Feurige Araberpferde, die unendlichen Weiten des marokkanischen Atlas-Gebirges, stolze Reiter und ein mutiges Mädchen: Die berührende Geschichte der zwölfjährigen Zaïna und ihres Pferdes Zingal entführt in eine fremde Welt. Zaïna muss nach dem Tod ihrer Mutter lernen, den Nomaden Mustapha als ihren Vater zu akzeptieren. Vor dem Hintergrund des berühmtesten Pferderennens von Marokko behauptet sich das Mädchen in einer Männergesellschaft und gegen eine wilde, oft unbarmherzige Natur.
Der französische Regisseur Bourlem Guerdjou („Vivre au paradis“, Goldener Löwe für das Beste Erstlingswerk, Venedig 1999) vereint grandiose Bergaufnahmen in Cinemascope mit einer zeitlosen, universelle Geschichte über die Liebe zwischen Vater und Tochter.
Zaina, die Königin der Pferde startet am 19. Oktober 2005
Gedreht wurde im marokkanischen Atlasgebirge, in Fes und Meknès, im berühmten Zedernwald von Ifrane (mittlerer Atlas), in Quarzazate (Hoher Atlas) sowie dem größten Skigebiet Nordafrikas, in der Gegend um Oukaimeden (Hoher Atlas).
Beim Internationalen Filmfestival Locarno 2005 gewann ZAÏNA den Publikumspreis.
Vor langer, langer Zeit, in den Bergen des Atlas … Die besten Reiter der Wüstenstämme treten mit ihren edlen Vollblütern beim ruhmreichsten aller Pferderennen gegeneinander an: dem Agdal. Selma hat sich als Mann verkleidet und gewonnen. Eine Entehrung der Stammestradition, findet ihr Mann Mustapha und verstößt sie. Doch er weiß nicht, dass Selma bereits mit Zaïna schwanger ist.
Über zwölf Jahre später kniet die verwilderte Zaïna (Aziza Nadir) am Grab ihrer Mutter in der Wüste. Der einflussreiche Omar (Simon Abkarian) bedrängt sie, bei ihm zu wohnen. Doch wie kann sie bei dem Mann bleiben, den schon ihre Mutter Selma nicht liebte und der vielleicht an ihrem tödlichen Unfall mit Schuld hat? Sie ist allein. Das Pflanzen-Heilbuch ihrer Mutter ist der einzige Schatz, den sie besitzt.
Da taucht ihr Vater, der Nomade Mustapha (Sami Bouajila) auf. Er soll die besten arabischen Vollblüter und Reiter seines Stammes nach Marrakesch führen, um am Agdal teilzunehmen. Zaïna geht nur widerstrebend mit ihm. Mustapha ist ihr fremd.
Die Nomaden und das Kind brechen in die unendlichen Weiten des Atlas auf. Omar heftet sich mit seinen Soldaten an ihre Fersen. Er ist zu allem bereit, um Zaïna zurückzugewinnen und sich auf diese Weise endlich an Mustapha zu rächen. Mustapha und Omar waren einst Rivalen, die beide um die Gunst ihrer Mutter gebuhlt hatten.
Zaïna und Mustapha stehen sich in nichts nach, was ihr gegenseitiges Misstrauen und ihre Sturheit betrifft, und so herrscht zwischen ihnen von Anfang an eine gewisse Feindseligkeit. Inmitten der Bedrohung durch Omar und der Strapazen begreifen das Kind und sein Vater jedoch Schritt für Schritt, dass sie miteinander verbunden sind. Zaïna sieht, dass dieser unzugängliche, stille Mann ein großes Herz hat. Nicht nur für sie, sondern auch für seinen Hengst Zingal. Sie fasst Zutrauen zu diesem Respekt einflössenden Tier, das ihr hilft, den verletzten Vater aus einer Schlucht zu ziehen. Sie lernt, auf Zingal zu reiten, fast über die Wüste zu fliegen. Die alten Mythen ihres Stammes werden für sie wahr: die Vollblüter sind die treuesten Freunde des Menschen. Zaïna hat mit Zingal einen neuen Schatz gefunden, der ihr eine tiefe Zuversicht schenkt. Sie setzt ihr Leben aufs Spiel, um ihren Vater zu retten und um Omar endlich davon zu überzeugen, dass sie nur sich selbst gehört. Sie nimmt mit Zingal am Agdal teil – verkleidet als Mann…
PRODUKTIONSNOTIZEN
Landschaften, so schön wie unbarmherzig,
Menschen so aufrichtig wie starrsinnig– mit diesen Koordinaten befindet sich ZAÏNA an einer Wegkreuzung,
an der zwei Genres aufeinander treffen:
Der Abenteuerfilm und das orientalische Märchen.
