Es Kapitel 2“ Filmkritik - Unsere spoilerfreie Kritik

  

Am 05. September 2019 ist es endlich so weit und die Geschichte rund um den Horrorclown Pennywise findet ihren Abschluss. Erneut unter der Regie von Andy Muschietti setzen die Ereignisse 27 Jahre nach dem ersten Teil an und führen den Club der Verlierer in ihre zweite und letzte Schlacht gegen das menschenfressende Ungeheuer. Dabei zeigt sich die Fortsetzung mindestens so stark wie das Erstlingswerk, jedoch mit verschobenem Fokus.

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Es ist zurück!

Siebenundzwanzig Jahre sind vergangen, seit eine Gruppe von Außenseitern einem mörderischen Wesen aus tausendundeinem Alptraum die Stirn geboten hat und es zwang, sich in sein Versteck zurückzuziehen. Obwohl sich alle Beteiligten schworen, zurückzukehren, sollte Pennywise jemals wieder auftauchen, haben sie jegliche Erinnerungen an diese Zeit verloren.

Außer einem. Mike (Isaiah Mustafa) ist in Derry zurückgeblieben und hat auf den Tag gewartet, an dem er und seine Freunde Pennywise endgültig vernichten würden. Als die Morde in der kleinen Stadt von Neuem beginnen, ruft er die anderen an und bittet sie, ihm im Kampf gegen den Killerclown beizustehen. Mit gemischten Gefühlen, und nur langsam zurückkehrenden Erinnerungen, machen sich fast alle auf den Weg, ihr Versprechen einzuhalten.

Obwohl der Film eine Laufzeit von beinahe drei Stunden hat, vergeht die Zeit im Kino wie im Flug. In erster Linie, weil „Es Kapitel 2“ kaum Leerläufe hat und es nur wenige Szenen gibt, die kürzer hätten sein müssen. Die Macher des Werks haben weitgehend verstanden, welche Details wichtig sind und welche nur angeschnitten werden müssen.

Entsprechend haben es einige Informationen aus dem Buch nicht in die Filmumsetzung geschafft. Schlichtweg schon deswegen, weil Ideen, die in geschriebener Form gut gefallen, nicht automatisch auch in einem Film funktionieren. Das gilt für gewisse Details der Geschichte genauso wie für das Ende.

Aus den Reaktionen einiger Fans zu den Abänderung in „Es“ im Vergleich zum Buch und Stephen Kings eigener Meinung zu diesem Thema wurde sogar ein fortlaufender Gag, der von der ersten Minute an keinen Zweifel daran lässt, dass sich das Finale im Film von dem der Buchvorlage deutlich unterscheiden würde. Ob die Idee der Drehbuchautoren nun besser ist als die von King, muss jeder für sich selbst entscheiden, sie passt aber definitiv zu dem bisherigen Werk und schließt es passend ab.

Langsam aber bestimmt

Der Erzählstil in „Es Kapitel 2“ ist eigentlich ziemlich ruhig, läuft aber nichtsdestoweniger mit großen Schritten auf ein bestimmtes Ereignis zu. Statt sich lange mit unnötigen Erklärungen und überraschenden Wendungen aufzuhalten, fokussiert sich die Geschichte auf die Gruppe aus Freunden, die Chemie unter diesen und dem Stellenwert ihres besonderen Verhältnisses zueinander.

Diese fast schon melancholische Art des Erzählens wird jedoch in regelmäßigen und nah beieinanderliegenden Momenten von Horroreinlagen unterbrochen. Das Wechselspiel aus dargebotenen Informationen und gruseligen Szenen macht den Film aus, gerade weil beide Elemente sich so gut miteinander vertragen und quasi gegenseitig abrunden.

Und das wirkt sich zusätzlich positiv auf die Aufmerksamkeit des Zuschauers aus, da dieses Zusammenspiel über die gesamte Zeit hinweg dafür sorgt, dass ein Part nicht übermäßig in die Länge gezogen wird und sich damit zu schnell abnutzt. Als Ergebnis bleibt „Es Kapitel 2“ bis zum Finale hin spannend.

