lang auf Platz 1 der „Spiegel“-Bestsellerliste und war ununterbrochen 449 Wochen lang auf der „Buchreport“-Bestsellerliste. Weltweit wurden über 15 Millionen Exemplare verkauft, davon allein 4 Millionen in deutscher Sprache. Der fesselnde Roman wurde in 45 Sprachen übersetzt, es existiert sogar eine Ausgabe in lateinischer Sprache. Seit 1994 bringt Diogenes „Das Parfum“ auch als Taschenbuch in der detebe-Reihe heraus. „Das Parfum“ ist seit Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ der erfolgreichste in deutscher Sprache verfasste Roman.

Im Jahr 2001 erwarb der Münchner Produzent Bernd Eichinger die Filmrechte.

Wir schreiben das Jahr 1760. In der südfranzösischen Stadt Grasse warten Tausende auf die Hinrichtung des Parfumeur-Gesellen Jean-Baptiste Grenouille (BEN WHISHAW).

22 Jahre vorher bringt ihn seine Mutter (BIRGIT MINICHMAYR) auf dem Pariser Fischmarkt zur Welt und versucht das unerwünschte Kind zwischen den Abfällen zu verstecken. Sie wird von der Polizei festgenommen und wegen versuchten Kindsmordes gehängt.

Seine ersten Lebensjahre verbringt Grenouille in dem Waisenhaus von Madame Gaillard (SIAN THOMAS). Die anderen Kinder fürchten sich vor ihm, weil er ihnen nicht geheuer ist. Er kann kaum sprechen, aber sein Geruchssinn ist extrem ausgeprägt.

Madame Gaillard verkauft den dreizehnjährigen Grenouille an die Gerberei von Grimal (SAM DOUGLAS). Die Arbeit an den mit stinkenden Chloriden gefüllten Färberbecken ist lebensgefährlich. Der Junge steht aber die höllischen Arbeitsbedingungen durch und wächst zu einem jungen Mann heran. Bei seinem ersten Besuch in Paris verliebt er sich in den Duft des schönen Mirabellen-Mädchens (KAROLINE HERFURTH). Da er sich nicht artikulieren kann und weil Passanten ihn stören, hält er ihr den Mund zu und erstickt sie ungewollt. Das anfängliche Glücksgefühl, ihren Duft zu riechen, weicht so der bitteren Erkenntnis, dass er diesen Duft nicht festzuhalten vermag. Bei dem Parfumeur Baldini (DUSTIN HOFFMAN) lernt Grenouille, wie man den Duft von Blumen konserviert. Als ihm offenbart wird, dass der Duft eines Lebewesens nicht zu einer Essenz destilliert werden kann, stirbt Grenouille fast vor Kummer. Baldini verrät ihm, dass man in der Stadt Grasse neue Methoden anwendet.

Grenouille begibt sich sofort auf den Weg nach Grasse. In einer Höhle des Zentralmassivs entdeckt er, dass er selbst nach nichts riecht, so als existiere er nicht. Dieses Erlebnis erschüttert ihn zutiefst, und er beschließt, für sich selbst einen Duft zu erschaffen, der unwiderstehlich ist.

Auf dem Weg nach Grasse begegnet er der schönen Kaufmannstochter Laura (RACHEL HURD-WOOD). Ihr Duft erinnert ihn an das Mirabellen-Mädchen, nur noch schöner, noch reiner. Bei Madame Arnulfi (CORINNA HARFOUCH) lernt Grenouille die Kunst der Enfleurage.

In den nächsten Wochen kommt es zu weiteren Morden an Mädchen von ausgesuchter Schönheit, welche die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen. Der Kaufmann Richis (ALAN RICKMAN) ist der Einzige, der ahnt, dass es sich um einen neuen Typus Verbrecher, einen Sammler von Schönheiten, handelt. Als die beiden hübschen Zwillingstöchter seines Freundes Tallien (GUILLERMO AYESA) ermordet und kahlrasiert aufgefunden werden, bekommt Richis große Angst um seine Tochter Laura.