Bourlem Guerdjou
„Zaïna – Königin der Pferde“ ist ein großer Abenteuerfilm mit Aufsehen erregenden Drehorten und ungewöhnlichen Hauptdarstellern: „Man findet nicht so leicht Koproduzenten für einen so ungewöhnlichen Film“, sagt Produzent Jean-Michel Rey. „In den arabischen Ländern wurde so ein Film noch nie gedreht – dazu noch finanziert mit Fremdkapital und mit Protagonisten, die dieser Kultur angehören.“ Dabei riskierten die Filmemacher, vollkommen auf internationale Stars zu verzichten. Ein Umstand, der jedoch bereits von der Gegenwart überholt wurde: Schließlich spielt Simon Abkarian, der Darsteller des mächtigen Omars, spielt in der aktuellen James-Bond-Verfilmung „Casino Royale“ den Widersacher von Neu-Bond Daniel Craig und dürfte in wenigen Monaten auf der ganzen Welt bekannt sein.
Einmalige Drehorte
Der Weg des Nomaden Mustapha und seiner Tochter Zaïna führt durch unendliche Wüsten, über gefährliche, verschneite Bergpässe und unwegsame Gebirgspfade. Hintergrund der Reise von Tochter und Vater, die sie am Ende einander näher bringen wird, bildet das grandiose Atlas-Gebirge, das seit Jahrhunderten Abenteurer anzieht, Geographen fasziniert und Künstler inspiriert. Als den Atlas bezeichnet man das Hochgebirge im Nordwesten Afrikas, das sich rund 2300 Kilometer breit über die Staaten Marokko, Algerien und Tunesien erstreckt. Der Atlas bildet eine Grenze zwischen dem feuchten Klima im nördlichen Westafrika und der trockenen Saharawüste.
Die antiken griechischen Dichter Herodot und Homer betrachteten das Gebirge als die westliche Grenze der damals bekannten Welt. Während der Zeit der islamischen Expansion sahen Arabische Geographen in dem gebirgigen Nordwestvorsprung, der nördlich vom Meer und südlich durch die Wüste abgeschnitten wurde, eine Insel, die sich nach ihren Vorstellungen gegenüber dem andalusischen Gebirgsland im heutigen Spanien erhob - der äußerste Westen ihrer Welt.
Für Regisseur Bourlem Guerdjou war es keine Frage, wie der Film aussehen musste: „Ich wollte die großartige Landschaft des Atlas-Gebirges so authentisch wie möglich zur Geltung bringen und habe daher das Cinemascope gewählt. Bei der Bildgestaltung ging es mir vor allem darum, dem Bild eine irreale und metaphysische Dimension zu verleihen.“
Die Schauspieler fühlten sich durch die Umgebung ungewöhnlich stark inspiriert. Mustapha-Darsteller Sami Bouajila schwärmt: „Wir befanden uns in einer derart atemberaubenden Umgebung, dass es schon fast genügte, sich von der ewigen Schönheit der Landschaft und den Kostümen tragen zu lassen, um auf ganz natürliche Weise in eine andere Zeit, eine andere Welt versetzt zu werden. Allein der Umstand, von einer wilden und grandiosen Landschaft umgeben zu sein und dann irgendwo die Silhouette eines Reiters mit wehenden Gewändern zu sehen, beeinflusste unsere Darstellung. Man sitzt im Sand herum und dann steht man auf, steigt auf ein Pferd und in der nächsten Sekunde fliegt man im rasenden Galopp davon – man musste einfach nur seinem Instinkt folgen!“
