"Iron Sky 2: The Coming Race" Filmkritik - Hitler auf 'nem T-Rex

  

Die Nazis von der dunklen Seite des Mondes sind besiegt, die Harmonie kehrt zur Erde zurück. Oder so ähnlich zumindest. Denn nach den Ereignissen in "Iron Sky: Wir kommen in Frieden" hat ein atomarer Krieg den blauen Planeten in ein graues Ödland verwandelt. Die letzte Handvoll Überlebender hat sich in der alten Mondbasis der Braunen zurückgezogen und es in den vergangenen Jahren mehr schlecht als recht geschafft, nicht zu sterben. An allen Ecken und Enden mangelt es an Ersatzteilen, das Essen ist knapp, die Stimmung auf einem Tiefpunkt.

Doch es kommt schlimmer. Der Nachfolger von Adolf Hitler, Wolfgang Korztfleisch (Udo Kier), hat überlebt und berichtet der Tochter von Renate Richter (Julia Dietze), Obi (Lara Rossi), dass die Bedrohung für die Menschheit weit größer ist, als gedacht. Denn sowohl er als auch sein Bruder Adolf, sind in Wahrheit echsenähnliche Aliens, die noch immer im Erdinneren hausen, dank einer mächtigen Substanz, die ihnen ewiges Leben gewährt. Dieses Wundermittel kann das Leben von Obis schwerkranker Mutter retten, doch wird es von allerlei historischen, doch in Wirklichkeit außerirdischen Persönlichkeiten, die auf Dinosauriern reiten, bewacht ...

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Wenn man trotzdem lacht ...

Humor, der Tabus bricht und Grenzen überschreitet, ist nicht immer gern gesehen, beziehungsweise gehört. Wenn das Material nichtsdestoweniger überraschend clever und vor allen Dingen witzig ist, drückt man trotzdem das eine oder auch andere moralische Auge zu und genießt den Klamauk. Das funktioniert jedoch nur so lange, wie die Qualität dessen, was man zu sehen bekommt, den Erwartungen gerecht wird. Sprich, das angepeilte Publikum darüber lachen kann.

Die Zielgruppe von "Iron Sky" ist in diesem Fall hauptsächlich im Internet anzutreffen, bezeichnet schwarzen Humor als völlig normal und ist allgemein davon überzeugt, dass nichts und niemand vor kleinen und größeren Späßchen geschützt ist; auf welche Weise auch immer. In dem Vorgänger von "Iron Sky 2: The Coming Race" wurde diese These eindrucksvoll bewiesen, war der Film von 2012 doch trotz teilweise katastrophaler Kritiken so etwas wie ein Erfolg.

Was letztendlich auch den Weg für das zweite, ebenfalls hauptsächlich durch Fans finanzierte Werk geebnet hat. Erneut unter der Hand des finnischen Regisseurs Timo Vuorensola, welcher neben dem "Nazis vom Mond"-Schmaus lediglich zwei weitere, ganz ähnlich angesiedelte Produktionen zu verantworten hat. Der Übergang vom ersten Film zum Nachfolger verläuft dabei, rein storytechnisch, jedoch alles andere als reibungslos.

Das liegt in erster Linie daran, dass beide Versionen, "Iron Sky: Wir kommen in Frieden" und "The Coming Race", sich gegenseitig an vielerlei Stellen widersprechen und das Team aus Regisseur und Drehbuchautoren (Dalan Musson, Jarmo Puskala) sich keinerlei Mühe bereitet hat, dies verständlich, geschweige denn logisch zu erklären. Das gilt jedoch nicht nur für die Synergie zwischen den zwei Werken, sondern quasi für alle Bereiche des Films, welcher über die gesamte Spielzeit hinweg so wirkt, als stünde hier die Idee einzelner Szenen im Vordergrund und nicht der Versuch, einen wenigstens ansatzweise zusammenhängenden Streifen zu erschaffen.

Sinn und Sinnigkeit sucht der geneigte Kinozuschauer vergebens, flache Gags, welche gerade im Internet schon seit Jahren zum alten, verrosteten Eisen gehören, werden jedoch im Dauertakt auf die Leinwand geworfen. Das gesamte cineastische Abenteuer von Vuorensola gibt sich als eine Oldtimer-Version der besten Memes (Ein Internetphänomen, welches in der Regel aus kurzen Sprüchen, Links, Bild- oder Tonaufnahmen besteht, doch fast immer nur aus einem einzelnen Bild mit einem kurzen, prägnanten Text) von einschlägigen Seiten wie Reddit, Twitter, 9gag und Co.