Zwölf Mädchenleichen sind inzwischen gefunden worden, deren Duft Grenouille konserviert und in zwölf Flakons gesammelt hat. Nur ein Duft fehlt ihm noch, um sein Parfum zu vollenden. Bald darauf wird ein vermeintlicher Mörder gefasst. Doch Richis befürchtet, dass es sich um den Falschen handelt. Er verlässt mit Laura heimlich die Stadt. Aber Grenouille folgt Lauras Duft bis ans Mittelmeer. Als Richis am nächsten Morgen die Leiche seiner Tochter findet, bricht er verzweifelt zusammen. Grenouille wird von Soldaten gefasst und nach Grasse überführt. In der Folterkammer soll er sein Motiv gestehen, schweigt aber beharrlich. Tausende bevölkern am Tag der Hinrichtung den Marktplatz von Grasse, aber es gelingt Grenouille heimlich, sich einige Tropfen seines Parfums auf sein Handgelenk zu träufeln. Der Wind trägt den Duft über die Köpfe der Schaulustigen hinweg und lässt alle, die seiner Hinrichtung beiwohnen wollten, in einer riesigen orgiastischen Umarmung verschmelzen. Auch Richis fällt ihm schluchzend um den Hals. Grenouille, der noch nie in seinem Leben Liebe erfahren hat, bricht ohnmächtig zusammen. Schließlich kehrt er an seinen Geburtsort nach Paris zurück, den Flakon immer bei sich tragend, als habe er mit dem Rest des Parfums noch etwas vor ...

GENESE

Nachdem Produzent Bernd Eichinger 1985 den Kultroman von Patrick Süskind kurz nach Erscheinen gelesen hatte, wollte der an außergewöhnlichen Sujets erprobte Filmemacher „sofort“ die Rechte erwerben. „Ich dachte, weil wir befreundet sind, geht das besonders leicht“, erinnert sich Eichinger. Seit 1986, also ein Jahr nach Erscheinen des rasch zum Kultkrimi avancierten Romans, der mittlerweile in 45 Weltsprachen übersetzt wurde und nach Erich Maria Remarques Weltkriegs-Drama „Im Westen nichts Neues“ (1928/29) als erfolgreichster deutschsprachiger Roman gilt, gab es regelmäßige Anfragen aus Eichingers Büro, allerdings auch von Seiten prominenter Kollegen. „Damals, Mitte der 80er Jahre, wollte Süskind die Rechte überhaupt nicht verkaufen“, erinnert sich Bernd Eichinger heute. „Bei dieser Haltung blieb er ziemlich lange.“ „Ich glaube, Süskind konnte sich einfach nicht vorstellen, wer diesen komplexen Stoff wirklich umsetzen könnte“, fügt Regisseur Tom Tykwer hinzu.

Aber gerade im schnelllebigen Filmbusiness macht sich Ausdauer bezahlt, und als Eichinger im Jahr 2000 nochmals anfragte, gab Süskind nach, und Eichinger bekam endlich die Rechte und damit die Möglichkeit, „Das Parfum“ auf die Leinwand zu bringen. „Als mir bewusst wurde, dass er jetzt nicht mehr bei einem ‘No-no’, sondern bei einem ‘Maybe’ steht, fragte ich ein letztes Mal beim Verlag an. In diesem Zusammenhang erklärte man mir, dass Patrick Süskind bei einem potenziellen Filmprojekt definitiv nicht involviert sein wolle. Ähnlich war es schon bei DER NAME DER ROSE gewesen, als Eco ebenfalls nichts mit dem Filmprojekt zu tun haben wollte. Kurz und gut: Letztlich konnten wir uns einig werden, und die Rechte lagen bei mir.“

Danach kam Tom Tykwer ins Spiel, für Eichinger der ideale Regisseur für dieses Opus Magnum, eine der teuersten Filmproduktionen aus deutschen Landen. „Tom und mir war von Anfang an klar, dass wir einen modernen Film machen wollten. Tom ist ein extrem innovativer Regisseur, der auch vor Experimenten nicht zurückschreckt, dabei aber auf eine klassische Filmsprache aufbaut. Und letztlich sieht der Film unter seiner Regie jetzt genauso aus, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe.“