Die Suche nach einmaligen Schauplätzen stellte die Filmemacher vor große Herausforderungen, schließlich wollte Kamera-Routinier Bruno de Keyzer spektakuläre Bilder auf die Kinoleinwand bringen. Für die Produzenten bedeutete das eine aufwändige Suche, an deren Ende oft hinreißende Locations wie der traumhafte Zedernwald von Ifrane, aber auch große Schwierigkeiten standen. So erzählt Jean-Michel Rey: „Wir mussten in 3600 Meter Höhe filmen, um Hochgebirgslandschaften und Schnee zu finden – eine Arbeit in absoluter Abgeschiedenheit des unendlichen Atlas-Gebirges, die jedoch das unter einem hohen Druck arbeitende Team auf magische Weise zusammenschweißte.“
Auch Sami Bouajila (Mustapha) erinnert sich gern an das menschliche Miteinander und die kollegiale Stimmung am Set: „Die Begegnung mit den Menschen in Marokko war eine großartige menschliche Erfahrung. Die Pferdepfleger zum Beispiel, mit denen ich viel Zeit verbracht habe, haben mir viel gegeben. Trotz all der Schwierigkeiten eines harten Lebens verfügen sie über einen außerordentlichen kulturellen Reichtum und über sehr viel Weisheit. Ich finde sie geradezu schön! Und was für einen Empfang uns die Berber im Süden Marokkos bereitet haben. Welche Reinheit in ihren Herzen, welche Großzügigkeit und welche Würde!“
Den mitunter fast dokumentarischen Realismus, mit dem de Keyzer unprätentiös die Nomaden und ihre Geschichte begleitete, konterkarierte Regisseur Guerdjou mit einem ausgefeilten Lichtkonzept: „Um die Härte der menschlichen Beziehungen zu mildern, gab ich einigen Nachtszenen durch Kunstlicht und digitale Effekte eine feenhafte, zauberhafte Atmosphäre.“
Natürlich profitierte die Filmproduktion von der Geschicklichkeit der marokkanischen Mitarbeiter, wie Produzent Rey betont: „Für sie war es eine echte Herausforderung, an einer europäischen Produktion mit einem viel bescheidenerem Budget mitzuwirken, als sie es von Hollywood-Produktionen wie „Alexander“ oder „Gladiator“ kennen, die in Marokko gedreht wurden.“
Die schönsten Pferde Welt
Die herrlichen Vollblüter, die im Maghreb wie Götter verehrt werden, sind ein zentrales Thema des Films. Der Hengst Zingal wird zum Mittler zwischen Vater und Tochter, und über den Umgang mit den Pferden tastet sich das Mädchen langsam an seine Kultur heran. Mustapha-Darsteller Sami Bouajila sah darin einen besonderen Clou des Drehbuchs: „Indem Zaïna zur Pferdeliebhaberin wird, kommt sie natürlich ihrem Vater näher, aber unbewusst auch der verstorbenen Mutter.“ Man sagt im Maghreb, dass die Schönheit, Reinheit und Schnelligkeit der Pferde Männer den Verstand verlieren, Freunde verraten und Familien verkaufen lässt. Diese Pferde sind für ihre Treue berühmt. Man erzählt sich, dass sie sich sogar für ihre Besitzer opfern und ins Schlachtengetümmel stürzen, um sie zu retten. Die Produzenten Jean Michel Rey und Philippe Liégeois verbrachten mehrere Jahre mit ethnologischen Forschungen und Recherchen – sowohl in Marokko als auch in Pariser Bibliotheken, schließlich sollte die Schilderung des Nomaden Mustaphas und seines Stammes und der Umgang mit den für diesen Kulturkreis so bedeutsamen Pferden bei aller Märchenhaftigkeit des Stoffes realitätsgetreu im Film dargestellt werden. Im Zuge ihrer Recherchen lernten sie Joël Proust kennen, einen in Marokko lebenden Pferdezüchter, der seit Jahren große US-Filmproduktionen mit Pferden beliefert. So war er an der Entstehung von „Gladiator“, „Alexander“ und „Kingdom of Heaven“ beteiligt.
