Die Studentinnen Otilia und Gabita teilen ein Zimmer im Wohnheim einer kleinen Stadt in Rumänien. Das kommunistische Regime unter Ceausescu liegt in den letzten Zügen. Der Alltag ist für die Menschen täglich eine neue Herausforderung, schon das Anmieten eines Zimmers in einem Hotel ein schwieriges Unterfangen. In einem Hotelzimmer erwarten die beiden Freundinnen einen gewissen Mr. Bebe. Gabita ist schwanger, Abtreibung in Rumänien illegal – und die jungen Frauen, die keine Ahnung haben, was in einer solchen Situation zu tun ist, schlittern in ein Fiasko.
4 MONATE, 3 WOCHEN UND ZWEI TAGE ist Teil eines größeren Projekts mit dem Titel „Tales from the Golden Age“ – eine subjektive Bestandsaufnahme des Kommunismus in Rumänien, dargestellt anhand von Alltags-Geschichten aus dem städtischen Umfeld. Ziel des Projekts ist eine Reflexion über die Zeit der Diktatur, ohne direkte Referenz zum Kommunismus. Regisseur Christian Mungiu geht es vielmehr darum, von menschlichen Optionen in einer Zeit des Unglücks zu erzählen, die für die Bevölkerung zwangsweise „normal“ war. 4 MONATE, 3 WOCHEN UND ZWEI TAGE ist der erste Film der Serie.
Der erschütternde Film war 2007 nicht nur in Cannes, beim wichtigsten Filmfestival der Welt, DER Überraschungserfolg. Weltweit wurde er auf verschiedenen Festivals ausgezeichnet und nicht nur von der Kritik, sondern auch vom Publikum gefeiert. Dem grandiosen Spiel der jungen Darstellerinnen, denen die Kamera stets nah ist, ohne ihnen zu nahe zu treten, kann sich der Zuschauer nicht entziehen. Ein Film voll schmerzhafter Intensität, der sich ins Gedächtnis brennt - zu Recht der Gewinner der Goldenen Palme 2007. Zum ersten Mal in der 60-jährigen Geschichte des Festivals ging die Auszeichnung an einen rumänischen Regisseur.
4 MONATE, 3 WOCHEN UND ZWEI TAGE ist nicht nur für den Europäischen Filmpreis nominiert – wo auch immer der kompromisslose Film bisher startete, sorgte er auch für angeregte Diskussionen. In Frankreich und Italien gelang ihm der Einstieg in die Top 10, in Frankreich gelingt ihm bald auch der Einzug ins Klassenzimmer: Als ein Thema, das besonders für junge Leute brennend aktuell ist, soll er dort im Unterricht eingesetzt werden.
„Ein radikaler und elementarer Film über Vertrauen und Freundschaft, Verantwortung und Vergeblichkeit von Liebe.“ (Blickpunkt: Film)
Rumänien 1987. Otilia (ANAMARIA MARINCA) und Gabita (LAURA VASILIU) teilen sich ein bescheidenes Zimmer im Studentenwohnheim einer tristen, grauen Stadt. Zigaretten, Seife, Kosmetik, überhaupt alle schönen Dinge des Lebens sind Mangelware, der Schwarzmarkt blüht. Die beiden Freundinnen haben einen schweren Tag vor sich. Gabita ist schwanger, hat den längst fälligen Abbruch viel zu lange hinausgezögert. Verunsichert und verängstigt verlässt sie sich ganz auf die Hilfe ihrer pragmatischen, zupackenden Freundin Otilia.
Da Abtreibung im kommunistischen Rumänien unter strenger Strafe steht, muss der Vorgang wie eine Geheimoperation geplant werden. Mit dem Geld, das sie sich zusammengeliehen haben, bricht Otilia auf, um alles vorzubereiten. Doch schon der Anfang steht unter keinem guten Stern: Gabita hat telefonisch ein Zimmer reserviert, aber an der Rezeption wird Otilia abgewiesen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sie in einem teureren Hotel einzumieten – dabei geht mehr als geplant von dem für den Engelmacher zurückgelegten Geld drauf.
Auf der Straße trifft Otilia Mr. Bebe (VLAD IVANOV), den Mann, der die Abtreibung durchführen soll. Er ist sauer – Gabita hatte sich mit ihm verabredet, jetzt kommt eine andere, und in dem fremden Hotel muss er seinen Ausweis an der Rezeption hinterlegen. Er ist unverschämt und demütigt die jungen Frauen – aber die sind auf seine Hilfe angewiesen. Als er feststellt, dass Gabita bereits im vierten Monat ist, diktiert er ihnen eiskalt seine Bedingungen: er will Sex mit beiden, sonst lässt er sich nicht auf den Deal ein. Gabita und Otilia sehen keinen Ausweg – und akzeptieren widerwillig.
Anschließend begibt sich der schmierige Familienvater an sein lukratives Geschäft. Der Eingriff wird ohne Narkose mit äußerst primitiven Mitteln durchgeführt – ein risikoreiches Unterfangen. Während Gabita still liegen muss und auf das Einsetzen einer Blutung wartet, macht sich Otilia auf zur Geburtstagsfeier bei den Eltern ihres Freundes Adi (ALEX POTOCEAN). Sie kommt zu spät, die Stimmung zwischen ihr und Adi ist angespannt, sie ist nicht in Feierlaune und fühlt sich in der bourgeoisen Atmosphäre des Akademikerhaushalts unwohl.
Vergeblich versucht Otilia, ihre Freundin im Hotel anzurufen. Nach einem Streit mit Adi bricht sie überstürzt auf.
Gabita hat inzwischen eine Fehlgeburt erlitten. Die entsetzte Otilia muss versuchen, den Fötus loszuwerden, und Gabita verlangt, dass sie ihn beerdigt. Die junge Frau irrt durch die Nacht, einsam und verzweifelt. Sie wird das Problem auf ihre Art lösen, pragmatisch. Im Hotel wartet die erschöpfte Gabita im Restaurant, bringt aber keinen Bissen herunter. Der Schock sitzt den beiden Frauen tief in den Gliedern - mit dieser Entwicklung der Ereignisse hatten sie nicht gerechnet. „Lass uns nie mehr darüber reden“, bittet Otilia ihre Freundin.