Gefördert wurde der Film u.a. vom FilmFernsehFonds Bayern, dem Bayerischen Bankenfonds, der Filmförderungsanstalt, der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen und Eurimages. „Der Film ist eine europäische Co-Produktion gemäß der European Convention mit den Spaniern, den Franzosen, einem privaten Co-Finanzierungsbeitrag plus Co-Produktionsbeitrag eines Medienfonds. Deutscher allerdings kann unser Film indes nicht sein: der Autor ist Deutscher, der Regisseur ist Deutscher und der Produzent ist Deutscher. Lediglich die Besetzung ist international angelegt“, fasst Eichinger zusammen.

Die Finanzierung übernahmen neben Constantin Film, mit der Eichinger als ehemaliger Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender eng verbunden ist, die Schweizer FC-Basel-Mäzenin Gigi Oeri, die hier erstmalig in ein Filmprojekt investierte, sowie der in München beheimatete VIP Medienfonds. „Ich hatte bereits gehört, dass Gigi Oeri interessiert sei, gerne auch einmal in einen Film zu investieren – speziell in diesen Film. Durch Gigi Oeris Beitrag waren wir nicht mehr auf amerikanisches Geld angewiesen und konnten einen soliden Verleih-Deal mit Dreamworks abschließen, der uns ein gutes Standing bescherte. So konnten wir ohne US-Einflüsse unseren Film produzieren“, erklärt Produzent Eichinger.

Zunächst stand die gemeinsame Erstellung einer Drehbuchfassung an, die Bernd Eichinger zusammen mit Andrew Birkin und Tom Tykwer realisierte. Mit Birkin hatte Eichinger bereits bei seinen international erfolgreichen Kinofilmen DER NAME DER ROSE, SALZ AUF UNSERER HAUT und DER ZEMENTGARTEN zusammengearbeitet. „Das Problem ist natürlich auch, dass die Hauptfigur autistische Züge trägt und sich nicht äußert. Ein Romanautor kann dieses Manko mit Sprache ausfüllen, was im Film so nicht möglich ist. In der Regel kommt ein Zuschauer nur in eine Person hinein, wenn diese sich auch äußert. Unser größtes Problem war also ein narratives Problem“, erläutert Eichinger die Schwierigkeiten bei der Scripterstellung. „Ich habe mich mit vielen internationalen Regisseuren und Autoren getroffen, ein Deutscher kam mir erst einmal nicht in den Sinn. Allerdings kam ich mit den Interessenten auf keinen gemeinsamen Nenner bei der Frage, was für ein Film letztlich herauskommen sollte. Bei meinen früheren Projekten war das sehr viel einfacher, hier kam man schnell zu einer Einigung, wie z.B. mit Jean-Jacques Annaud bei DER NAME DER ROSE oder auch mit Bille August beim GEISTERHAUS. Beim PARFUM ist dies ungemein schwieriger gewesen, da man hier an die Basics des Erzählens gehen musste. Viele Regisseure zeigten zwar ein großes Interesse, aber keiner konnte mir sagen, wie ein potenzieller Film eigentlich auszusehen hat. Alles blieb sehr vage.“

„Dann habe ich im Jahr 2001 zunächst zwei 70-seitige Treatments selbst geschrieben, um festzulegen, wie ich mir die ganze Sache vorstelle“, so Eichinger weiter. „Später kam Andrew Birkin hinzu. Wir haben dann beide angefangen, das Drehbuch zu verfassen. Dabei kam erneut die große Frage auf, wer die Regie übernehmen könnte. Und gerade bei einer solchen Materie muss ein geeigneter Regisseur sich auch beim Drehbuch miteinbringen, da dieser Stoff eigentlich dem entgegensteht, was normalerweise im Kino gezeigt wird. Üblicherweise wird dort eine Story aufgebaut, in der ein Held durch eine Katharsis geht und aus dieser in der Regel verändert heraustritt. Wenn man zum Vergleich DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER heranzieht, wo Clarice Starling und Hannibal Lecter die Antipoden sind, dann haben wir es im PARFUM eigentlich nur mit Lecter zu tun. Allerdings tötet ein Hannibal Lecter aus sexueller Lust, während Grenouille seine Morde aus einer nüchternen Notwendigkeit ausführt, um sein ‘Gesamtkunstwerk’ zu vollenden.“

