"Master Z: The Ip Man Legacy" Filmkritik

  

Bei diesem Film, der im Original den Namen "Cheung Tin-Chi" trägt, handelt es sich um ein Spin-Off von "Ip Man 3". Die Geschichte dreht sich um den gleichnamigen Wing-Chu-Meister, der in einem legendären Kampf Ip Man unterlag und sich danach aus dem Kampfsport zurückzog. Nun lebt er mit seinem Sohn ein einfaches Leben als Krämer, geht Ärger so weit wie möglich aus dem Weg und versucht seine fragwürdige Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Doch wie so meist währt der Frieden nicht sonderlich lange und Cheung Tin Chi wird gegen seinen Willen in Schwierigkeiten hinein gezogen. Schon bald hat er es mit der hiesigen Triade zu tun, die schnell lernen, dass der Kampfsportmeister niemand ist, mit dem man sich anlegen möchte. Aus Rache brennen sie dessen Haus nieder, bedrohen das Leben seines Sohnes und lassen ihm im Grunde keine andere Wahl, als für Recht und Ordnung in seiner Nachbarschaft zu sorgen ...

Ip Man legacy Kinostart

Inhaltlich schwach auf der Brust

Die Geschichte in "Master Z" ist nichts, wofür man den Denkapparat in besonderem Maß beanspruchen müsste. Wer über die Teenagerjahre hinaus ist, sollte diese Art der Handlung schon unzählige Male in vielerlei Formen gesehen und gelesen haben. Sie ist nämlich so durchgekaut, dass von der Masse nur noch klebriger Saft übrig blieb. Es ist die typische Mär von einem ehemaligen Bad-Boy, der sein lasterhaftes Leben hinter sich gelassen hat und nun nur noch Ruhe und Frieden will, für den richtigen Zweck aber die Fäuste abermals sprechen lassen muss.

Hinzu kommt, dass sich Regisseur Woo-Ping Yuen ("Die Schlange im Schatten des Adlers", "The Grandmaster") nicht sonderlich viel Mühe mit dem Erzählstil gibt und die Geschichte schlichtweg vor sich hin dümpeln lässt. Teilweise driftet das Ganze in Bereiche einer Seifenoper ab, wirkt wie der schlechte Versuch, um die Kampfszenen herum ein tragendes Gerüst aufzubauen, welches schlussendlich jedoch nur die Richtung vorgibt, inhaltlich dafür aber wenig, bis nichts zu bieten hat.

Die Krone setzen dem die Unterhaltungen auf, die sich in Sachen Niveau irgendwo zwischen doof, lächerlich und unfreiwillig komisch bewegen. So ernst "Master Z: The Ip Man Legacy" auch genommen werden möchte, so schwer fällt es dem geneigten Zuschauer, dies zu tun. Charaktere reden aneinander vorbei oder sagen völlig Belangloses, Bösewichte hauen Sprüche raus, die sie als schlichtweg dumm entlarven und Hauptfigur Cheung Tin Chi wird dafür missbraucht, mit stetig bierernster Miene Stimme der Vernunft zu sein, während fast alle anderen einfach nur brabbeln.

Die deutschen Synchronsprecher setzen für jeden, der nicht a) ein absoluter Martial-Arts-Fan und/oder b) begeisterter Anhänger chinesischer Produktionen ist, den sprichwörtlich letzten Nagel an den Sarg an. Ihre Leistung schwankt zwischen unterirdisch und gerade einmal unteres Mittelmaß hin und her, macht es zusätzlich schwer, Charaktere und Szenen ordentlich würdigen zu können.

Das mag alles ein wenig hart klingen und unterm Strich ist es das wohl auch, doch sollt ihr euch einfach gewarnt fühlen. Wer Produktionen dieser Art kennt und bisher gemocht hat, wird mit "Master Z" eher keine Probleme haben. Habt ihr bis heute jedoch nur die Hauptfilme der Ip-Man-Reihe gesehen und dort bereits angemerkt, dass die Geschichte stetig ein bisschen schlechter wird, dann lasst auf jeden Fall die Finger von diesem Ableger.