Produzent Philippe Liégeois erinnert sich: „Proust war begeistert von der Idee, dass in unserem Film den Pferden Hauptrollen zufallen würden. Sonst müssen sie ja lediglich als Verkehrsmittel in einer bestimmten Epoche herhalten.“ Proust war als Kenner der Drehorte und der Pferde von unschätzbarem Wert für die Logistik dieser ungewöhnlichen Filmproduktion, den es gab ja kaum Szenen ohne Pferde. Liégeois: “Ein Pferd trinkt ungefähr 40 Liter Wasser pro Tag. Und für jedes Pferd und jeden Reiter gab es eine Zweitbesetzung. Folglich war stets eine lange Kolonne von Lastwagen unterwegs, beladen mit Stallburschen, Hafer und Stroh, die Marokko von Fes nach Meknès, von den Bergen des Atlas bis in die Gebiete von Quarzazate und Oukaimeden durchquerten.“
Großartige Pferde erfordern natürlich gute Reiter. Selbst Mustapha-Darsteller Sami Bouajila, ein begeisterter Reiter, unterzog sich dafür einem intensiven sechsmonatigen Training vor Beginn der Dreharbeiten. Im Gegensatz zu Sami Bouajila hatte Simon Abkarian (Omar) noch nie auf einem Pferd gesessen und musste es unter Anleitung des französischen Reitlehrers Fred Mouquet erst lernen. Abkarian: „Ein Pferd ist ein idealer Partner für einen Schauspieler. Es lässt sich nicht manipulieren, daher ist man gezwungen, mit Unvorhergesehenem zu rechnen.“ Sami Bouajila ergänzt: „Es ging darum, zu den echten Gefühlen zurückzufinden. Der Kontakt zu den Pferden erleichterte diese Herangehensweise, denn die Tiere lügen nicht: In Gegenwart von Pferden vergisst man alles, was die schauspielerische Arbeit befrachten oder verderben kann. Im Grunde spielt man dann gar nicht mehr, man lebt seine Handlungen und Gesten.“
Die Personen
Die Helden von ZAÏNA sind stolze, würdevolle Menschen. Edel und kämpferisch – wie aus einem Märchen. Regisseur Bourlem Guerdjou beschreibt die Figuren: „Es sind Menschen, die sich gegenseitig herausfordern, die sich Auge in Auge gegenüberstehen, ohne den Blick voneinander abzuwenden. Menschen, die erhobenen Hauptes ihren Weg gehen. Sie richten sich auf, um ihre Freiheit zu behaupten, anstatt in Knechtschaft zu leben. Sie ertragen keine engen Horizonte.“
Drehbuchautorin Juliette Sales verrät, dass sie sich von Erzählungen aus „Tausendundeine Nacht“ und alten Überlieferungen inspirieren ließ, beispielsweise durch die sagenhaften Berichte über die letzte Berberkönigin Kahena. Für die Autorin lag die Herausforderung darin, einen Kostümfilm zu schreiben, der gleichwohl modern war. Deswegen achtete sie mit großer Sorgfalt auf die Dialoge: „Sie sind kurz, alltäglich und zeitlos. Die Figuren, die fest in der Landschaft verwurzelt sind, teilen sich mehr durch Blicke und Gesten als durch Worte mit.“ Genauso wichtig war ihr, dass ZAÏNA nicht als marokkanische Geschichte in Erinnerung bleiben sollte: „Letztlich geht es um Regungen und Gefühle, die alle Menschen teilen, egal, woher sie stammen.“
Neben der Auseinandersetzung inhaltlicher und psychologischer Natur mussten sich die Darsteller körperlich auf die Rollen vorbereiten, die Reiterangriffe und Säbelkämpfe beinhalteten. So mussten Simon Abkarian und Sami Bouajila vor Beginn der Dreharbeiten das Fechten lernen. Simon Abkarian: „Wir haben viel in Fechtsälen geprobt. Unter der Anleitung von Philippe Guègan haben wir die Brutalität dieser Kämpfe, aber auch ihre Eleganz eingeübt.“ Während bei den Proben Fechtanzüge getragen wurden, mussten die Schauspieler bei den Dreharbeiten in den Kampfszenen natürlich in die traditionellen orientalischen Gewänder schlüpfen. Simon Abkarian: „Unsere Kostümbildnerin Annais Romand hat wahre Wunder vollbracht. Sie hat viel zur Authentizität des Films beigetragen und großes Verständnis für die Arbeit von Schauspielern gezeigt. Denn Kostüme sind ja entscheidende Hilfsmittel für Schauspieler. Sie wirken sich auf unsere Gesten aus – und sei es dadurch, dass sie die Bewegungsfreiheit einschränken. Doch Annais Romand hat Kleider entworfen, die nicht nur wunderschön anzusehen, sondern überdies auch gut zu tragen waren. Vor allem für den bequemen Sitz unserer Schuhe danke ich ihr sehr!“ |