Chaos Walking – Wie ist die Chaos-Produktion?

  

von Peter Osteried | 04.04.2021

Die Buchverfilmung „Chaos Walking“ startet am 10. Juni in den deutschen Kinos. Hier unsere Kritik zum SF-Film mit Tom Holland und Daisy Ridley.

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Es ist selten ein gutes Zeichen, wenn ein Film erst vier Jahre nach dem Ende der Dreharbeiten in die Kinos kam. CHAOS WALKING war bereits im November 2017 im Kasten, erste Testvorführungen im Jahr 2018 waren nicht vielversprechend, so dass es 2019 noch ausgiebige Nachdrehs gab, bei denen Regisseur Doug Liman der eigentlich weit unerfahrenere Fede Alvarez zur Seite gestellt wurde. Mehrfach wurde der Kinostart verschoben, zuletzt wegen der noch immer grassierenden Pandemie. Nun soll das verfilmte Chaos ins Kino kommen, aber hat sich das Warten auf die Verfilmung des Romans von Patrick Ness wirklich gelohnt?

Chaos Walking – Zur Handlung

Im 26. Jahrhundert: Auf New World haben sich schon vor langer Zeit Menschen angesiedelt, In Prentistown gibt es jedoch keine Frauen mehr. Sie sollen von den Einheimischen ermordet worden sein. Die Männer haben überlebt – und mit ihnen der Lärm. Denn auf dieser Welt sind die Gedanken eines Mannes für jeden sicht- und hörbar, je nachdem, wie gut er seinen eigenen Lärm unter Kontrolle hat. Der junge Todd (Tom Holland) hat ihn nicht besonders unter Kontrolle, als er das Mädchen Viola (Daisy Ridley) kennen lernt.

Sie ist mit einem Raumschiff hier abgestürzt und nun auf der Flucht vor den Männern von Prentistown, die verhindern wollen, dass sie das große Siedlerschiff, von dem sie stammt, warnen kann. Denn der Bürgermeister von Prentis will das Schiff mit seinen Männern unter seine Kontrolle bringen. Todd hilft Viola. Beide fliehen, doch sie werden unbarmherzig verfolgt.

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Chaos Walking – Eine Kritik

Man merkt CHAOS WALKING die chaotische Produktion nicht unbedingt an. Der Film ist tatsächlich auch ganz ansehnlich, wenn auch nie überragend. Mit seiner Mixtur aus Science Fiction und Western-Thematik bietet er aber solide Genrekost, die im Grunde nur daran leidet, dass dies eben der erste Teil einer Trilogie ist.

Entsprechend ist die Geschichte eher schmalbrüstig ausgefallen. Es geht nicht wirklich um viel. Manches wird auch nur angerissen. So gibt es eine Begegnung mit einem Außerirdischen, sie wirkt aber fast wie ein Fremdkörper, weil sie mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun hat. Man hat eher das Gefühl, dass hier vielleicht etwas vorbereitet wird, das in einem nächsten Teil zum Tragen kommen könnte.

Etwas im luftleeren Raum existiert auch die Motivation des von Mads Mikkelsen klischiert schurkisch gespielten Antagonisten. Darum ist die Jagd auf die beiden Teenager auch etwas diffus. Sie treibt die Handlung als Katalysator voran, sie ist im Grunde auch die einzige Handlung, aber sie lässt Sinn vermissen.

Sehr gelungen ist dafür die Darstellung des Lärms, der Gedanken manifestiert und für jeden sichtbar macht. Gespräche sind interessant, weil Personen das eine sagen, aber das andere denken. Die Prämisse ist faszinierend, kann sich doch jeder damit identifizieren, Gedanken zu haben, von denen er nicht möchte, das andere sie sehen.

Fazit

CHAOS WALKING hat schon aufgrund seiner Produktionsgeschichte unvorteilhafte Kritiken auf sich gezogen, gänzlich unberechtigt sind sie auch nicht. Wahr ist aber auch, dass diese SF-Produktion solide Durchschnittsware liefert, deren Prämisse zwar stärker als die Ausführung ist, die aber mit ihr dennoch einige gute Ideen präsentiert. Die Besetzung ist topp, das Western-Flair des Films schön und die Dauerpräsenz der schon durch den Lärm notwendigen Effekte durchaus ansehnlich. Kein Film, der das Zeug hätte, aus eigener Kraft ein dermaßen hohes Zuschauerpotenzial anzuzapfen, dass auch noch die beiden weiteren Bücher verfilmt werden würden, aber dennoch gute Unterhaltung.

Bewertung: 3/5***

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BIlder: (c) Studiocanal