„Solo: A Star Wars Story“ Filmkritik

  

Han Solo, im Original gespielt von Harrison Ford, ist wohl eine der bekanntesten wie auch beliebtesten Figuren des Star-Wars-Universums. Und ein Charakter, um den sich viele Mythen und Legenden drehen, die Fans gerne beantwortet sehen möchten. Disney, immer bereit Nischen zu füllen die Geld versprechen, hat die Rufe gehört und prompt geantwortet. Mit „Solo: A Star Wars Story“ erhalten wir endlich die Geschichten, die treue Anhänger des verschrobenen Schmugglers schon immer hören wollten.

Der Space-Western läuft ab dem 24. Mai in den deutschen Kinos an und darf wohl und gerne als purer Fanservice bezeichnet werden. Ein Film, der direkt den harten Fankern anspricht, trotz dessen deutlich gewillt ist, auch das breite, gemeine Kinopublikum abzuholen. Dabei dreht sich die Handlung primär darum, alles zu erklären und zu zeigen, was ihr mit der ikonischen Figur in Verbindung bringt.

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Tolle Details

Die Drehbuchautoren Lawrence und Jonathan Kasdan schusterten dafür eine Geschichte zusammen, die sich wie eine wilde Mischung aus Western und Abenteuerfilm der Marke „Indiana Jones“ anfühlt. Dabei lag der Fokus ziemlich eindeutig darauf, Han Solo noch viele Stunden im Rampenlicht zu versprechen; die Handlung selbst rückt dabei in den Hintergrund, vordergründig geht es darum, dem geneigten Kinozuschauer zu erklären, wie aus einem jungen Kleinkriminellen ein waschechter Held wurde.

Nebenbei wird zusätzlich versucht — und das meiner Meinung nach ziemlich erfolgreich — alle offenen Fragen zu beantworten, die sich Fans seit der originalen Trilogie gestellt haben und teilweise noch heute stellen.

Wie haben sich Chewbacca (Joonas Suotamo) und Han kennen gelernt? Warum sieht Solos Blaster so aus, als könne man mit der Zielvorrichtung selbst Feinde auf dem nächst gelegenen Mond anvisieren? Wie kam er wirklich an den Millennium Falken? Wie wurde er zum Schmuggler? Und viel wichtiger: wieso gibt er ständig an, den Kesselflug in unter 12 Parsecs geschafft zu haben, wenn Parsecs doch eine Längen- und keine Zeiteinheit darstellen?

Und so weiter und so fort. In Sachen Aufklärung/Erklärung macht kaum ein Produktionsstudio einen so guten Job wie Disney. Ohne in Klischees abzudriften, sich Dinge aus den Ohren zu ziehen oder einfach nur halbherzig Antworten zu liefern, wurden sich in „Solo: A Star Wars Story“ ernsthafte Gedanken um diese Themen gemacht und nach besten Wissen und Gewissen beantwortet.

Natürlich nicht Konform mit dem alten Star-Wars-Kanon, doch dafür — und bitte steinigt mich nicht für diese Meinung — deutlich geschickter, als es in den unzähligen Büchern, Comics und anderen Medien rund um die originale Trilogie der Fall gewesen ist. Charakterzeichnung und geschichtliche Details sind hervorragend in Szene gestellt worden, versprechen für Fans der Figur und jeden, der es mit dem einstigen Kanon nicht ganz so genau nimmt, großartige Unterhaltung.

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Erzählerisch schwach

So weit, so gut. Was in diesem Film von Regisseur Ron Howard nicht funktioniert, ist fast alles andere, was mit der Story zu tun hat. Erzählerisch ziemlich schwach auf der Brust, dümpelt der Film bisweilen vor sich hin, hat mit einer Menge Leerläufe zu kämpfen. So gut und geschickt manch eine Figur in diesem Film auch ausgearbeitet worden ist, so verloren wirkt sie in der Handlung, der Ausgangssituation die ihr gegeben ist.

Wie in der klassischen Odyssee des Dichters Homer klappert Han Solo einzelne Punkte seiner Reise ab, die ihn zwar kaum charakterlich weiter entwickeln, dafür aber alles zur Schau stellen, was die Figur per se ausmacht. Einzelne Stationen seiner Reise wirken durchgehend eher wie Entschuldigungen, den Mythos zu durchleuchten, vielleicht auch zu erklären, hängen selbst aber mehr schlecht als recht zusammen.