Eichinger erinnert sich, dass nach vielen Vorgesprächen auf der Suche nach dem passenden Regisseur die Entscheidung für Regisseur Tykwer, der mit seinem frechen Episodenfilm LOLA RENNT und dem hintergründigen Melodram HEAVEN auch international Furore gemacht hat, „ganz leicht“ gefallen war. Und das hatte vor allem zwei Gründe: „Tom ist einerseits als Künstler ungemein innovativ, besitzt aber auch einen stark populären Ansatz als Filmemacher. Schon bei unseren ersten Gesprächen hat Tom die richtigen Antworten gegeben. Daher haben wir uns entschieden, am Drehbuch zusammenzuarbeiten, um uns besser kennen zu lernen. Irgendwann war uns aber klar, dass er auch die Regie übernehmen soll.“

Der Prozess des Schreibens zog sich über zwei Jahre hin. Für Eichingers Co-Drehbuchautor Tykwer bedeutete diese Arbeit „eine große Herausforderung, da der Roman komplexer ist, als man denkt. Beim Roman war für mich überraschend, dass der Stoff in bestimmten Strukturen den Geschichten in meinen bisherigen Filmen ähnelt. Auch hier steht ein Mensch im Vordergrund, der nach Anerkennung und Liebe ringt, der versucht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, weil er eine Sehnsucht nach Nähe hat. Die Sehnsucht ist Thema in all meinen Filmen.“ Gereizt hat Tykwer die erzählerische Herausforderung, „dieses seltsam intime Epos“ in einen populären Film zu übersetzen. Zudem hatte sich Tykwer genrespezifisch ein weiteres Ziel gesetzt: „Da ich fast alle historischen Filme langweilig finde, wollte ich von Anfang an einen Film drehen, der von der Filmsprache her wirklich modern ist, aber seiner historischen Verpflichtung treu bleibt. So wie auch der Roman gleichzeitig modern erzählt und historisch sehr gründlich recherchiert ist.“

Eichinger schätzt an Tykwer, dass dieser ein „konservativer Filmemacher ist, der dennoch experimentell zu Werke geht und große visionäre Power entwickeln kann. Gerade das braucht man für ein solches Projekt, bei dem man mit den üblichen dramaturgischen Tricks nicht weiterkommt. Beim PARFUM gilt eben nicht nur ein narratives, sondern vor allem auch ein assoziatives Vorgehen. Und diese Vorgehensweise verfolge ich ganz selten in meinen Filmen. In der Regel hatte ich diese narrativ angelegt und der Assoziation nur wenig Raum gelassen. In unserem Fall aber musste man assoziativ vorgehen, um narrative Lücken aufzufüllen. Dramaturgisch gesehen, verstößt dieser Film gegen jede Regel im Lehrbuch.“

Laut Eichinger, der spätestens seit seiner preisgekrönten Leinwand-Adaption des für unverfilmbar gehaltenen „Professorenromans“ DER NAME DER ROSE als Experte für die Verfilmung schwieriger Stoffe gilt, „reflektiert“ das Script das Originalbuch, „aber mit weniger Zynismus als in der Vorlage; dafür ist die Psychologie der Charaktere stärker in den Vordergrund gestellt“. Am meisten beeindruckte Eichinger bei der Romanvorlage die im wahrsten Sinne amoralische Hauptfigur Grenouille, die „ohne jegliche Vorstellung von Ethik, aber auch ohne Liebe, Verantwortungsgefühl oder menschliche Größe“ auskommt. „Solch einen Charakter wird man in 99,9 Prozent aller herkömmlichen Kinofilme nicht zu sehen bekommen“, folgert Eichinger. Der Roman wirke seinerseits, indem er einen Anti-Helden wie Grenouille derart herausstelle, dass sich der Leser letztlich doch irgendwie mit diesem identifizieren könne. „Die große Herausforderung war, dieses Phänomen auch ins Drehbuch zu übertragen. Für mich war das viel wichtiger, als wenn mich die Leute fragen, wie schwierig es denn gewesen sei, einen Duft filmisch umzusetzen.“

