Angel Has Fallen“ Filmkritik - Stirb schneller!

  

Nach der höchst patriotischen Actionschwarte „Olympus Has Fallen“ und der nicht minder explosiven, dafür erzählerisch um so schwächeren Fortsetzung „London Has Fallen“, kommt nun der dritte Teil in die Kinos. In „Angel Has Fallen“ ist es jedoch kein bedeutendes Bauwerk, das in die Luft fliegt und auch kein ganzes Land, welches hier in Gefahr schwebt, sondern Hauptfigur Mike Banning (Gerard Butler).

Angel has fallen Kinostart header DE

Also, er explodiert selbstverständlich nicht. Stattdessen wird sein Ruf ruiniert, als ein Attentatsversuch auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fehlschlägt und alle Beweise darauf hindeuten, dass es Secret-Service-Agent Banning war, der den gesamten Coup geplant hat und selten unrealistisch umgesetzt hat. Natürlich ist das nicht korrekt und so schlüpft der gealterte Allrounder und Meister jeder Klasse in die Rolle von Dr. Richard Kimble und sucht nach den wahren Verantwortlichen.

Wer jetzt vielleicht denkt, diese Anspielung zu „Auf der Flucht“ sei ein Hinweis auf die zu erwartende Qualität, den muss ich leider enttäuschen. Die beiden Filme lassen sich nicht wirklich miteinander vergleichen, abgesehen halt von der Tatsache, dass das Werk von Andrew Davis hier und dort als Vorlage gedient hat, der mittlerweile nicht einmal mehr lauwarmen Prämisse der Vorgänger, Olympus und London, zu entkommen.

Everything Has Fallen

Die ersten beiden Filme der Reihe waren schon eher etwas für anspruchslosere Kinogänger, die lediglich visuell beeindruckt werden wollten und einen Helden mögen, der in jeder Situation als Gewinner hervorgeht, obwohl er vom Charakter her der durchschnittliche gute Nachbar sein könnte. Zumindest in dieser Hinsicht gibt es kaum Abänderungen, auch wenn sich der optische Bombast im dritten Teil deutlich in Grenzen hält und der Fokus verstärkt auf dem plötzlich ach so tragischen Protagonisten ruht.

Banning hat seit den vorangegangenen Ereignissen nämlich erhebliche körperliche wie psychologische Probleme, die nicht nur Schlafstörungen zur Folge haben. Doch ändert dies absolut nichts an seinen Fähigkeiten und dem Ausgang von Kämpfen. Oder auch nur irgendeinem anderen Punkt, der nicht damit zu tun hat, dass wir sehen sollen, wie schlecht es ihm geht und das er eigentlich dringend einen ruhigeren Job bräuchte. Es ist eine Wendung in der Geschichte eines einsamen Kämpfers, die bis zum Abspann wenig Unterschied macht und keine tiefere Bedeutung offenbart.

Die Jagd des FBI auf den gefallenen Helden, angeführt von Agentin Helen Thompson (Jada Pinkett Smith), orientiert sich hier und dort minimal an dem zuvor erwähnten Spielfilm mit Harrison Ford. Während die Macher zusätzlich versucht haben, die Dynamik der Vorgänger beizubehalten. Das Ergebnis ist ein ewiges Zerren an den Prioritäten und ein dadurch resultierender, schwer erträglicher Erzählstil, der lediglich durch weitgehend nette Actioneinlagen aufgelockert wird.

Zum letzten Drittel fehlte dann anscheinend ein ansatzweise nachvollziehbares Finale, weswegen die ganze Prämisse, welche den neuesten Teil der Reihe von den anderen unterscheiden sollte, in einer beeindruckend sinnlosen Szene wieder über den Haufen geworfen wird. „Angel Has Fallen“ interessiert sich ab diesem Punkt nicht mehr für den Aufbau, der zur aktuellen Situation geführt hat, und kehrt direkt zu seinen Wurzeln zurück.