Wie lose Fäden, die lieblos miteinander verknüpft wurden, da der Blick durchgehend auf einer einzelnen Prämisse ruht: Han Solo und wie wir ihn für lange Jahre kinotauglich halten können. Figuren, Ereignisse und Taten um ihn herum sind nach wenigen Filmminuten bereits glasklar im Vorfeld zu erkennen, sofern der Hauptcharakter euch, beziehungsweise dem geneigten Kinogänger, nicht völlig unbekannt ist.

Schaut euch an, was geliefert wird, sucht vor eurem geistigen Auge den Han, den ihr kennt und die Unterschiede, die euch zwischen den beiden Figuren auffallen, sind die Ereignisse die da noch kommen mögen. So ist „Solo: A Star Wars Story“ zwar eine nette Anekdote in einem äußerst vielfältigen wie gleichsam beliebten Filmuniversum, doch abseits davon auch nicht viel mehr. Einzig und allein schon deswegen, weil Drehbuchautoren und Regisseur ihn darauf beschränkt haben.

Mit Charme und Roboter

Der Plot ist also kaum der Rede wert. Was, neben den bereits erwähnten, teils recht cleveren Antworten rund um alles, was die Hauptfigur so ikonisch macht, wirklich funktioniert, ist die Harmonie zwischen den einzelnen Figuren. So stimmt die Chemie zwischen einem jüngeren Han Solo und Chewbacca bereits hier, macht das Duo sofort sympathisch wie psychologisch spannend anzusehen.

Gleiches gilt für Donald Glover als Lando Calrissian, welcher die einstige Nebenrolle nicht nur formidabel spielt, ihr zudem erschreckend ähnlich sieht und zusätzlich auch noch eine gehörige, neue Portion Charme verleiht. Eine schauspielerische Meisterleistung von Glover, welche sich auch auf die altbekannte Figur der originalen Trilogie auswirken dürfte. Nach dieser Leistung wäre es kaum verwunderlich, wenn selbst Lando seinen eigenen Film bekommt.

Da das Ende von „Solo“ (ach, was sage ich da; der ganze Film) bereits lauthals Fortsetzung schreit, wäre es auch nicht unmöglich, dass Glovers Screentime einfach deutlich erhöht wird. Von meiner Seite aus völlig okay. Von den meisten anderen Figuren, plump und lustlos aus tausend und einem Western entliehen, brauch ich dagegen nicht mehr viel zu sehen und hören. Dass, was in diesem Werk ihrerseits abgeliefert wurde, reicht mir völlig aus.

CGI war auch dabei

Abseits von den bereits erwähnten Punkten gibt es wenig, was noch extra diskutiert werden muss. Die musikalische Untermalung ist eine interessante Mischung aus dem originalen Stil und neuen Ansätzen, wie sie sich bereits in „Rouge One“ finden ließen. Aus technischer Sicht, Kameraführung, Schnitt, Bildeinstellungen, besteht ebenfalls kein Bedarf an negativer Kritik, bewegt sich hier doch alles im oberen, visuell äußerst ansprechenden Bereich.

Gleiches gilt für den Einsatz von CGI sowie die Bühnen- und Maskenbildner. Es ist immer wieder erstaunlich, wie es Disney schafft, mit den modernsten Mitteln und einer enormen Liebe fürs kleinste Detail, die alte Welt und ihre Kostüme, Kreaturen und Landschaften neu zum Leben zu erwecken. Als wären die Jahre nie ins Land gezogen …

Fazit

Erzählerisch schwaches Spin-Off mit deutlicher Tendenz zum oberflächlichen Fanservice. Die Ausarbeitung der Hauptfigur ist dafür äußerst gut gelungen. Viele Leerläufe und ein eher zweckdienlicher Plot stehen im Kontrast zu einem recht spaßigen Abenteuer der Marke Popcornkino. Für Anhänger des Filmuniversums und vor allem Fans von Han Solo ein absolutes Muss. Für Gelegenheits-Kinogänger eher überflüssige Kost.

Bewertung: 3/5***

Filmkritik von Heiner "Gumpi" Gumprecht, 17.05.2018