Um das Projekt konkret in Angriff zu nehmen, verpflichtete Tykwer mit dem Production Designer Uli Hanisch und dem mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichneten Kameramann Frank Griebe zwei erfahrene Profis, mit denen er bereits bei mehreren Projekten zusammengearbeitet hatte. Griebe fotografierte alle bisherigen Tykwer-Filme, und Hanisch überwachte bei vielen seiner Projekte das Design. Das Basisteam ergänzte der französische Kostümdesigner Pierre-Yves Gayraud, den der Regisseur über seine LOLA-Darstellerin Franka Potente kennen lernte, da Gayraud bei dem mit ihr besetzten Action-Film THE BOURNE IDENTITY für die Kostüme zuständig gewesen war. Später arbeitete Gayraud an Tykwers in Paris gedrehtem Kurzfilm TRUE (2002) mit, und als sich Gayraud als Spezialist der Louis-Quinze-Periode (1710–1774) herausstellte, stand der erneuten Zusammenarbeit bei diesem Großprojekt nichts mehr im Wege.

Die Auswahl des Cast stellte die Filmemacher ebenfalls vor eine große Herausforderung. „Beim Kinofilm kommt es ja anders als beim Theater viel stärker darauf an, dass ein Schauspieler einen bestimmten Typus verkörpern kann. Ob er ein guter Akteur ist oder nicht, ist dabei zweitrangig. Vielmehr muss diese Person ja einen ganzen Film tragen“, erläutert Produzent Eichinger die Auswahlkriterien. Während die Entscheidung für Alan Rickman als Kaufmann Richis und Dustin Hoffman als Grenouilles Lehrmeister Baldini fast wie von selbst erfolgte, gestaltete sich die Suche nach einem passenden Grenouille-Darsteller zunächst als schwierig. „So viele Menschen haben dieses Buch gelesen, daher mussten wir einen Darsteller finden, der nicht nur für uns stimmig war, sondern auch das Bedürfnis, das alle ehemaligen Leser und künftigen Kinogänger nach dieser Figur haben, abdeckt“, erklärt Tykwer. „Es gab zwar alle möglichen Interessenten, aber gerade für diese Rolle schien es nur plausibel zu sein, einen Schauspieler zu wählen, den man noch nie gesehen hat. Man kann auch sagen: Ein Niemand, der zu einem Jemand wird – denn darum geht es in dieser Geschichte. Auf Empfehlung hatte ich mir schließlich Ben Whishaw als ‘Hamlet’ im Londoner Old Vic Theatre angesehen und gleich gefühlt: ‘Ich hab ihn!’ Es folgte eine Probeaufnahme, die auch Bernd Eichinger sofort von Bens Potenzial überzeugt hat.“

Dass der mehrfache Oscar®-Preisträger Dustin Hoffman die Rolle des Baldini übernahm, war demgegenüber ein leichtes Unterfangen. „Ich wollte ihn immer für eine Rolle. Zudem sind wir gut befreundet und Dustin wollte seinerseits ebenfalls mit mir arbeiten, seit er LOLA RENNT gesehen hatte. Ich hatte zunächst keine Rolle für ihn, aber als ich dieses Projekt übernahm, wusste ich gleich, dass es keinen gibt, der besser in die Rolle des Baldini passen würde. Das musste einfach klappen, denn ich hätte mich nie an einen anderen gewöhnen können“, sagt Tykwer lachend. Zudem konnte man mit den Antagonisten Hoffman/Baldini und Whishaw/Grenouille auch die Dramaturgie in den Griff bekommen. Tykwer: „Wir hatten mit beiden die perfekte Konstellation gefunden: einerseits die für mich derzeit größte Ikone des modernen Hollywood-Kinos, und andererseits das große unbekannte Talent. Was auch der Konstellation der filmischen Geschichte entspricht: der alternde Genius und ihm gegenüber sein immer genialer werdender junger Adlatus, der sich zum Konkurrenten entwickelt.“

