"Phantastische Tierwesen - Grindelwalds Verbrechen" Filmkritik

  

Eigentlich möchte Newt Scamander (Eddie Redmayne) lediglich weitgehend in Ruhe gelassen werden, damit er die merkwürdigen und gleichsam beeindruckenden Geschöpfe der Magierwelt studieren kann. Doch als der notorische Kriminelle Gellert Grindelwald aus dem Gefängnis ausbricht und eine Schneise der Verwüstung hinter sich herzieht, wird er abermals in Dinge verwickelt, mit denen er im Grunde herzlich wenig zu tun haben möchte.

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Grindelwalds Verbrechen: So geht es los...

Niemand Geringeres als der berühmte Albus Dumbledore (Jude Law), zu diesem Zeitpunkt Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, tritt an den Autor in spe heran und bittet ihn, Grindelwald die Stirn zu bieten. Albus selbst kann aus anfangs unbekannten Gründen nicht gegen den Schurken vorgehen und so vertraut er auf seinen ehemaligen Schüler, dem Verbrecher Einhalt zu gebieten. Die einzige Spur ist der Obscurial Credence (Ezra Miller), welcher die Ereignisse im ersten Teil überaschenderweise überlebt hat.

Dieser befindet sich aktuell in Paris, auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter. Entsprechend ist es sehr wahrscheinlich, dass auch Grindelwald die französische Hauptstadt aufsuchen wird, schließlich sieht er den jungen Magier als seine beste Chance, gegen Dumbledore und die geballte Kraft der magischen Regierung bestehen zu können. Als Scamanders Beinahe-Freundin Tina und deren Schwester Queenie ebenfalls nach Paris aufbrechen, bleibt Newt anscheinend keine Wahl ...

Die Mischung macht´s

Die größte Leistung von David Yates ("Legend of Tarzan") Film ist die Mischung aus verschiedenen Elementen und Grundzügen. "Grindelwalds Verbrechen" ist, passend zu den Missetaten des Bösewichts, ein äußerst düsteres Werk, welches den Humor und die Verspieltheit der Vorgänger jedoch nicht ignoriert. Es ist ein cineastisches Abenteuer, durchzogen von einer ernsten Thematik, gleichsam dennoch stets in der Lage, ein Lächeln auf die Lippen des geneigten Zuschauers zu zaubern.

Sei es durch die schräge Art der Hauptfigur, dem Zusammenspiel zwischen verschiedenen Charakteren oder einfach nur dank einer gewissen Art der Situationskomik. So oder so schafft es Yates Werk immer wieder, den Schleier aus düsteren Vorahnungen, Verbrechen und Schicksalsschlägen zu durchbrechen und ein bisschen kindliche Freude mit einfließen zu lassen. Beide Seiten geben sich im Wechseltakt die Klinke in die Hand, fließend, der Geschichte entsprechend und ohne sichtbaren Zwang.

Dieser durchaus gelungene Versuch, Spaß und Ernst zu vereinen, zieht sich durch den ganzen Film und wirkt sich ebenfalls stark auf seinen Aufbau aus. So wechselt Yates Werk immer wieder zwischen vier verschiedenen Baustellen hin und her, ohne einer davon mehr Aufmerksamkeit oder Gewicht zukommen zu lassen als den anderen und diese gleichsam miteinander so zu vereinen, dass es am Ende nicht nur alles sinnig und stimmig erscheint, sondern auch ohne großartige Logikfehler auskommt.

Für den Part der Tierwesen ist natürlich wieder Newt Scamander zuständig, der uns in den beinahe 135 Minuten aufregende und wundervolle neue Kreaturen präsentiert. An anderer Stelle sind wir Zeugen davon, wie Grindelwald vorgeht und was er letztendlich überhaupt zu erreichen versucht. Und dann gibt es da noch einige kleinere Ausflüge nach Hogwarts, sowohl in der aktuellen Gegenwart als auch in der Vergangenheit. Und zu guter Letzt folgen wir ebenfalls der Geschichte von Credence, der seine Reise gerade erst begonnen hat.

