"Bumblebee" Filmkritik - Kein Michael Bay, kein Problem

  

Neuer Regisseur, Redesign der Transformers, erste weibliche Hauptrolle, deutlich geringeres Budget und John Cena ("The Marine", "Daddy´s Home", "The Wall"). Es gibt etliche Gründe dafür, den Ableger der Transformers-Reihe als Sonderling unter seinesgleichen zu bezeichnen. Was er jedoch in erster Linie ist, ist ein nötiger Richtungswechsel innerhalb des beliebten Universums. Der Vorgänger, "The Last Knight", musste immerhin immense Einbußen in den Einspielergebnissen hinnehmen, Änderungen waren also unvermeidlich.

Bumblebee Kinostart Header US

Bumblebee spielt vor dem ersten Transformers-Film

"Bumblebee", welcher ab dem 20. Dezember 2018 in den deutschen Kinos anlaufen wird, ist ein Spin-Of, das vor dem ersten Teil aus dem Jahr 2007 ansetzt und einige Fragen beantwortet, die manch einem Fan bereits auf der Zunge gebrannt haben dürften. Wie kam der beliebte, gelbe Transformer auf die Erde, wie verlor er das Stimmmodul und was hat er eigentlich getan, bevor er Sam Witwicky (Shia LaBeouf) kennen gelernt hat?

Die Antworten mögen vielleicht nicht sonderlich originell sein, dafür ist der Film selbst eine willkommene Abwechslung zu dem bisher eingeschlagenen Kurs, welcher vor allen Dingen viele Explosionen, sekundäre Geschlechtsmerkmale und Materialschlachten beinhaltete.

Ein Freund, ein guter Freund ...

Autobot-Anführer Optimus Prime (im Original gesprochen von Peter Cullen) hat entschieden, dass die Schlacht um Heimat Cybertron verloren ist. Doch der Krieg muss weitergehen und so schickt er seinen Freund und Kamerad B-127 auf einen abgelegenen, recht unbekannten Planeten, auf welchem dieser alle Vorbereitungen treffen soll, eine neue Basis zu errichten. Auf der blauen Kugel angekommen läuft jedoch nichts so wie geplant, und der von menschlichen Soldaten sowie Decepticons gejagte Held muss einiges an Schaden einstecken.

Zur gleichen Zeit sucht die Teenagerin Charlie (Hailee Steinfeld) täglich auf dem Schrottplatz nach Teilen, die sie in ihren Traumwagen einbauen kann, welchen sie bis heute noch nicht zum Laufen bekommen hat. Und da sie auch keinerlei Chancen sieht, dass ihre Mutter zum 18. Geburtstag des Töchterleins mit einem neuen Auto aufwartet, freut sie sich umso mehr, als sie einen Käfer findet, der zu funktionieren scheint und den ihr der Besitzer des Geländes kurzerhand schenkt.

Bei dem vermeidlichen Gefährt handelt es sich jedoch um B-127, welcher schwer beschädigt und verängstigt, Schutz gesucht hat. Nach dem Verlust von Erinnerung und Stimme ist er auf das junge, rebellische Mädchen angewiesen, während diese nicht nur endlich ein Auto hat, sondern ebenfalls einen guten Freund. Doch das Reaktivieren des Kriegers aus dem All ist der Aufmerksamkeit des Feindes nicht entgangen ...

Bumblebee-zene

Handlung & Action

Travis Knights' "Bumblebee" spielt nicht nur in den 1980er Jahren und versucht visuell wie die durchschnittliche Buddy-Komödie dieser Zeit zu wirken, zusätzlich wurde bei diesem Werk darauf geachtet, dass der generelle Aufbau stark an das längst vergangene Jahrzehnt erinnert. Handlung, Heldin und Gegenspieler könnten direkt einem Kinofilm entsprechender Tage entnommen worden sein.

Gleichsam hält sich die Action in Grenzen, was dem Plot Luft zum Atmen und sich entfalten lässt und es trotz deutlich eingeschränktem Budget erlaubt, optisch durchgehend hochwertig in Erscheinung zu treten. Zu behaupten, "Bumblebee" hätte aus diesem Grund, im direkten Vergleich mit den Hauptfilmen, eine überlegene Story, ist jedoch genauso falsch wie zu sagen, Tauben können fliegen, weil sie die besseren Ratten sind.

