Filminfo: Schmetterling und Taucherglocke
 
 

Kinostart: 27. März 2008

Jean-Dominique Bauby war französischer Journalist, Autor und Chefredakteur des Magazins Elle und Vater von zwei Kindern. Ein Dandy, der gutes Essen, Theater, Reisen und schöne Frauen liebte.

Dann, am 8. Dezember 1995, im Alter von 43 Jahren, erlitt Bauby einen massiven Schlaganfall, durch den sein Hirnstamm geschädigt wurde. Als er zwei Wochen danach im Krankenhaus von Berck-sur-Mer aus dem Koma erwachte, war er nicht nur stumm, sondern auch ganzheitlich gelähmt. Er konnte bloß seinen Kopf ein wenig bewegen und mit seinem linken Augenlid blinzeln. Dieses seltene Phänomen wird als Locked-in-Syndrom (L.I.S.) bezeichnet.

Bauby schrieb über seine Erfahrungen, aber vor allem über seine Fantasien, Wünsche und Träume. Er diktierte 28 Kapitel, Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, über mehrere Monate hinweg, allein durch das Blinzeln seines linken Augenlids. Dafür wurde ein spezielles Alphabet erstellt, das die Buchstaben nach ihrer Häufigkeit in der französischen Sprache ordnete. Bauby beschrieb nicht nur seine eigenen Reaktionen, sondern die Welt und die Menschen seiner Umgebung und stellte sich vor, er sei ein Weltraumreisender. In einem Interview mit der französischen Elle berichtete er, dass er morgens um 4 Uhr aufwachte, um sich jeden Absatz des Buches zu überlegen und auswendig zu lernen, den er dann jeweils Buchstabe für Buchstabe drei Stunden lang diktierte.

 

In seinem Krankenhausbett im nordfranzösischen Berck-sur-Mer erzählte er, dass es überwältigende Momente des Triumphs für ihn waren, wenn er seine Gedanken für das nächste Diktat erfolgreich gesammelt hatte, und dass er zu seinem größten Bedauern nun nie mehr Fußballtorwart werden könne – eine Leidenschaft, die das stundenlange Ansehen von Fußballübertragungen im Fernsehen geweckt hatte. Sein Rezept zur Bewältigung von Augenblicken der Verzweiflung bestand im „Hinausschauen auf das Meer, einer Stunde Lesen, dem Anschauen einer Kinderzeichnung meiner Tochter und darin, mich selbst nicht als Held zu betrachten“.

SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE („Le Scaphandre et le Papillon“) erschien in Frankreich am 6. März 1997 bei Les Éditions Robert Laffont; Bauby starb nur drei Tage später an Herzversagen.

Ein Teil der Einnahmen des Buches geht seiner Verfügung gemäß an eine Stiftung für L.I.S.-Patienten. Jean-Dominique Baubys beeindruckende Memoiren wurden in 30 Sprachen übersetzt und erreichten nicht nur in Frankreich, sondern auch in Großbritannien und den USA Bestsellerauflagen. In Deutschland wurde das Buch 1998 publiziert und ist mittlerweile in der neunten Auflage erhältlich.

SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE basiert auf den Bestseller-Memoiren des am Locked-in-Syndrom erkrankten, ehemaligen französischen Elle- Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby (allein in Deutschland bislang über 350.000 verkaufte Exemplare). In 14-monatiger Arbeit diktierte Bauby seine 1997 erschienene gleichnamige Autobiografie nur mithilfe eines Alphabets, das ihm vorgelesen wurde und auf das er mit dem Blinzeln seines funktionierenden Auges reagierte. „E-S-A-RN- T-U-L...“, so beginnt die Buchstabenfolge, die Bauby wie ein Rettungsanker mit der Außenwelt verbindet und sich nach und nach als Mantra für neu erwachten Lebensmut erweist.

Der renommierte New Yorker Künstler JULIAN SCHNABEL hat nach „Basquiat“ (1996) und „Bevor es Nacht wird“ (Before Night Falls, 2000) mit seinem dritten Film SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE ein kleines Meisterwerk mit nachhaltiger Wirkung geschaffen, ein regelrecht poetisches Drama über die Selbstfindung eines Mannes mit in dieser Form noch nie gesehenen Bildern. Der Film erzählt von den Höhen und Tiefen in Baubys Leben, von seinen Erfolgen wie Misserfolgen, der Liebe zu seinem Vater und zu seinen Kindern, von den Gefühlen zu den hinreißend schönen Frauen, die ihn umgeben. Aber vor allem zeigt SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE auf eine einzigartige Weise den Triumph der Seele im Angesicht einer körperlichen Niederlage. Die heilende Kraft der Fantasie und den Sieg des Geistes gegen die physische Vergänglichkeit.

Das Drehbuch stammt aus der Feder von Oscarpreisträger RONALD HARWOOD („Der Pianist“ (2002); „Oliver Twist“ (2005)). MATHIEU AMALRIC („München“ (Munich, 2005), „Marie Antoinette“ (2006), „Chanson d´Amour“ (Quand j’étais chanteur, 2006)) begeistert in der Rolle des Bauby mit einer darstellerischen Tour de Force und wird dabei unterstützt von EMMANUELLE SEIGNER, MARIE JOSÉE CROZE und ANNE COSIGNY – außerdem von der sensationellen Kameraarbeit von Steven Spielbergs Hauskameramann, dem zweifachen Oscarpreisträger JANUSZ KAMINSKI, der uns direkt in die Seele Baubys blicken lässt.

SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE ist das Projekt von zwei der renommiertesten und bedeutendsten Produzenten der Filmindustrie: Kathleen Kennedy und Jon Kilik. Kennedy produzierte drei der erfolgreichsten Kinofilme der Filmgeschichte: „E.T.“ (1982), „Jurassic Park“ (1993) und „Schindlers Liste“ (Schindler’s List, 1993). Kennedy arbeitet seit den 1970er Jahren mit Steven Spielberg zusammen. Gemeinsam realisierten sie die Triologien „Indiana Jones“ (1981–2008) und „Zurück in die Zukunft“ (Back to the Future, 1985–1990), „Krieg der Welten“ (War of the Worlds, 2005) und „München“, um nur einige ihrer gemeinsamen international erfolgreichen Projekte zu nennen. „Das Bourne Ultimatum“ (The Bourne Ultimatum, 2007) und „Persepolis“ (2007) zählen zu Kennedys jüngsten Produktionen. Jon Kilik zeichnete bereits für die Produktion von Schnabels ersten beiden Filme „Basquiat“ (Basquiat, 1996) und „Bevor es Nacht wird“ (Before Night Falls, 2000) verantwortlich. Zu seinen jüngeren Produktionen zählen Jim Jarmuschs „Broken Flowers“ (2005) und Alejandro González Iñárritus „Babel“ (2006).

SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE war der Publikums- und Kritikerliebling und die Sensation beim Festival von Cannes, wurde dort hochverdient mit dem Regiepreis ausgezeichnet, gewann anschließend zahlreiche Kritikerpreise, unter anderem den britischen BAFTA für das Beste adaptierte Drehbuch, zwei Césars für den Besten Hauptdarsteller (Mathieu Amalric) und den Besten Schnitt, sowie den Independent Spirit Award in den Kategorien Beste Regie und Beste Kamera. Darüber hinaus wurde SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE als Bester fremdsprachiger Film und für die Beste Regie mit dem Golden Globe ausgezeichnet und war als nicht- englischsprachiger Film gleich viermal für den Oscar nominiert (Beste Regie, Beste Kamera, Bestes adaptiertes Drehbuch und Bester Schnitt).

 
     
 
 
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