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Horror und Humor

Der Horror selbst ist wieder einmal eine recht eigenwillige Sache, ist die Fortsetzung doch, genau wie der direkte Vorgänger, weniger gruselig als eher verstörend. Im zweiten Teil zeigt sich Es nicht nur in deutlich mehr Verkleidungen, er spielt auch viel öfter mit seiner Beute und schafft Situationen, die auf mehreren Ebenen beängstigend sein können. Zusätzlich ist das Schauspiel von Bill Skarsgard („Atomic Blonde“, „Hemlock Grove“) noch unmenschlicher als es schon 2017 in „Es“ war.

Einzig der übermäßige Einsatz von Humor reißt den Zuschauer in mehr als einer Stelle aus dem Geschehen heraus. Statt es bei dezenten, komischen Anspielungen zu belassen, gibt es in „Es Kapitel 2“ deutlich mehr humoristische Einlagen, die teilweise schon an Slapstick grenzen und immer wieder an Horrorkomödien wie „Ash vs. Evil Dead“ erinnern.

Sie sollen wohl eine Art Abkühlung von dem angestiegenen Grad der Gewalt bieten, doch wäre es hier wünschenswert gewesen, Andy Muschietti („Mama“) und Warner Bros hätten mehr Mut bewiesen und sich nicht auf diese Weise einer breiteren Masse an potenziellen Kinogängern angebiedert. Die stellenweise zu albernen Parts vertragen sich weder mit der Prämisse des Films noch mit seiner Atmosphäre und schon gar nicht mit den brutaleren Elementen.

Gute Schauspieler, tolle Effekte

Wie bereits erwähnt, spielt Bill Skarsgard, welcher erneut den Horrorclown Pennywise verkörpert, hervorragend, vielleicht sogar differenzierter als im Vorgänger. Vor allen Dingen aber ein gutes Stück unmenschlicher, was seiner Figur definitiv gut tut. Doch auch die anderen Schauspieler, ob jung oder alt, machen einen exzellenten Job. Abgesehen von ein/zwei Ausrutschern gibt es an der Performance im Film nichts zu meckern.

Einzig bei James Ransone, der den gealterten Eddie spielt, war ich mir bis zum Schluss unsicher, ob seine Figur nur unpassend ausgearbeitet wurde, oder ob sich Ransone in Eddies Haut einfach nicht wohlgefühlt hat. Sein Schauspiel, von der Mimik bis hin zur Gestik, lässt immer wieder die Vermutung zu, dass er mit der Gesamtsituation absolut überfordert ist. Und damit meine ich sowohl den darzustellenden Charakter als auch den Akteur selbst.

Die Effekte im Film sind ebenfalls mit denen im ersten Teil gleichzusetzen. Überaus gut, mit dem Blick für das, was heutzutage noch schocken kann, aber technisch nicht unbedingt einwandfrei. Gerade bei Einstellungen, wo viele Details zu erkennen sein sollten, merkt man dem CGI (oder auch dem Budget) an, dass es an seine Grenzen gelangt ist

Fazit

Die Tricktechnik könnte ein wenig besser sein, abgesehen davon ist Es Kapitel 2 jedoch ein überaus gelungener und teilweise wirklich verstörender Horrorfilm. Die Performance von Bill Skarsgard ist zweifelsohne fantastisch, der Plot ruhig, aber erzählerisch stark. Und die Ideenvielfalt von Drehbuchautoren und Regisseur beeindruckend. Lediglich die Slapstickeinlagen hätte man sich gerne sparen können, kratzen diese doch immer wieder unangenehm an der ansonsten großartigen Atmosphäre.

Bewertung: 4/5****

Filmkritik von Heiner "Gumpi" Gumprecht, 03.09.2019