Abgesehen von dem einen oder auch anderen ausgeklügelten Sketch und ein/zwei abstrusen, trotz dessen witzigen Einfällen, hat "Iron Sky 2" nichts Beeindruckendes vorzuweisen. Die Darsteller werden von Szene zu Szene gescheucht, ein Spruch jagt den nächsten, eine Abstrusität überschattet die vorhergegangene und am Ende ist alles irgendwie zusammenhangslos und enttäuschend. Und das sage ich, obwohl ich mir keinerlei Hoffnungen gemacht habe, die Erwartungen beinahe nonexistent waren und der erste Teil mich noch gut unterhalten hat.

Doch es ist nun einmal ein ernstzunehmender Unterschied, ob ich als Filmemacher eine einzigartige, fast schon revolutionäre Idee habe, ungeachtet, wie groß die Zahl derer ist, die mich in meinem Denken unterstützen. Oder ob ich mich selbst schlichtweg am Witzigsten finde und der Meinung bin, auf Gedeih und Verderb etwas erschaffen zu müssen. Denn wenn die eigenen Einfälle ausbleiben, wird geklaut. Und ja, man sagt "Lieber gut geklaut als schlecht selber gemacht", doch ist in diesem Fall beides nicht eingetroffen.

Die Macher haben sich Idee um Idee aus zweiter und dritter Hand entliehen, gerade soweit ihrem Universum angepasst, dass es nicht völlig losgelöst wirkt und sich darüber hinaus keine Gedanken mehr darum gemacht, ob das, was sie dem gemeinen Zuschauer anbieten, in irgendeiner Weise Mehrwert zu bieten hat. Ob es originell oder gar wirklich gut/lustig ist, mag im Auge des Betrachters liegen, dieser sollte dann aber die letzten zehn Jahre in einem Keller ohne Internetanschluss gelebt und nach einer unschönen Begegnung zwischen seinem Kopf und einem Stützpfeiler die Meinung entwickelt haben, schwarzer Humor wäre jetzt genau das Richtige ...

Qualität und Quantität

Optisch sieht "Iron Sky 2: The Coming Race" wirklich alles andere als schlecht aus, und obwohl das Budget für den Film vergleichsweise gering ausfiel, haben die Macher hinter der Kamera doch allerlei Tricks genutzt, damit dem Kinogänger dieser Umstand gar nicht erst auffällt. Tatsächlich ist es so, dass Bild, Ton, Schnitt, etc. zwar nicht das Gelbe vom Ei sind, sich aber gleichsam auch nicht zu verstecken brauchen. Für einen Streifen dieser Art ist das, was dort geschaffen wurde, schon äußerst hochwertig, Na, ja. Zumindest aus technischer Sicht.

In allen anderen Bereichen benötigt es einen Fanboy erster Güte, jemanden, der generell gerne Filmkritikern widerspricht oder einem blind-tauben Zuschauer, der entgegen aller Möglichkeiten, die ihm/ihr von der Natur gegeben wurden, trotzdem eine Eintrittskarte gekauft hat und von dem fantasiert, was andere tatsächlich wahrnehmen müssen.

Die einzigen beiden Schauspieler, die sich hier überhaupt sichtbar Mühe gegeben haben, sind Udo Kier ("Suspiria", "Blade", "Shadow of the Vampire") und Lara Rossi ("Crossing Lines", Robin Hood", Anchor and Hope"). Und selbst deren Performance lässt immer wieder zu wünschen übrig. Alle anderen sind einfach nur ebenfalls anwesend, und auch wenn sie sich vielleicht wirklich angestrengt haben, so lässt sich das nicht zweifelsfrei bestätigen, denn das, was sie letztendlich abgeliefert haben, bewegt sich eher auf dem Niveau von Laientheater.

Fazit

Zusammengeklaute Gags aus den letzten fünfzehn Jahren Internet, Darsteller, die jegliche Lust verloren zu haben scheinen und ein Plot, der eher dadurch besticht, dass er entgegen jeder Vernunft überhaupt existiert. Das sind die vordergründigen Eigenschaften eines Films, der wirklich nicht hätte sein müssen. Ein paar harte Kinogänger werden ihn trotzdem mögen, solche, die sich jedoch unsicher sind, ob sie einen Besuch im Kino wagen sollten, sei davon abgeraten. Vehement.

Bewertung: 2/5**

Filmkritik von Heiner "Gumpi" Gumprecht, 25.01.2019