Filmkritik: The Little Things – Ein unkonventioneller Film

  

von Peter Osteried | 01.02.2021

Das Crime-Drama „The Little Things“ ist von Warner in den USA zeitgleich im Kino und auf dem eigenen Streaming-Dienst gestartet. Für Deutschland ist ein Kinostart geplant.

John Lee Hancock hat das Skript zu THE LITTLE THINGS schon im Jahr 1993 geschrieben. Vielleicht auch deswegen spielt die Handlung noch immer im Jahr 1990. Verschiedene Regisseure wie Steven Spielberg und Clint Eastwood waren daran interessiert, es umzusetzen. Es kam nie dazu, aber Beharrlichkeit zahlt sich aus – und so konnte Hancock sein Skript nun selbst verfilmen. Es ist damit eine Vision aus einem Guss.

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The Little Things – Zur Handlung

Joe „Deke“ Deacon (Denzel Washington) war einst ein renommierter Detective in Los Angeles, seit einiger Zeit arbeitet er jedoch weiter im Norden als Streifenpolizist. Ein Auftrag führt ihn zurück nach Los Angeles – in sein altes Revier. Dort lernt er den jungen Detective Jimmy (Rami Malek) kennen, der damit beschäftigt ist, eine Mordserie aufzuklären. Jimmy bittet Deke, ihn zu einem neuen Tatort zu begleiten. Deke findet etwas, das die anderen vielleicht übersehen haben. Aber das zieht ihn auch wieder in diese Welt hinein. Er fragt sich, ob der Killer derselbe sein könnte, an dessen Fall er vor langer Zeit selbst zerbrochen ist.

Deke nimmt sich frei und ermittelt weiter, Jimmy weiß das zu schätzen. Und dann haben sie einen Verdächtigen und setzen alles daran, ihn zu überführen. Weil der Mann einfach schuldig sein muss, so, wie er sich ihnen gegenüber benimmt …

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The Little Things – Eine Kritik

Anfangs hat man noch das Gefühl, einen handelsüblichen Thriller vor sich zu haben. Zwei Cops jagen einen Serienkiller. Derartige Geschichten gab es schon oft. Das Gefühl bleibt, als Jared Leto als Verdächtiger ins Spiel kommt. Ein Star, den man nach gut einer halben Stunde zum ersten Mal ein paar Sekunden sieht und der erst 20 Minuten später Dialog hat, muss praktisch den Killer spielen. Es gibt gar keine andere Wahl. Aber John Lee Hancock macht es weder seinen beiden Hauptfiguren, noch dem Publikum so leicht.

Er hat aus THE LITTLE THINGS einen stimmungsvollen, der Tradition des Noir-Films verpflichteten Streifen abgeliefert, bei dem es keine einfachen Antworten, dafür tatsächliche Überraschungen gibt. Ein Film, der gegen den Strom der Konventionen anschwimmt und sich mehr für die beiden Polizisten als für den Killer interessiert. Weil sie es sind, durch die der Zuschauer diese Geschichte erlebt. Es ist auch ihr Frust über die Mörderhatz, der sich auf den Zuschauer überträgt. Das hat so manchen Kritiker in den USA veranlasst, das Ende als unzufriedenstellend zu bezeichnen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, denn es ist gerade das Ende, das diesen Film so beeindruckend macht. Weil es neu bewerten lässt, was man gerade gesehen hat, aber auch den Blick auf die beiden Hauptfiguren verändert. Weil es in jedem Leben den Punkt gibt, an dem etwas zerbricht und nichts mehr ist, wie es war. Weil das echte Leben auch nicht immer eine Auflösung, sondern nur das nagende Gefühl der Ungewissheit bereithält.

Mit all dem spielt Hancock, der aus seinem Film ein beeindruckendes Crime-Drama gemacht hat, in dem es tatsächlich um die kleinen Dinge geht. Sie sind es, die einen Mörder entlarven, sie sind es, die ein Leben aus der Spur werfen.

Fazit

THE LITTLE THINGS ist ein atmosphärischer, auf die Figuren konzentrierter Film, der abseits üblicher Erzählkonventionen stattfindet, den Zuschauer aber lange den Eindruck behalten lässt, tatsächlich nur eine altbekannte Geschichte zu sehen. Aber John Lee Hancock hat etwas ganz anderes aus seinem Film gemacht. Eine Studie darüber, dass auch gute Menschen den Punkt erreichen können, an dem es keine Wiederkehr mehr gibt.

Bewertung: 4/5****

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