Wirklich erstaunlich ist jedoch nicht, dass Yates diese vier Handlungsstränge so erzählt, dass keine von ihnen zu viel oder zu wenig Screentime erhalten hat, sondern wie er es schafft, zum Schluss des Stücks alle Elemente miteinander zu vereinen. Zusammen mit (Drehbuch-)Autorin Rowling lässt er alle Fäden nach und nach zusammenlaufen und verknüpft jeden Einzelnen davon. Ohne lose Enden, ohne unbeantwortete Fragen. Zumindest nicht solche, die sich nicht auf die Fortsetzung beziehen würden.

Dabei werden die Figuren aus dem Vorgänger nicht einfach nur recycelt, sondern mit ernsthaftem Versuch ausgebaut und neu beleuchtet. Statt sich auf dem Erfolg auszuruhen und die Charaktere das machen und zeigen zu lassen, was einige Fans von ihnen erwarten, durchleben sie ebenfalls eine Veränderung. Manchmal aufgrund der Taten Grindelwalds, manchmal schlichtweg nur, weil es in der Natur des Menschen liegt. Gerade diese Herangehensweise, dem Versuch, nicht puren Fanservice abzuliefern, sondern die Geschichte und ihre Spielfiguren ernsthaft zu erweitern, macht "Phantastische Tierwesen 2" schon zu einem besseren Film als sein Vorgänger.

PhantastischeTierwesen2

Schauspielerisches Wow

Doch nicht nur die Arbeit von Drehbuchautor(in) und Regisseur sind ein bis zwei Belobigungen wert, sondern auch die schauspielerische Leistung der Beteiligten. Eddie Redmayne ("Die Entdeckung der Unendlichkeit") geht mittlerweile in der Rolle des Newt Scamander richtig auf und wo er im ersten Teil noch merkwürdig deplatziert und unsicher in seinem Spiel wirkte, hat er es nun geschafft, völlig eins mit der Hauptfigur zu werden. Die Art seines Schauspiels grenzt an Einzigartigkeit, gibt seinem Charakter nicht nur das besondere Etwas, sondern auch die Farbe, die er benötigt, um mit all den anderen Figuren so gut zu harmonieren.

Und während im Grunde jeder Beteiligte auf seine/ihre ganz spezielle Art und Weise Lob verdient haben mag, so ist es doch in erster Linie Jude Law ("Road to Perdition") in der Rolle des Albus Dumbledore, welcher besonders aus der Masse hervorsticht. Law hat es geschafft, den deutlich jüngeren Meister-Magier so zu verkörpern, wie wir ihn dank des ursprünglichen Schauspielers, Michael Gambon, kennen. Seine Art zu reden, seine Mimik, seine Körpersprache ... All dies hat Law verinnerlicht und so angepasst, dass es zu einer früheren, weniger bärtigen Version des geschätzten Charakters passt.

Ähnlich beeindruckend zeigt sich das Spiel von Joshua Shea ("The Royals"), welcher Newt Scamander in seiner Zeit in Hogwarts repräsentiert. Zwar ist der Schauspieler nur kurz zu sehen, doch beweist er in diesen Momenten, wie gut er die Art von Eddie Redmayne, den Part der Hauptfigur zu verkörpern, verstanden hat. Es scheint fast so, als würde es sich hier um den gleichen Akteur handeln. Abgesehen von minimalen Mängeln eine überzeugende Leistung, die definitiv Lob und Anerkennung verdient hat.

Fazit

Auch wenn diese Kritik an einigen Stellen eine andere Sprache zu sprechen scheint, so ist "Grindelwalds Verbrechen" kein perfekter Film. Doch das Werk von David Yates ist sehr nah dran, hat nur wenige Fehler. Und dabei handelt es sich sogar um solche, die leicht übersehen und/oder ignoriert werden können. Drehbuch, Regiearbeit, schauspielerische Leistung und CGI sind überdurchschnittlich gut, in manchen Fällen sogar fehlerlos. Deutlich besser als der erste Teil und ein würdevoller Nachfolger im Harry-Potter-Universum.

Der Film startet morgen offiziell in den Kinos. Bereits heute finden in fast allen Kinos Preview-Veranstaltungen statt.

Bewertung: 5/5*****

Filmkritik von Heiner "Gumpi" Gumprecht, 14.11.2018