Schlussendlich ist das Drehbuch nicht mehr und nicht weniger als ein wilder Mischmasch aus Elementen der vorangegangenen Teile und jedem anderen Film, in welchem ein Teenager mit einer überlegenen außerirdischen Präsenz befreundet war. E.T. ist in diesem Fall halt deutlich größer und sehr viel gefährlicher, der Held ausnahmsweise eine Heldin und der griesgrämige Offizier der Armee ein ehemaliger Wrestler mit charismatischem Lächeln.

Lediglich das Spiel mit den Erwartungen, welches Knights hier und dort nutzt, um etwas einzubauen, mit dem der notorische Kinogänger in seiner scheinbaren Arroganz nicht gerechnet hat, entlockt immer mal wieder einen erstaunten Laut aus dem mürrischen Kritiker. Der zwar durchaus zu schätzen weiß, welchen Wert der Film für Fans der Hauptreihe haben dürfte und tatsächlich auch haben sollte, dies jedoch ungern zugeben mag, da das durchschnittliche Niveau wie gehabt auf Zimmertemperatur vor sich hin dümpelt.

Doch die Änderungen gegenüber Michael Bays Werken sind nicht nur willkommen, sondern eine dankbar angenommene Notwendigkeit. Hauptdarstellerin Hailee Steinfeld ("True Grit", "Pitch Perfect 2", "Ender´s Game") darf sich zum Beispiel über eine Rolle freuen, die wenigstens ansatzweise einen tiefer gehenden Charakter erahnen lässt und deren Körper nicht von den gierigen Augen der Kamera verfolgt wird. Der ernst gemeinte Versuch, eine Geschichte zu erzählen, triumphiert zusätzlich über Fanservice der flachsten Form; allein dafür verdienen Drehbuchautor und Regisseur bereits unseren Dank.

Schauspieler zur Schau gestellt

Am Ende haben die Nebenfiguren, welche die Handlung von "Bumblebee" ebenfalls tragen müssen, meist nicht viel mehr, beziehungsweise weniger zu tun, als einem und einem einzigen Zweck alleine zu dienen. Der Farbige Sidekick Memo ist der Nerd, der zwar gerne wollte aber wohl nie mehr als der schusselige, beste Freund sein wird. Agent Burns, aka. John Cena, sorgt für den nötigen Druck, während Dr. Powell, verkörpert von John Ortiz, dem Feind versehentlich Tür und Tor öffnet.

Der kleine Bruder, welcher nervt, jedoch seine Schwester liebt. Die fürsorgliche Mama, die versucht ihr rebellisches Kind zu verstehen. Der übertrieben nette und auf dem Schlauch stehende Stiefvater ... Es ist wie ein Best-Of von scheinbar bekannten Fakten über Filme wie diesen. Eigene Ideen oder Überraschungen in Sachen Charakterdesign sind quasi nicht vorhanden. Natürlich kann man sich nichtsdestoweniger mit mindestens einer Figur irgendwie identifizieren, sofern auch mal ein Auge zugedrückt wird. Stolz ist jedoch das letzte Gefühl, welches einen dabei beschleicht.

Wenigstens darf gesagt werden, dass alle Beteiligten, im Rahmen dessen, was das Drehbuch ermöglicht, ihr Bestes geben. Das mag nicht viel bedeuten, lässt sich als Zuschauer jedoch leicht wahrnehmen und führt dadurch dazu, dass die Handlunsgträger Sympathie erzeugen. Wie bei der grundlegenden Geschichte selbst bewegt sich dabei zwar vieles auf dem Niveau von Wochenendunterhaltung in den heimischen vier Wänden, dafür lässt sich das Gesehene zumindest auch von Nicht-Fans der Hauptreihe einigermaßen genießen.

Fazit

"Bumblebee" ist kein wirklich guter Film, doch ist er auch nicht wirklich schlecht. Travis Knights‘ ("ParaNorman", "Die Boxtrolls", "Kubo") Werk bewegt sich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen und kommt weder dem einem noch dem anderen zu nahe. Vom generellen Aufbau her den Hauptfilmen deutlich überlegen, doch leider ohne eigene Ideen. Hirn-aus-Action mit nostalgischem Flair.

Bewertung: 3/5***

Filmkritik von Heiner "Gumpi" Gumprecht, 18.12.2018