Martial Arts dann und heute

Die verschiedenen Kampfszenen in "Master Z: The Ip Man Legacy" sind nett anzusehen und teilweise hochwertig umgesetzt worden; wie man es von einem Film dieser Machart und mit dem entsprechenden Thema wohl erwarten dürfte. Woo-Ping Yuen hat sich viel Mühe gegeben, spannende Auseinandersetzungen darzustellen, die über Alleinstellungsmerkmal und Aha-Effekt verfügen. Das sieht alles sehr gut aus, bleibt ehrlich gesagt aber hinter dem zurück, was wir aus der Hauptreihe kennen. Und zwar um Längen.

In diesem Film wird viel übertrieben, und das auf eine Art, die weder sonderlich stellvertretend für die vorangegangen Werke ist, noch unbedingt nötig gewesen wäre. Da kämpfen die bösen Buben schon einmal mit dem Helden auf Reklametafeln an den Außenwänden der Häuser. Kurze Zeitlupeneffekte in Kombination mit einem extremen Zoom sollen besondere Bewegungen hervorheben, machen sie stattdessen jedoch unrealistisch und schwer ernst zu nehmen.

Und dann noch die Szenen, an welchen es durchaus so scheint, dass der entsprechende Haudegen an Seilen hängt und unmögliche Bewegungsabläufe absolviert. Diese Form des Kämpfens ist aus chinesischen Martial-Arts-Werken zwar bekannt, hat in Ip-Man-Filmen aber herzlich wenig zu suchen. Statt sich auf die Schönheit und Komplexität des Wing Chu zu konzentrieren, versuchten die Schöpfer hier auf Gedeih und Verderb einen oben drauf zu setzen. Dies ist nicht nur unnötig, sondern macht es zudem schwer, das Gesehene genießen zu können.

Von Bautista und Tony Jaa

Die schauspielerische Leistung der Beteiligten, vor allen von Jin Zhang ("Ip Man 3", "Bitter Enemies", "Pacific Rim 2") und Michelle Yeoh ("Tiger & Dragon", "Sunshine", "Star Trek: Discovery") möchte ich überhaupt nicht in Frage stellen. Auch wenn es das schwache Drehbuch und die schlechte Synchronisation äußerst schwer machen, dies ordentlich beurteilen zu können. Es gibt Akteure, die wirklich einen guten Job abliefern und solche, die besser in einer B-Movie-Komödie aufgehoben wären.

Schade ist in erster Linie, dass der Film mit Tony Jaa ("Ong-Bak", Revenge of the Warrior") wirbt und diesen dann in einer kurzen und einer Mini-Szene verschwendet. Seine Leistungen als Schauspieler mögen für Diskussionsbedarf sorgen, seine Fähigkeiten als Kämpfer stehen jedoch außer Frage. Vielleicht hätten die Schöpfer lieber Leuten wie ihm eine Chance geben sollen, statt auf Martial-Arts-Klamauk zu setzen, der mit Wing Chu herzlich wenig zu tun hat.

Und dann ist da noch Ex-Wrestler Bautista ("Guardians of the Galaxy", "Riddick", "Hotel Artemis"), der hier den großen Antagonisten mimt. Seine Rolle als Drogenbaron ist davon erfüllt, bedrohlich und leicht komplex wirken zu wollen, beschränkt sich jedoch darauf, dem Protagonisten einen Grund zu geben, sein Können unter Beweis zu stellen und den Unschuldigen zur Seite zu stehen. Lediglich der Endkampf zwischen ihm und Cheung Tin Chi hat einen gewissen Wert, da hier rohe Gewalt und filigrane Kampfkunst aufeinandertreffen.

Fazit

Für Hardcore-Fans chinesischer Martial-Arts-Filme und solche, die alles mit und rund um Ip Man mitnehmen müssen, kann "Master Z" durchaus funktionieren. Alle anderen sollten auf der Hut sein. Die Kämpfe sind deutlich schlechter und unrealistischer als in den Vorgängern, die Geschichte bestenfalls knapp unter Durchschnitt und die deutsche Synchronisation einfach nur ein Totalreinfall. Wir empfehlen, lieber auf "Ip Man 4" zu warten, welcher sich bereits in Produktion befindet; erneut mit Donnie Yen in der Hauptrolle.

Bewertung: 2/5**

Filmkritik von Heiner "Gumpi" Gumprecht, 09.05.2019