Als dritter Gegenspieler im Bunde konnte der versierte britische Bühnen- und Filmdarsteller Alan Rickman verpflichtet werden. Auch hier war die Entscheidung kein großer Akt: „Alan in der Rolle des Richis war ebenfalls der erste Gedanke, wir haben keinen anderen gefragt. Ich wollte Richis einen doppelten Boden geben, denn er ist im Film wie auch im Roman einer, der sich abgrenzt von seinen Mitbürgern, der zudem einen messerscharfen Verstand und eine starke Intuition besitzt und eine geradezu abgöttische Liebe zu seiner Tochter pflegt“, rekapituliert Tykwer das Casting, das in den Hauptrollen ergänzt wird durch die 1990 geborene Londonerin Rachel Hurd-Wood als die von Richis und Grenouille gleichermaßen obsessiv verehrte Laura.

Aber auch einige deutsche Darsteller sind in wichtigen Nebenrollen untergebracht. Eichinger sagt dazu: „Wir haben in den USA, in England und in Deutschland ein aufwändiges Casting betrieben. Und gerade bei den kleineren Rollen ist es ja so, dass ein auch nur vierminütiger misslungener Auftritt einen ganzen Film kaputtmachen kann. Wenn man also jemanden nicht genau kennt, dann kann das schnell katastrophal enden. Nebenrollen sind ungemein wichtig. Daher versuchte ich, gerade auch bei den Zwei- oder Drei-Tages-Rollen Darsteller zu finden, auf die man sich verlassen kann. Das galt für Birgit Minichmayr als Grenouilles Mutter, die ich vom UNTERGANG her kannte, sowie für Jessica Schwarz als Natalie oder Corinna Harfouch als Madame Arnulfi.“ Bei Karoline Herfurth als „Das Mirabellen-Mädchen“ indes handelte es sich laut Eichinger um eine „Last-Minute-Entscheidung“, da man die passende rothaarige Darstellerin nicht finden konnte. „Selbst in England und in den USA nicht. Dann schoss es mir durch den Kopf: ‘Moment mal, langsam, schauen wir doch, wen wir in Deutschland haben.’ Und mit Karoline hatte ich ja bereits zwei Filme gemacht. Also haben wir eine Probeaufnahme gemacht, konnten uns aber auch dann noch nicht entscheiden. Den Ausschlag gab schließlich eine weitere Probeaufnahme im Kostüm und mit der richtigen Haarfarbe zusammen mit Ben Whishaw, bei der sich Karoline sehr bewährt hat. Wir haben daraufhin sogar ihre Rolle noch erweitert.“

Die größte Herausforderung für Regisseur Tom Tykwer, der zusammen mit seinen Bandkollegen Johnny Klimek und Reinhold Heil auch die Filmmusik verantwortete, stellten jedoch die spektakulären Dreharbeiten dar, die vom 12. Juli bis 16. Oktober 2005 stattfanden. Die ersten 15 Drehtage wurden komplett als Innendreh in der größten Halle der Münchner Bavaria-Studios absolviert, um das Aufeinandertreffen von Grenouille und Baldini in dessen Pariser Parfumerie zu inszenieren. Alle weiteren Szenen der Geschichte, u.a. der Pariser Fischmarkt oder die Ereignisse in der Duftstadt Grasse, wurden in Spanien, vor allem in Barcelona, Girona und Figueras realisiert. Tykwer „befehligte“ in dieser Zeit bis zu 350 Crewmitglieder und insgesamt 5200 Statisten, davon allein 750 Personen bei der orgiastischen Hinrichtungsszene in Grasse, die in einem Museumsdorf gedreht wurde, was eine gewaltige logistische Anstrengung bedeutete. Die Postproduktion fand in München statt und wurde im Sommer 2006 abgeschlossen.

 
     
 
 
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