Einige leicht vorhersehbare Wendungen während des Endspurts reißen das Ruder auch nicht mehr herum und manche Logiklöcher hinterlassen eigentlich nur noch einen bitteren Nachgeschmack. Zusätzlich zeigen sie wunderbar auf, dass die meisten Figuren in dieser Geschichte tatsächlich blöd wie ein Meter Feldweg sind.

AngelHasFallen

Planlos gegen den Terror

Die Arbeit von Regisseur Ric Roman Waugh („Snitch - Ein riskanter Deal“, „Shot Caller“, „Felon“) lässt stark zu wünschen übrig und am Freundlichsten kann sie mit Worten wie planlos und übermotiviert bezeichnet werden. Auch wenn er keinen durchgehend schlechten Job abliefert, so gibt es doch gleichzeitig nichts, was besonders erwähnt werden müsste oder sogar gelobt werden sollte.

Das lässt sich ebenfalls auf den Cast ausweiten, jedoch auf eine andere Weise. Denn hier sind es nicht die Schauspieler, welche weniger leisten als notwendig gewesen wäre. Stattdessen ist die Ausarbeitung ihrer Figuren so zweidimensional und schlichtweg faul, dass es entgegen der vorherigen Aussage beinahe schon bewundernswert ist, dass keine Darbietung wirklich negativ auffällt. Tatsächlich positiv sticht aber halt auch nichts ins Auge.

Gerard Butler („Gesetz der Rache“, „300“, „Das Phantom der Oper“) macht, wozu er da ist. Was in diesem Film bedeutet, grimmig oder auch mal verwirrt zu gucken und bösen Jungs auf die Omme zu hauen. Morgan Freeman („Die Verurteilten“, „Sieben“, „Batman Begins“) versucht das Beste aus seiner Rolle rauszuholen, hat aber eigentlich nicht viel zu tun und/oder zu sagen. Und Jada Pinkett Smith (Collateral“, „Gotham“, „Die Liebe in mir“) ihre Figur ist ein wandelndes Klischee auf zwei Beinen.

Und dann wäre da Nick Nolte („Der schmale Grat“, „Hotel Ruanda“, „Kap der Angst“) in der Rolle von Mikes Vater, dem Vietnamkrieg-Veteranen Clay Banning. Er soll anscheinend eine andere Sicht auf gewisse Themen aufzeigen und ist am Ende doch nur das, was Hollywood unter dem Papa eines kaputten Actionhelden versteht. Nämlich ein noch gebrochenerer Actionheld. Der seinem Sohn aber trotzdem (oder gerade deswegen) ein paar Dinge beibringen kann, obwohl seine Methoden natürlich völlig veraltet sind. Und genau darum funktionieren.

Zum Schluss gibt es ein wenig Herzschmerz, Hand in Hand mit einer rührenden wie gleichsam komplett unnötigen Szene und allerlei Widersprüche zu Aussagen und Gegebenheiten, die zuvor im Film stattgefunden haben. Was bei mir blieb, ist der Wunsch, dass es keinen vierten Teil geben wird und jeder einzelne Darsteller in diesem Werk in Zukunft bessere Angebote bekommt. Verdient hätten sie es alle.

Fazit

Mindestens so doof wie die ersten beiden Teile, dafür schlechter. „Angel Has Fallen“ ist in jedem Bereich die schwächere Version seiner Vorgänger. Es ist einer dieser Filme, die man gesehen haben kann, aber definitiv nicht muss. Bei hohem Anspruch von Seiten des Zuschauers auch nicht sollte. Wer die Kunst beherrscht, das Gehirn auf Durchzug zu schalten, dürfte nichtsdestoweniger Spaß mit der zumindest geradlinigen Action haben.

Bewertung: 2/5**

Filmkritik von Heiner "Gumpi" Gumprecht, 26.08.2019